Dieses Jahr erleben wir einen Sommer der Superlative. Mehrere Hitzewellen mit immer neuen Temperaturrekorden treffen auf monatelange Dürre.
Das liefert uns einen Vorgeschmack auf das, was uns in der Klimakrise noch erwartet.
Doch Hitze ist mehr als Schwitzen. Es gibt kaum einen Bereich, der nicht von ihren Folgen betroffen ist. In dieser Story bekommst du einen Überblick, wo und wie sich Hitze auswirkt – und du erfährst, warum Klimaschutz die Wirtschaft schützt, anstatt sie zu bremsen.

Gesundheitsbelastung durch Hitze
Der Sommer 2026 ist extrem: Temperaturen von bis zu 43°C. Immer wieder Warnungen vor extremer Hitze. Zeitungen warnen davor, sich im Freien aufzuhalten.
Hitzewellen sind die tödlichste Form von Extremwetter: Laut RKI (Robert-Koch-Institut) sind bis Anfang August bereits rund 14.000 Menschen an den Folgen der Hitze gestorben. Das sind etwa 16 Sterbefälle pro 100.000 Einwohner. So viele wie noch nie zuvor. Und da der Sommer noch nicht vorüber ist, kann diese Zahl noch steigen.
Hitzschlag, Sonnenstich, Herzinfarkte, Schlaflosigkeit, psychische Probleme sind nur einige der gesundheitlichen Folgen, die durch Hitze auftreten können oder verstärkt werden.
Besonders betroffen sind Kinder und Jugendliche, Schwangere, Babys, pflegebedürftige Menschen, Menschen mit Behinderungen bzw. chronischer Krankheit sowie ältere Menschen.
Dieser Sommer zeigt auch, wie schlecht der Hitzeschutz in Deutschland ist: Kaum ein Pflegeheim, kaum eine Schule und nur jedes Dritte Krankenhaus sind mit Klimaanlagen ausgestattet.

Alles steht Kopf: Freizeit, Sport, Kultur, gesellschaftliches Leben
Vielleicht ist es dir aufgefallen: Im Verlauf des Sommers wurden immer wieder Veranstaltungen wegen zu extremer Hitze abgesagt: Sportveranstaltungen, Konzerte, Feste, Demonstrationen und Kundgebungen, Kulturveranstaltungen.
Hitze hat also auch Auswirkungen darauf, wie wir unsere freie Zeit verbringen, welche Veranstaltungen wir besuchen, ob wir gegen geplante politische Maßnahmen oder für Vielfalt auf die Straße gehen – oder nicht.
Andere Veranstalter:innen passten ihr Konzept an: späterer Beginn, Gratiswasser, Sprühnebel oder kühle Orte. Und immer dabei: eine erhöhte Anzahl an Rettungskräften.

Niedrigwasser: Wasser wird zum kostbaren Gut
Gleichzeitig zur Hitze erleben wir derzeit auch eine starke Dürre. Der Grundwasserspiegel sinkt, Quellen können versiegen.
Mehrere Kommunen in Deutschland haben ihre Bürger:innen bereits zum Wassersparen aufgerufen.
In einigen Gemeinden in Süddeutschland wurde bereits Trinkwasser per Tankfahrzeug in die Ortschaften transportiert – die örtlichen Brunnen führen durch die lange Trockenheit kein Wasser mehr.
Die aktuelle Dürre führt zu stark gesunkenen Pegeln an den meisten Flüssen, Bächen und Seen. An vielen Stellen wurden dieses Jahr historische Tiefststände gemessen – und der Wasserstand sinkt noch weiter.
Besonders betroffen sind Rhein, Elbe und Donau. Das fällt insbesondere auch deswegen auf, weil sie als Wassertransportwege eine wichtige Rolle spielen.
Schon seit mehreren Wochen können Frachtschiffe nicht mehr voll beladen werden, teilweise sind Strecken in Flüssen nicht mehr befahrbar. Transport- und Lieferwege sind unterbrochen oder teurer, Lieferengpässe sind möglich. Auf Straße und Schiene kann nur begrenzt ausgewichen werden.
Neben Frachtschiffen wirkt sich das Niedrigwasser natürlich auch auf Ausflugsschiffe und Flusskreuzfahrten aus.
Dass Flüsse Niedrigwasser führen, ist normal – aber normalerweise geschieht das erst deutlich später im Spätsommer oder Herbst. Und das Niedrigwasser ist weniger extrem ausgeprägt.
Niedrigwasser kann hohe Kosten verursachen und schwächt die Wettbewerbsfähigkeit, während gleichzeitig Schäden durch Starkregen und Überflutungen entstehen können. Laut NABU können dadurch Belastungen in Höhe von bis zu 625 Milliarden Euro bis 2050 entstehen, also rund 25 Milliarden Euro/Jahr.

Landwirtschaft
Ist es sehr heiß, verdunstet deutlich mehr Wasser aus dem Boden und aus den Pflanzen. Kommt dann kein Wasser in Form von Regen bzw. Bewässerung nach, entsteht schnell ein Defizit. Das macht sich auf vielen Feldern der Republik bemerkbar.
Einige Pflanzen sind zwar resistenter und können mit Trockenheit besser umgehen, doch gerade bei Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben, Getreide und Gemüse leiden Qualität und Erntemenge.
Getreidekörner sind dieses Jahr z.B. deutlich kleiner und teilweise nicht einmal mehr als Viehfutter zu vermarkten, bei den Kartoffeln ist die Ernte nur halb so groß. In Süddeutschland und Teilen Ostdeutschlands sind die Einbußen am größten.
Auch auf den Weiden ist seit Wochen kaum Grünfutter nachgewachsen. Landwirte verfüttern deshalb bereits jetzt ihre Wintervorräte – sofern sie welche anlegen konnten. Andere sind gezwungen, ihren Viehbestand zu verkleinern und Tiere vorzeitig zu schlachten.

Schäden an der Infrastruktur
Autobahnen, Schienen, Brücken – unsere Infrastruktur soll Transportwege sicherstellen, die Versorgung und die Wirtschaft am Laufen halten. Aber ist die Infrastruktur in Deutschland fit für die Klimakrise?
Gerade dieses Jahr, bei mehreren Hitzewellen mit Temperaturen über 40°C, hat sich gezeigt: extreme Hitze schädigt die Infrastruktur. Straßen und Schienen sind nicht zwangsläufig so gebaut, dass sie den immer höheren Temperaturen standhalten.
So kann Hitze z.B. dazu führen…
- die oberste Asphaltschicht auf Autobahnen kann sich lösen, Fahrbahnen platzen auf und müssen gesperrt werden
- Asphalt auf Straßen wird weich, es bilden sich Spurrillen
- die Bodenhaftung auf Landebahnen an Flughäfen reduziert sich, Landebahnen können aufweichen, Flüge müssen umgeleitet oder gestrichen werden
- Eisenbahnschienen können sich verformen, Züge fallen aus oder können entgleisen
- Oberleitungen von Zügen/Straßenbahnen dehnen sich aus und hängen zu stark durch
- bei Straßenbahnschienen und Weichen kann Bitumen (Füllmaterial, das zwischen Schiene und Asphalt gegossen wird) flüssig werden, auf die Schienen gelangen und/oder Weichen verkleben
- Straßenarbeiten können nicht durchgeführt werden, da Asphalt mehrere Stunden bei Temperaturen unter 20°C auskühlen muss

Folgen für die Wirtschaft
Extreme Hitze kostet der Wirtschaft Geld und entwickelt sich zu einer wachsenden Belastung – auch in Deutschland. 2024 beliefen sich die Schäden durch extreme Hitze weltweit auf mehr als eine Billion Dollar (das ist etwa 1% der globalen Wirtschaftsleistung) – durch den Verlust von Arbeitskraft durch Krankheit, Fehlzeiten und geringerer Arbeitsleistung.
Wenn sich Hitzewellen so wie im vergangenen Jahrzehnt wiederholen, rechnen Fachleute für Deutschland in den Jahren 2026 bis 2030 mit Verlusten von insgesamt bis zu 131 Milliarden US-Dollar. Laut Prognos sind es bereits jetzt in Deutschland 431 Millionen Euro – pro Tag.
Im europäischen Vergleich liegt Deutschland damit zwar im Mittelfeld, aber es sind Einbußen von bis zu 3% des Bruttoinlandsprodukts bis 2030 möglich.
Warum aber kommt es durch Hitze zu wirtschaftlichen Einbußen? Das hat mehrere Gründe:
- die Produktivität sinkt
- die Energiekosten steigen
- Lieferwege sind gestört, Transportkosten werden teurer
Als Grenzbereich gelten bereits Temperaturen ab 30°C, also Temperaturen, die in den letzten Hitzewellen teils deutlich überschritten wurden und die auch in Zukunft sehr häufig erreicht werden. Mit jedem Grad mehr sinkt die Produktivität um etwa 3%: Menschen können sich schlechter konzentrieren, machen mehr Fehler, arbeiten langsamer und werden häufiger krankgeschrieben, es passieren mehr (Arbeits-)Unfälle.
Gleichzeitig gibt es einen erhöhten Energiebedarf für die Kühlung (Arbeitsräume, Lebensmittelbranche, Rechenzentren, …) – das lässt die Energiekosten steigen.
Laut einer Schätzung von Greenpeace kosten die Hitze und Trockenheit der vergangenen Wochen die deutsche Wirtschaft mindestens 36 Milliarden Euro. In diesen Wert sind wirtschaftliche Schäden durch Ernteverluste, Waldbränden, Gesundheitskosten, Produktionsverluste und Folgekosten aus dem Bildungsbereich einbezogen.
Den größten Anteil an den Kosten haben hitzebedingte Produktivitätsverluste und -ausfälle, gefolgt von Waldschäden sowie wirtschaftliche und gesundheitliche Ausfälle.
Ein Teil der Auswirkungen wird die Wirtschaft auch erst verzögert zu spüren bekommen, z.B. wenn geringere Investitionen das Wirtschaftswachstum bremsen.

Stromerzeugung
Auf den ersten Blick ist es vielleicht nicht so ersichtlich, aber Hitze beeinträchtigt auch die Stromerzeugung.
Zwar laufen Solaranlagen diesen Sommer auf Hochtouren, doch für Kohlekraftwerke und Atomkraftwerke kann die Situation dann schwierig werden. Sie stehen an Flüssen und nutzen einen Teil des Wassers, um ihre Anlagen zu kühlen. Dazu wird Wasser aus dem Fluss abgezweigt, durch die Anlage geführt (dabei erwärmt sich das Wasser) und dann wieder zurück in den Fluss geleitet.
Das ist jedoch nur möglich, solange die Wassertemperatur nicht zu hoch ist. Erreicht die Wassertemperatur einen gewissen Schwellenwert, darf kein Wasser, das noch wärmer ist, indem Fluss geleitet werden. Sprich, die Kühlung der Anlage ist dann nicht mehr ausreichend möglich. In der Praxis führt das dann dazu, dass das Kohlekraftwerk bzw. Atomkraftwerk in der Leistung gedrosselt wird, also nur noch ein Teil der Anlage arbeitet und Energie erzeugt. Teilweise werden Anlagen auch für einige Tage komplett heruntergefahren.
Wenn dann noch, wie dieses Jahr, eine starke Dürre hinzukommt, gibt es noch ein anderes Problem: Die Flüsse führen unter Umständen zu wenig Wasser. Auch das kann sich auf den Betrieb der Kohle- bzw. Atomkraftwerk auswirken.
Kohle und Atom als Energiequelle der Zukunft? Da Hitze und Dürre durch die Klimakrise weiter zunehmen werden, also keine tragfähige Idee.

Klimaschutz ist schlecht für die Wirtschaft??
Während Menschen sterben, Flüsse austrocknen, die Ernte gefährdet ist und die Wirtschaft Einbußen erleidet, werden trotz allem immer Rufe laut: Man müsse Maßnahmen zum Klimaschutz abschwächen, Klimaziele nach hinten verschieben. Um die Wirtschaft zu stärken.
Aber wie wir eben gesehen haben: Die Wirtschaft hat bereits deutliche Einbußen durch Hitze. Und durch die Klimakrise werden extreme Hitze und Dürre zunehmen. Das heißt: Tun wir weiterhin zu wenig, um den Anstieg der Emissionen zu bremsen, werden auch die Schäden für die Wirtschaft in den nächsten Jahrzehnten immer weiter steigen. Das, was wir bereits heute erleben, wird sich um ein vielfaches verstärken.
Nicht „zu viel“ Klimaschutz gefährdet also die Wirtschaft, sondern ein Voranschreiten der Klimakrise durch zu wenig Klimaschutz.
Quellen
Tagesschau: „Extreme Hitze in Deutschland führt zu Problemen bei der Infrastruktur“ vom 27.6.2026, unter https://www.tagesschau.de/video/video-1605498.html (aufgerufen am 23.8.2026)
Stern: „Extreme Hitze in Deutschland belastet Infrastruktur und Rettungsdienste“ vom 27.6.2026, unter https://www.stern.de/news/extreme-hitze-in-deutschland-belastet-infrastruktur-und-rettungsdienste-37612084.html (aufgerufen am 23.8.2026)
Deutsche Welle / Tim Schauenberg: „Wie der Klimawandel der Gesundheit schadet und was hilft“ vom 29.10.2025, unter https://www.dw.com/de/gesundheit-und-klimawandel-hitzetote-lancet-studie-dengue-krankeiten-m%C3%BCcken/a-74488927 (aufgerufen am 23.8.2026)
Deutsche Welle / Stuart Braun: „Wie passen wir unsere Infrastruktur an extreme Hitze an?“ vom 8.6.2026, unter https://www.dw.com/de/wie-passen-wir-unsere-infrastruktur-an-extreme-hitze-an/a-72648262 (aufgerufen am 23.8.2026)
Tagesschau: „Wie die Hitze Schienen und Autobahnen zusetzt“ vom 29.6.2026, unter https://www.tagesschau.de/inland/innenpolitik/hitze-folgen-infrastruktur-100.html (aufgerufen am 23.8.2026)
Allianz: „Studie: Extreme Hitze kostet Deutschland Milliarden und lähmt Wirtschaftswachstum“ vom 28.5.2026, unter https://www.allianz-trade.de/presse/pressemitteilungen/extreme-hitze-kostet-deutschland-milliarden-und-laehmt-wirtschaftswachstum.html (aufgerufen am 23.8.2026)
Spiegel: „Wasserknappheit gefährdet Wettbewerbsfähigkeit“ vom 15.1.2026, unter https://www.spiegel.de/wirtschaft/wasserknappheit-studie-warnt-vor-sinkender-wettbewerbsfaehigkeit-a-a1897627-357e-4ed6-a9a6-b8def61cc708 (aufgerufen am 23.8.2026)
ZDF heute / Miriam Hantsche: „Drei Gründe,warum mehr Hitzetage mehr Kosten verursachen“ vom 14.7.2026, unter https://www.zdfheute.de/wirtschaft/hitzewelle-hitze-deutschland-wirtschaft-folgen-100.html (aufgerufen am 23.8.2026)
ESG Markus Winter: „Hitze und ihre Wirkung auf die Wirtschaft“ vom 3.7.2026, unter https://www.youtube.com/watch?v=Zut0X46yxws (aufgerufen am 23.8.2026)
ZDF heute: „Lage ist ernst: So setzt Niedrigwasser der Wirtschaft zu“ vom 2.8.2036, unter https://www.zdfheute.de/wirtschaft/niedrigwasser-guetertransport-schifffahrt-wirtschaft-100.html (aufgerufen am 23.8.2026)
Robert-Koch-Institut (RKI): „Hitze und Gesundheit“, Stand 20.8.2026, unter https://www.rki.de/DE/Themen/Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/gesundheitliche-auswirkungen-hitze-node.html (aufgerufen am 24.8.2026)
Utopia / Florain Hauner: „Hitzeschäden: So viele Milliarden kostet es unserer Wirtschaft mindestens“ vom 24.8.2024, unter https://utopia.de/news/hitzeschaeden-so-viele-milliarden-kostet-es-unserer-wirtschaft-mindestens_967036/ (aufgerufen am 24.8.2026)
ZDF heute: „FAQ: So wirkt sich die Hitze auf die aktuelle Ernte aus“ vom 18.8.2026, unter https://www.zdfheute.de/wirtschaft/ernte-bilanz-lebensmittel-100.html (aufgerufen am 24.8.2026)
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