Zikaden (Fantastische Fakten)

Wer schon einmal einen Sommer im Mittelmeerraum verbracht hat, kennt dieses Geräusch: ein lautes, durchdringendes Zirpen, das an heißen Tagen scheinbar überall zu hören ist! Für mich ist es in diesem Jahr besonders vertraut geworden – während meines dreimonatigen Praktikums in Griechenland war ich praktisch täglich von diesem charakteristischen Zikadengesang umgeben und fand es ehrlich gesagt richtig schön! Ob bei der Arbeit, auf dem Weg nach Hause oder an einem warmen Sommerabend, die Zikaden gehörten einfach zur Geräuschkulisse dazu. Grund genug, einmal genauer hinzuschauen, was eigentlich hinter diesem Sommerkonzert steckt.

Mehr als 45.000 Arten und nur wenige machen so viel Lärm

Zikaden gehören zur Ordnung der Schnabelkerfe und sind damit unter anderem mit Wanzen und Blattläusen verwandt. Weltweit sind mehr als 45.000 Zikadenarten bekannt. Sie unterscheiden sich teilweise enorm in Größe, Färbung und Lebensweise. Während manche Arten nur wenige Millimeter groß werden, erreichen die größten Zikaden Körperlängen von bis zu 11 Zentimetern und Flügelspannweiten von fast 20 Zentimetern.

Die bekannten „Sänger“ des Mittelmeers gehören zu den Singzikaden. Allerdings macht nur eine Minderheit aller Zikadenarten diese charakteristischen Geräusche. Die Tiere sitzen häufig gut versteckt in Bäumen und Sträuchern, zu hören sind sie deshalb oft lange, bevor man sie überhaupt entdeckt.

Und sie können erstaunlich laut werden. Manche Singzikaden erreichen über 60 Dezibel, bei besonders lauten Arten wurden sogar deutlich höhere Werte gemessen. Ihr Gesang kann über große Entfernungen hinweg zu hören sein. Kein Wunder also, dass sich manche Urlauberinnen und Urlauber in Südfrankreich schon über das „ohrenbetäubende“ Konzert beschwert haben. Im französischen Ort Le Beausset wollten einige Touristinnen und Touristen die Tiere sogar mit Wasser und Insektiziden zum Schweigen bringen. Der Bürgermeister lehnte das jedoch entschieden ab und betonte, dass die Zikaden für die Provence einfach dazugehören.

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Ein Liebeslied

Doch warum sind die Zikaden überhaupt so laut? Hinter dem Zirpen steckt vor allem Partnersuche. Bei den Singzikaden sind es die Männchen, die den charakteristischen Gesang erzeugen, um Weibchen anzulocken. Gleichzeitig können die Rufe der Revierverteidigung oder der Warnung dienen.

Dafür besitzen Zikaden ein spezielles Organ am Hinterleib, das sogenannte Trommelorgan. Durch dessen schnelle Bewegung entstehen die Schallwellen. Anders als Grillen erzeugen sie ihr Geräusch also nicht, indem sie Körperteile aneinanderreiben.

Besonders aktiv werden die Tiere bei hohen Temperaturen. Für die mediterranen Singzikaden sind warme Sommertage daher die perfekte Zeit für ihr großes Konzert. Das erklärt auch, warum das typische Zirpen gerade im Hochsommer so allgegenwärtig ist.

Der ungewöhnliche Lebenszyklus

Was man im Sommer von den Zikaden mitbekommt, ist eigentlich nur ein kleiner Teil ihres Lebens. Zikaden ernähren sich von Pflanzensäften, die sie mit ihrem stechend-saugenden Rüssel aufnehmen.

Bei einigen bekannten Singzikaden ist der Lebenszyklus besonders außergewöhnlich. Nach der Eiablage entwickeln sich die Larven und gelangen in den Boden. Dort können sie über viele Jahre an den Wurzeln von Pflanzen saugen. Bei einigen nordamerikanischen Arten dauert diese unterirdische Phase sogar 13 oder 17 Jahre.

Nach dieser langen Zeit kommen die Larven bei passenden Temperaturen wieder an die Oberfläche. Sie klettern auf Pflanzen, häuten sich ein letztes Mal und verwandeln sich in die geflügelten erwachsenen Zikaden. Dann beginnt für kurze Zeit das große Sommerkonzert, bevor der Zyklus von Neuem startet.

Besonders spektakulär sind die sogenannten periodischen Zikaden in Nordamerika. Einige Populationen erscheinen in großen Schwärmen nur alle 13 oder 17 Jahre. Da sich verschiedene Entwicklungszyklen überschneiden können, kommt es sogar zu besonders seltenen Massenauftreten. Ein solches Ereignis fand beispielsweise 2024 statt, als zwei große Bruten gleichzeitig auftraten.

Kleine Tiere mit großer Bedeutung

Zikaden sind aber nicht nur faszinierende Geräuschemacher. Sie erfüllen wichtige Funktionen in ihren Ökosystemen. Da sie Pflanzensäfte aufnehmen, beeinflussen sie die Pflanzen, auf denen sie leben. Gleichzeitig sind sie eine wichtige Nahrungsquelle für zahlreiche andere Tiere, darunter Vögel, Fledermäuse, Reptilien, Amphibien, Spinnen, Ameisen und räuberische Käfer.

Besonders spannend ist ihre enge Verbindung zu bestimmten Pflanzen. Mehr als die Hälfte der Zikadenarten lebt laut den vorliegenden Informationen monophag, sie ist also auf eine bestimmte Pflanzenart oder Pflanzengattung spezialisiert. Dadurch reagieren Zikaden empfindlich auf Veränderungen ihres Lebensraums.

Genau diese Eigenschaft macht sie auch für den Naturschutz interessant. Wo viele verschiedene Zikadenarten vorkommen, findet man häufig auch eine hohe Vielfalt an Pflanzen und unterschiedlichen Lebensraumstrukturen. Zikaden können deshalb als Indikatoren für die Biodiversität dienen. Mit relativ wenigen standardisierten Begehungen lassen sich ihre Bestände erfassen und Veränderungen in Lebensräumen beobachten.

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Das Zirpen als Warnsignal

Und damit bekommt das vertraute Sommergeräusch noch eine ganz andere Bedeutung. Viele Zikadenarten sind auf bestimmte Pflanzen, Mikroklimata und Lebensräume angewiesen. Intensive Landwirtschaft, die Veränderung von Grünland und der Verlust geeigneter Strukturen können ihre Bestände stark reduzieren.

Für Österreich wird beispielsweise darauf hingewiesen, dass zahlreiche Zikadenarten gefährdet sind. Besonders betroffen sind Arten, die auf sehr feuchte oder sehr trockene, extensiv bewirtschaftete Wiesen angewiesen sind. Auch in Deutschland sind viele Zikadenarten auf der Roten Liste zu finden.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

Artikel: 89

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