Weltweit gibt es fast kein Kind mehr, das nicht von der Klimakrise betroffen ist. Das hat ein neuer Bericht von Unicef herausgefunden. Kinder haben zwar am wenigsten zur Klimakrise beigetragen, müssen aber viele Folgen davon tragen.
In dieser Story schauen wir uns das genauer an: Wie trifft die Klimakrise Kinder und Jugendliche? Warum sind gerade junge Menschen besonders gefährdet? Und was kann sie schützen?

Die häufigsten Risiken
Dürren, extreme Hitze und Überschwemmungen – das sind die drei Risiken, unter denen Kinder am häufigsten leiden. Nicht wenige sind auch aus einer Kombination von mehreren Risiken betroffen, denn gerade Hitze und Dürre überschneiden sich oft.
Es bleibt jedoch nicht bei Hitze, Dürren und Überschwemmungen. Denn aus diesen Risiken ergeben sich wiederum weitere Gefahren und Dominoeffekte: Kommt es zu einer Dürre, werden Ernten vernichtet. Das kann zu Hunger in der Region führen.
Oder die Dürre führt vermehrt zu Waldbränden. Diese wiederum verschmutzen die Luft, die Kinder und ihre Familien einatmen. Nach einem Waldbrand bleibt karges Land zurück. Der Boden kann starken Regen dann nicht mehr ausgleichen. Es kann zu Sturzfluten und Überschwemmungen kommen. Dabei werden Häuser, Schulen, Krankenhäuser und andere öffentliche Einrichtungen beschädigt – Einrichtungen, in denen Kinder und Jugendliche Schutz, Unterstützung und Bildung erfahren. Auch Sanitäreinrichtungen können zerstört werden. Kinder und Jugendliche haben dann keinen Zugang mehr zu sauberem Wasser, Krankheiten breiten sich schneller aus
Ihr seht: selbst wenn eine Region scheinbar „nur“ von einem Klimarisiko betroffen ist, ergibt sich daraus eine ganze Reihe an Folgen, die sich auf Kinder und Jugendliche auswirken.
Aber was bedeutet das konkret? Wie wirkt sich die Klimakrise auf wichtige Lebensbereiche von Kindern aus? Und wie viele junge Menschen sind davon betroffen?

So viele Kinder sind betroffen
Aber wie viele Kinder sind betroffen? Und wodurch?
- Dürre: über 75% aller Kinder weltweit, also rund 1,8 Milliarden Kinder, sind von Dürren bedroht, die ihre Ernährung gefährden
- Hitzewellen: zwei von drei Kindern weltweit (1,5 Milliarden) sind immer längeren, immer häufigeren und immer stärkeren Hitzewellen ausgesetzt. 1,2 Milliarden Kinder leben in Regionen mit extremer Hitze. Das gefährdet ihre Gesundheit, das Lernen und das Wohlbefinden ernsthaft. 123 Millionen Kinder sind zudem Sand- und Staubstürmen ausgesetzt, 206 Millionen Kinder schweren Bränden.
- Überschwemmungen an Flüssen: etwa jedes 7. Kind weltweit (ca. 337 Millionen Kinder)
- Überschwemmungen an Küsten: 33 Millionen Kinder
- tropische Stürme: Starkregen und Winde gefährden das Zuhause und die Gesundheit von 662 Millionen Kinder

Durch die Klimakrise wird auch die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen gefährdet. Mehr als zwei von fünf Kindern (also etwa eine Milliarde Kinder) lebt in einem Gebiet mit Malariarisiko. Das Risiko für Malaria hängt eng mit dem Klima zusammen und wird von Temperatur und Niederschlagsmustern beeinflusst. Durch die Klimakrise werden die Gebiete, in denen Malaria vorkommt, größer.
Noch weiter verbreitet ist Luftverschmutzung: Rund 2,3 Milliarden Kinder weltweit leben in Gebieten, in denen Luftschadstoffe nachgewiesen werden können – das sind fast alle Kinder dieser Erde.
Weltweit leben fast die Hälfte aller Kinder in einer Region, in der sie mindestens drei Klimarisiken gleichzeitig ausgesetzt sind. Das sind über eine Milliarde Kinder weltweit.

In diesen Lebensbereichen sind Kinder betroffen
Kinder halten sich an verschiedenen Orten auf und nutzen verschiedene Dienste. Und an all diesen Stellen können sie von den Folgen der Klimakrise betroffen sein.
- Gesundheitsversorgung: Die Klimakrise kann Kliniken zerstören, Kühlketten für lebensrettende Impfstoffe unterbrechen oder die Ausbreitung von Krankheiten fördern.
- Ernährung: Dürren und Überschwemmungen vernichten Ernten. Die Versorgung mit Lebensmitteln wird unterbrochen, es kann zu Mangelernährung kommen. Bis 2050 werden voraussichtlich weltweit zusätzlich 28 Millionen Kinder unterernährt sein und 40 Millionen im Wachstum zurück bleiben.
- Wasser, Hygiene und Sanitäranlagen: 2024 hatten 634 Millionen Kinder keinen Zugang zu Trinkwasser. Wasser wird durch Überschwemmungen verschmutzt, Dürren lassen Quellen austrocknen. Gefährliche Krankheiten breiten sich schneller aus, oder Kinder sind zusätzlichen Belastungen wie Wasserholen ausgesetzt.
- Bildung: Stürme und Überschwemmungen zerstören Schulen, Hitze macht Unterricht unmöglich. Fehlende oder mangelhafte Bildung erschwert eine sichere Zukunft. 2024 waren mindestens 242 Millionen Schüler:innen aus 85 Ländern und Regionen in ihrem Schulbesuch beeinträchtigt.
- Kinderschutz: Vertreibung und Armut durch Klimarisiken erhöhen das Risiko für Kinderarbeit, Trennung von der Familie oder Kinderehen. Zwischen 2016 und 2023 wurden durch Klimafolgen über 62 Millionen Kinder innerhalb ihres Landes vertrieben.
- Soziale Sicherung / Armut: Bis 2030 könnten über 130 Millionen Menschen durch die Folgen der Klimakrise in extremer Armut leben.

Gute Grundversorgung schützt vor den Folgen der Klimakrise
Laut UNICEF spielen diese Lebensbereiche und Einrichtungen gleichzeitig eine besondere Rolle, um Kinder und Jugendliche vor den Folgen der Klimakrise zu schützen. Je besser ein Kind Zugang zu Bildung, Ernährung, Gesundheitsversorgung, Wasser, Sanitäreinrichtungen etc. hat, desto weniger verwundbar ist es durch die Klimakrise.
In Deutschland ist die Grundversorgung z.B. ziemlich gut. Aber auch bei uns sind fast alle Kinder und Jugendlichen, nämlich 98%, mindestens einem Klimarisiko ausgesetzt. Zwei von drei Kindern sind sogar mindestens zwei Risiken ausgesetzt. In Deutschland sind das meistens Hitze und Dürre.
In anderen Ländern wie z.B. Somalia, Niger, Tschad, Südsudan oder der Zentralafrikanischen Republik, ist die Grundversorgung für Kinder ziemlich schlecht. Somit sind die Kinder in diesen Ländern auch am stärksten verwundbar durch Klimafolgen.

Psychische Auswirkungen
Es gibt aber noch einen anderen Punkt: Kinder und Jugendliche machen sich Sorgen um ihre Zukunft. Die Klimakrise belastet sie psychisch.
In 10 Ländern weltweit wurden Kinder gefragt. Dabei kam heraus:
- 84% sind mindestens mäßig besorgt über die Klimakrise
- 59% sind sehr oder extrem besorgt
- viele Kinder und Jugendliche erleben Klima-Angst bis hin zu Depression

Junge Menschen sind besonders vulnerabel
Warum aber sind Kinder und Jugendliche besonders verletzlich? Warum sind sie von den Folgen der Klimakrise stärker betroffen als Erwachsene?
Das hat verschiedene Gründe:
- Kinder schwitzen weniger. Ihre Körper erhitzen sich schneller. Das macht große Hitze für Kinder anstrengender als für Erwachsene.
- Bei Starkregen oder Überschwemmungen dagegen sind Kinder anfälliger für Unterkühlungen. Sie werden schneller krank. Kinder haben auch weniger Kraft als Erwachsene, gegen ein Hochwasser anzukommen. Gerade kleinere Kinder können auch noch nicht ausreichend schwimmen. Ihr Risiko zu ertrinken ist also höher.
- Auch bei Stürmen werden Kinder leichter verletzt als Erwachsene.
- Der Körper von Kinder entwickelt sich noch. Unter anderem atmen Kinder schneller als Erwachsene. Dadurch nehmen sie mehr Schadstoffe auf als Erwachsene. z.B. den Rauch bei einem Waldbrand oder Staub bei Stürmen.
- Kinder und Jugendliche sind psychisch anfälliger. Sie sind verletzlicher und können es noch nicht so gut verarbeiten, wenn ihren Eltern etwas zustößt oder sie durch eine Naturkatastrophe ihr Zuhause verlieren.
- Je jünger Kinder sind, desto stärker sind sie darauf angewiesen, dass Erwachsene sie schützen. Kinder und Jugendliche können noch nicht selbst für Nahrung, Sicherheit und Schutz sorgen.
Es sind aber nicht alle Kinder gleichermaßen gefährdet. Es macht z.B. einen Unterschied, ob ein Kind in einer ärmeren oder wohlhabenderen Familie aufwächst, ob es eine Behinderung hat oder nicht, ob es in Deutschland oder dem Sudan lebt, ob es guten Zugang zu Infrastruktur hat oder nicht.
So können also auch Kinder, die in der gleichen Region wohnen, unterschiedlich stark von den Folgen der Klimakrise betroffen sein. Oder Kinder, die dem gleichen Klimarisiko ausgesetzt sind, aber an einem anderen Ort mit anderen Ressourcen wohnen, unterschiedliche davon betroffen sein.

Bildung in der Klimakrise
Schule, Erziehung und Bildung spielt im Leben von Kindern und Jugendlichen eine zentrale Rolle. Sie sind noch dabei, sich Wissen anzueignen, die Welt verstehen zu lernen.
Aber auch der Zugang zu Bildung hängt direkt mit den Folgen der Klimakrise zusammen:
Unwetter, Stürme, Überschwemmungen können Bildungseinrichtungen zerstören. Hitze kann Unterricht erschweren oder unmöglich machen. Dürre kann zu Hunger führen – und mit einem leeren Bauch lernt es sich nicht gut.
2024 konnten 242 Millionen Schüler:innen keine Schule besuchen, weil wegen Hitze oder Stürmen kein Unterricht stattfinden konnte. Auch in Europa musste der Schulbetrieb schon mehrere Tage unterbrochen werden, weil sich z.B. Schulen mit Glasdach auf über 50°C aufgeheizt und sich mehrere Kinder übergeben hatten.
Haben Kinder und Jugendliche jedoch keine Möglichkeit, eine Schule zu besuchen, oder ist der Schulbesuch unterbrochen, haben sie eine geringere Chance, sich eine stabile Zukunft aufzubauen – und sind dadurch wiederum gefährdeter für die Folgen der Klimakrise. Ein Teufelskreis.

Klimaschutz und Förderung von Kindern
Auch wenn die Klimakrise Kinder und Jugendliche besonders trifft: Kinder können auch von Maßnahmen zum Klimaschutz besonders profitieren.
Z.B. hilft eine großflächige Versorgung mit Solaranlagen in einem Land nicht nur, Emissionen zu senken, sondern trägt gleichzeitig dazu bei, dass Schulen und Gesundheitseinrichtungen zuverlässig mit Energie versorgt werden können. Kinder können dann besser lernen und z.B. notwendige Impfungen und Untersuchungen erhalten.
Wenn die Behandlung von Abwasser verbessert wird, kann das Wasser besser wiederverwertet werden und die Wasserknappheit kann sinken. Viele Menschen, auch sehr viele Kinder, können dann besser mit Trinkwasser versorgt werden und haben eine bessere Gesundheit.

Wir müssen handeln
Jedes Kind weltweit hat das Recht auf eine saubere, gesunde und nachhaltige Umwelt und auf eine gute Entwicklung. Um das sicherzustellen, ist dringend eine ambitionierte, globale und koordinierte Klimapolitik notwendig. Es müssen unverzüglich Maßnahmen getroffen werden, um die Emissionen in allen Sektoren deutlich zu senken. Der wichtigste Beitrag ist der weltweite und unverzügliche Ausstieg aus fossilen Brennstoffen.
Gleichzeitig müssen Länder Investitionen tätigen, um die Bereiche zu stärken, die das Leben von Kindern und Jugendlichen prägen und sie resilienter gegen die Folgen der Klimakrise machen.
Nur so können junge Menschen wirksam vor den Folgen des Klimawandels geschützt werden und für zukünftigen Generationen ein sicheres und gesundes Aufwachsen möglich werden.
Act now!
Quellen
Unicef: „Children’s Climate Risk Report (2026)“, Download von https://data.unicef.org/resources/childrens-climate-risk-report-2026/
Treibhauspost #120: „Die Revolution der Kinder“ vom 4.7.2026, Onlineversion unter https://steady.page/de/treibhauspost/posts/6926eca5-709d-4e4c-ad20-a5f885ef3967
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