Chinesische Wollhandkrabbe (Fantastische Fakten)

Wenn im Herbst plötzlich Hunderte Krabben über Straßen laufen oder sich an Flussufern zu riesigen Gruppen zusammentun, kann das ziemlich ungewöhnlich aussehen. Doch hinter diesem Spektakel steckt ein natürlicher Wanderzyklus. Die Chinesische Wollhandkrabbe (Eriocheir sinensis) verbringt einen großen Teil ihres Lebens im Süßwasser, wandert zur Fortpflanzung aber wieder zurück Richtung Meer.

In Deutschland ist die ursprünglich aus Ostchina stammende Krabbe inzwischen weit verbreitet. Besonders im Herbst machen sich die ausgewachsenen Tiere auf den Weg flussabwärts. Dabei legen sie teilweise mehrere Kilometer am Tag zurück und müssen dabei nicht selten Straßen, Uferwege oder andere Hindernisse überqueren.

Woher kommt die Chinesische Wollhandkrabbe?

Wie ihr Name schon verrät, stammt die Chinesische Wollhandkrabbe ursprünglich aus China. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet liegt unter anderem in den großen Flüssen Ostchinas, etwa im Jangtsekiang.

Nach Europa gelangte die Art vermutlich als blinder Passagier im Ballastwasser von Schiffen. 1912 wurde sie erstmals in Deutschland in der Aller nachgewiesen. Von den Seehäfen aus breitete sie sich anschließend in viele europäische Flusssysteme aus. Heute kommt sie unter anderem in Elbe, Weser, Ems und Rhein vor.

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Wie sieht eine Chinesische Wollhandkrabbe aus?

Die Wollhandkrabbe hat einen olivgrünen bis braunen, fast quadratischen Rückenpanzer. Sie wird etwa neun bis zehn Zentimeter breit und kann mit ihren Beinen eine Gesamtlänge von bis zu 30 Zentimetern erreichen.

Besonders auffällig sind ihre Scheren: Vor allem die Männchen tragen dort einen dichten, haarähnlichen Pelz. Daher kommt auch der Name „Wollhandkrabbe“.

Ihre langen, schlanken Beine mit Haarsäumen helfen ihr dabei, sich schnell seitwärts fortzubewegen. Wenn ein Hindernis ihren Weg versperrt, verlassen sie das Wasser und wandern einfach an Land weiter.

Warum wandern die Wollhandkrabben?

Das Besondere an der Chinesischen Wollhandkrabbe ist ihr Wanderverhalten. Ihr Leben spielt sich in verschiedenen Lebensräumen ab. Die Jungtiere entwickeln sich im Meer beziehungsweise im Brackwasser und wandern anschließend in die Flüsse.

Dort wachsen sie heran und können jahrelang im Süßwasser leben. Teilweise wandern sie dabei sehr weit flussaufwärts. In ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet können die Tiere mehr als 1.000 Kilometer von der Flussmündung entfernt vorkommen.

Wenn sie ausgewachsen sind, beginnt die Wanderung in die entgegengesetzte Richtung. Sie machen sich wieder auf den Weg zum Meer.

Wie wandern die Krabben flussaufwärts?

Die jungen Wollhandkrabben wandern nach ihrer Entwicklung im Meer in die Flüsse hinein. Dort suchen sie geeignete Lebensräume und Nahrung.

Auf ihrem Weg können sie große Entfernungen zurücklegen. Hindernisse halten sie dabei nicht unbedingt auf. Wenn beispielsweise eine Staustufe oder ein anderes Bauwerk den Weg versperrt, können die Krabben das Gewässer verlassen und am Ufer entlanglaufen.

Genau dadurch entstehen manchmal spektakuläre Ansammlungen. 2024 wurden an einer Fischtreppe bei Geesthacht an der Elbe Zehntausende Wollhandkrabben beobachtet. Sie krabbelten dicht gedrängt am Ufer entlang und teilweise übereinander, ein regelrechter „Krabbenteppich“.

Die Fischtreppe hilft eigentlich Fischen dabei, eine Staustufe zu überwinden. Für die Wollhandkrabben ist sie jedoch ein Hindernis auf ihrer Wanderroute. Also suchen sie sich ihren eigenen Weg am Ufer entlang.

Warum wandern die erwachsenen Krabben wieder Richtung Meer?

Nach mehreren Jahren im Süßwasser ist es Zeit für die Fortpflanzung. Im Spätsommer und Herbst beginnt deshalb die große Wanderung flussabwärts.

Die ausgewachsenen Krabben folgen dabei ihrem angeborenen Wandertrieb in Richtung Flussmündung. Im Brackwasser beziehungsweise im Meer findet schließlich die Paarung statt.

Die Weibchen wandern anschließend weiter ins Meer, wo sie ihre Eier ablegen. Je nach Größe können sie dabei etwa 300.000 bis 900.000 Eier tragen.

Für die Entwicklung der Larven ist ausreichend salzhaltiges Wasser notwendig. Aus den Eiern schlüpfen winzige Larven, von denen viele wiederum Fischen als Nahrung dienen.

Nach der Fortpflanzung sterben die erwachsenen Tiere. Die nächste Generation beginnt anschließend ihren eigenen Lebenszyklus und irgendwann wieder die Wanderung flussaufwärts.

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Warum laufen Wollhandkrabben über Straßen?

Für ihre Wanderung brauchen die Krabben nicht unbedingt Wasser. Hindernisse können sie dazu bringen, an Land weiterzulaufen.

Besonders auffällig wird das dort, wo Straßen oder andere menschliche Bauwerke ihre Wanderrouten kreuzen. Im niedersächsischen Thedinghausen wurden beispielsweise zeitweise Hunderte Tiere beobachtet, die nachts und in der Dämmerung eine Straße überquerten.

Die Krabben umgehen dort ein Wehr und gelangen dadurch auf die Straße. Um die Gefahr für Tiere und Menschen zu verringern, wurden Warnschilder aufgestellt.

Wollhandkrabben können dabei im Durchschnitt etwa zehn Kilometer am Tag zurücklegen. Je nach Situation sind sogar noch größere Tagesstrecken möglich.

Warum sind die Wanderungen manchmal so spektakulär?

Wollhandkrabben sind vor allem nachts aktiv. Wenn viele Tiere gleichzeitig unterwegs sind, können dadurch innerhalb kurzer Zeit riesige Ansammlungen entstehen.

An der Elbe bei Geesthacht werden solche Wanderungen jedes Jahr beobachtet. Zehntausende Tiere können sich dort gleichzeitig an den Ufern sammeln.

Auch an anderen Orten werden im Herbst große Gruppen beobachtet. Dass die Tiere plötzlich in großer Zahl auftauchen, kann deshalb überraschend wirken, tatsächlich folgen sie dabei ihrem natürlichen Wanderzyklus.

Ist die Chinesische Wollhandkrabbe eine invasive Art?

In Deutschland gehört die Chinesische Wollhandkrabbe zu den gebietsfremden Arten. Sie wurde durch menschliche Aktivitäten eingeschleppt und konnte sich anschließend in europäischen Gewässern ausbreiten.

Welche Auswirkungen sie auf heimische Ökosysteme hat, ist nicht in allen Bereichen eindeutig geklärt. Sicher ist aber, dass die Tiere in großer Zahl mit anderen Arten und der menschlichen Nutzung von Gewässern in Konflikt geraten können.

Wollhandkrabben fressen unter anderem Wasserpflanzen, Insektenlarven, Muscheln, Schnecken, andere Krebse, kleine Fische, Fischlaich und Aas. Außerdem können sie beim Graben ihre Umgebung verändern.

Ihre Höhlen und ihre Aktivität an Ufern können beispielsweise Pflanzenwurzeln beschädigen. Dadurch können Ufer instabiler werden und Erosion kann begünstigt werden.

Warum sind die Krabben für die Fischerei problematisch?

Auch für die Fischerei können große Mengen der Tiere zum Problem werden. Wollhandkrabben fressen Köder und können sich an Angelhaken zu schaffen machen.

Außerdem können sie Fischernetze beschädigen. Mit ihren kräftigen Scheren zerkneifen sie teilweise die Netze und fressen Fische, die sich darin verfangen haben.

In manchen Regionen werden die Tiere deshalb gezielt gefangen. Ein Teil der gefangenen Wollhandkrabben wird sogar nach Asien exportiert oder an asiatische Restaurants verkauft.

Warum sind die Wanderungen so faszinierend?

Obwohl die Chinesische Wollhandkrabbe als invasive Art gilt und Probleme verursachen kann, sind ihre Wanderungen ein beeindruckendes Beispiel dafür, wie eng Tiere an ihren Lebenszyklus angepasst sind.

Die Krabben wechseln im Laufe ihres Lebens zwischen Meer, Brackwasser und Flüssen. Sie legen dabei große Entfernungen zurück und überwinden sogar Hindernisse an Land.

Wenn im Herbst plötzlich Hunderte oder sogar Tausende Wollhandkrabben unterwegs sind, zeigt sich deshalb ein faszinierendes Naturphänomen direkt vor unserer Haustür. Die Tiere folgen ihrem Wandertrieb und machen sich auf den Weg zu ihrem Fortpflanzungsgebiet im Meer.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

Ich bin 24 Jahre alt und studiere Marine Umweltwissenschaften an der Universität Oldenburg. Meine große Leidenschaft gilt den Meeren, besonders den vielfältigen Ökosystemen und ihrem Schutz! Ich möchte besser verstehen, wie marine Lebensräume funktionieren und was wir tun können, um sie auch für zukünftige Generationen zu bewahren.

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