Tag der Flüsse: Niedrigwasser und Ökosysteme

Am 27.9. ist Tag der Flüsse. Dieser Tag soll uns auf die Bedeutung und den Zustand von Flüssen aufmerksam machen.

Und nach einem sehr heißen und trockenen Sommer sind unsere Flüsse vor allem von einem betroffen: Sie haben zu wenig Wasser. Was bedeutet es für die Ökosysteme am und im Fluss, wenn er zu wenig Wasser führt? Und durch welche Maßnahmen kann das abgefedert werden?

Das erfährst du in dieser Story!

ein Wasserfall fließt zwischen größeren Steinen, im Hintergrund Bäume
Dass es mal mehr, mal weniger Wasser in Flüssen und Bächen gibt, ist ganz normal. / © Ivelin Donchev, pixabay.com

Niedrigwasser: Normal oder nicht?

Zunächst einmal ist festzuhalten, dass es bei Flüssen immer wieder Schwankungen im Jahresverlauf gibt. Es ist ganz normal, dass sie mal mehr, mal weniger Wasser führen.

Das hängt mit dem Niederschlag zusammen, aber auch mit der Schnee- und Eisschmelze im Frühling. So führen viele Flüsse im Frühling und Frühsommer mehr Wasser, wenn in den Alpen und anderen Hochlagen der Schnee schmilzt. Im Laufe des Sommers nimmt der Wasserstand dann allmählich ab, der Tiefststand ist normalerweise in den Herbstmonaten oder zum Ende des Sommers. Wenn es dann im Laufe des Herbst und Winter mehr Niederschlag gibt, nehmen auch die Wasserstände wieder zu.

Nicht so dieses Jahr: In mehreren Gegenden Deutschlands gab es eine ausgeprägte, wochenlange Dürre. Parallel dazu war der Sommer so heiß wie kaum ein anderer davor.

Das hatte natürlich auch auf die Flüsse Auswirkungen: Bei den größeren Flüssen ist Niedrigwasser schon viel früher im Jahr aufgetreten, als es sonst der Fall ist. Und es war nicht nur früher, sondern auch stärker ausgeprägt. Rhein, Donau, Elbe, Oder und andere Flüsse führten teilweise so wenig Wasser wie noch nie. Kleinere Bäche sind unter Umständen ganz ausgetrocknet oder führen nur noch ein Rinnsal, Quellen insbesondere in Süddeutschland, sind versiegt.

Was aber bedeutet das für die Lebewesen am und im Fluss?

Blick auf den Rhein mit starkem Niedrigwasser, im Vordergrund freiliegende Kiesbänke, im Hintergrund größere Schiffe und Gebäude der Stadt
Dieses Jahr führen Flüsse starkes Niedrigwasser – mit Folgen für Pflanzen und Tiere. / © pixabay.com

Folgen für Pflanzen und Tiere

Unsere Flüsse und Bäche führen in diesem Sommer deutlich weniger oder kein Wasser mehr. Das Wasser, das verbleibt, ist oft deutlich wärmer und sauerstoffärmer – das wirkt sich natürlich auf die Ökosysteme aus. Und durch die Klimakrise werden solche Situationen in Zukunft häufiger vorkommen.

Wenn Flussauen austrocknen und ufernahe Bereiche keinen Kontakt mehr zum Wasser haben, verlieren Tiere und Pflanzen ihre Lebensgrundlage.

Im Wasser selbst verengt sich der verfügbare Lebensraum. Trockengefallene Bereiche stehen nicht mehr zur Verfügung.

Fische können im sauerstoffarmen Wasser regelrecht ersticken – oder sie geraten in großen Stress durch die hohen Wassertemperaturen. Für viele Fischarten wird es ab 25°C kritisch. Dieses Jahr lag die Wassertemperatur in den großen Flüssen oft darüber, und das über einen längeren Zeitraum. In kleineren Flüssen und Bächen wurden sogar Temperaturen über 30°C gemessen.

Es gerät aber auch die gesamte Nahrungskette in Fluss durcheinander. Bei Niedrigwasser und hohen Temperaturen sind meist kleine und kleinste Lebewesen die ersten, die in einem Flussabschnitt und den trockenen Randbereichen nicht mehr vorkommen. Würmer, Muscheln, Plankton. Sie sind weniger mobil und fehlen den Fischen dann als Nahrung – und die Fische wiederum fehlen in der Nahrungskette der Vögel etc.

Welche Folgen Niedrigwasser und Hitze für die Trinkwasserversorgung, Schifffahrt, Wirtschaft und die Stromerzeugung haben, erfährst du in dieser Story.

ein weißer Fischreiher steht im Wasser und hat einen Fisch im Schnabel
Niedrigwasser gefährdet u.a. Fische und stört die Nahrungskette. / © Ted Erski, pixabay.com

Naturnahe Lösungen

Politiker:innen und Wirtschaftsvertreter:innen drängen bei extremem Niedrigwasser wie in diesem Jahr auf eine ganz bestimmte Lösung: Fahrrinnen in den Flüssen ausbaggern. Was nicht tief genug ist, wird eben künstlich tiefer gemacht. Was sie dabei übersehen: Auch ein ausgebaggerter Fluss führt nicht mehr Wasser.

Im Gegenteil: Baggert man Stellen, die aktuell weniger tief sind, aus, fließt das Wasser insgesamt schneller ab. Der Grundwasserspiegel sinkt und langfristig verschärft sich die Situation mit Niedrigwasser.

Stattdessen ist eine andere Vorgehensweise sinnvoller. Anstatt Flüsse an die Schifffahrt und an uns Menschen anzupassen, sollten wir ihnen mehr Raum geben. Wasser muss stärker in der Landschaft gespeichert werden.

Heutzutage sind viele Flussauen in einem schlechten Zustand. Sie wurden künstlich befestigt, begradigt, bebaut. Renaturierungen an Flussufern helfen, dass in den Auen wieder artenreicher Lebensraum entstehen kann, der viel mehr Wasser speichern kann. Du kannst dir das wie ein Schwamm vorstellen, der sich vollsaugt und Wasser erstmal speichert und in trockenen Zeiten langsam abgibt. Das ist ein Puffer bei Niedrigwasser, schützt aber auch vor Überflutungen bei Hochwasser.

Auch Moore wiederzuvernässen und Wälder naturnah umzubauen trägt wesentlich dazu bei, dass mehr Wasser in der Landschaft gespeichert wird. Das ist gut für das Grundwasser, viele Arten und das Klima.

Du siehst: Dem Niedrigwasser an Flüssen lässt sich nicht nur direkt am Fluss begegnen. Der Wasserkreislauf und der Wasserhaushalt unserer Landschaft ist ein komplexes, zusammenhängendes Gefüge.

Und durch die Klimakrise werden sich die Niederschlagsmuster in Deutschland langfristig weiter verschieben. Vermutlich ändert sich zwar nicht die Wassermenge insgesamt, wohl aber deren Verteilung. Dürrezeiten im Sommer werden häufiger, stärker und länger dauern, Niederschläge verschieben sich stärker in die Wintermonate.

Flussauen zu renaturieren hilft, Wasser in der Landschaft zu speichern. / © Andreas Glöckner, pixabay.com

Fazit

Ein Fluss ist mehr als ein Verkehrsweg. Er ist Lebensraum und Lebensader. Geben wir den Flüssen wieder mehr Raum und renaturieren wir natürliche Wasserspeicher anstatt sie weiter zu zerstören!

Quellen

WWF Deutschland: „Was wir jetzt für unsere Flüsse tun müssen – und was nicht“, vom 20.8.2026, unter https://www.wwf.de/themen-projekte/fluesse-seen/lebensraeume/fluesse/was-wir-jetzt-fuer-unsere-fluesse-tun-muessen (Aufruf am 20.9.2026)

Jenny Tobien: „Sehr heiß, sehr trocken“, Badische Zeitung vom 1.9.2026 (Seite 8)

Alina Grünky (dpa): „Für den Rhein gibt es nicht die eine Lösung“, Badische Zeitung vom 29.8.2026 (Seite 2)

WWF Deutschland: Newsletter vom 22.8.2026

Deutschlandfunk: „Niedrigwasser: Was passiert, wenn unseren Flüssen das Wasser ausgeht?“ vom 4.8.2026, unter https://www.deutschlandfunknova.de/beitrag/niedrigwasser-was-passiert-wenn-unseren-fluessen-das-wasser-ausgeht (Aufruf am 20.9.2026)

Stephanie Steppacher auf einem Trike

Stephanie

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