WWF Jugend: Luis, Du hast ein FÖJ an der Nordsee gemacht, beim WWF-Wattenmeerzentrum. Wie bist du auf die Idee gekommen ein FÖJ zu machen und speziell ein FÖJ beim WWF?
Luis: Mir war klar, dass ich mich nach der Schule für den Naturschutz einsetzten möchte, nur noch nicht wie. Direkt studieren wollte ich dann noch nicht… Also habe ich etwas im Internet recherchiert und bin schließlich über die Angebote für ein FÖJ (Freiwilliges Ökologisches Jahr) an der Nordsee gestolpert. Es war schwer sich zwischen den vielen großartigen Stellenangeboten für eines entscheiden zu müssen! Schlussendlich habe ich mich auf die WWF Stelle in Husum fokussiert, da diese einfach so unheimlich vielseitig ist. Man ist in der Nähe des Nationalparks und der Natur, aber trotzdem gut an die Umgebung mit dem Zug angebunden. Die Aufgabenbereiche wirkten breit gefächert und spannend. Vor allen Dingen fand ich die Vorstellung mit anderen gleichdenkenden Freiwilligen in einer 7er WG zu leben sehr aufregend. Also habe ich mich kurzerhand beworben und nach ein paar Bewerbungsgesprächen hatte ich dann die Stelle bekommen 😊!
Wie sieht ein typischer Arbeitsalltag für FÖJis beim WWF aus?
Die Meisten Arbeitstage beginnen um 09:00 im Nationalparkhaus in Husum. Dort haben wir eine Ausstellung, in der alles über den Nationalpark erklärt wird mit einem großen Aquarium, welches wir jeden Tag betreuen müssen. Über der Ausstellung liegt auch das Büro von uns Freiwilligen zusammen mit anderen Büros des WWF, der Schutzstation, den Freiwilligendienstträgern und ein paar Forschern. Oben kümmern wir uns um alle möglichen Anliegen rund um Wattwanderungen und den Naturschutz sowohl per Mail als auch telefonisch. Wenn wir nicht im Büro oder in der Ausstellung sitzen, dann sind wir immer draußen mit dem Fahrrad unterwegs, entweder zu einer Gebietskontrolle, einer (Watt-) Wanderung im Nationalpark oder einer Vogelzählung. Abhängig von der Jahreszeit sind wir dann auch manchmal im Watt unterwegs, um dieses zu kartieren! Jeder Tag sieht bei uns anders aus, deswegen haben wir keinen wirklich typischen Arbeitsalltag!
Was war dein bisher absolut coolster oder emotionalster Moment?
Von denen gab es wirklich viele! Ich würde aber sagen, dass eines meine coolsten Erlebnisse ein Ausflug auf den Süderoogsand war. Der Süderoogsand ist eine riesige Sandfläche (Wie eine Wüste), die sich weit draußen im Meer befindet. Diese Fläche liegt in der Schutzzone 1 des Nationalparks, das heißt sie darf eigentlich gar nicht von Menschen betreten werden. Da ich dort aber geholfen habe, Vögel zu zählen, habe ich eine Sondererlaubnis bekommen! Während der Tour hatte man nichts außer die Sandigen Weiten, das Meeresrauschen am fernen Horizont und die Vögel, die sich auf dem Sand ausgeruht haben, vor sich. Ein paar Seehunde und Robben durfte ich dann auch noch aus sicherer Entfernung beobachten! Am Ende konnte ich das ganze noch einmal als Panoramablick in luftiger Höhe auf der Barke genießen. Die Barke ist eine Art Leuchtturm, in der es einen kleinen Wetterunterschlupf gibt, in dem man sich bei Notfällen zurückziehen kann! Ein traumhafter Tag!
Welche Aufgaben machen dir bei deiner Arbeit am meisten Spaß?
Ganz klar alle Aufgaben bei denen ich draußen an der frischen Luft bin! Am liebsten fahre ich unser großes Betreuungsgebiet ab, welches sich vor Husum über 30 km an der Küste erstreckt. Um zum Gebiet zu kommen, radele ich immer mit meinem treuen Fahrrad und lasse mir dabei die Nordseeluft (Die einem meistens von vorne entgegendrückt) ins Gesicht blasen! Im Gebiet selbst schaue ich, ob irgendetwas spannendes angeschwemmt wurde oder sich irgendetwas drastisch an der Umgebung verändert hat. Natürlich mache ich auch super gerne Wattwanderungen im Nationalpark, sowohl mit Kindern als auch mit Erwachsenen. Ich scheue mich nicht davor dreckig zu werden und mir macht es Spaß zu zusehen, wie unterschiedlichen Menschen auf das Watt reagieren!

Gibt es Gewohnheiten oder Ansichten, die sich durch die Erfahrungen beim FÖJ geändert haben?
Da gibt es gleich mehrere… Vor meinem FÖJ war mein Alltag sehr strukturiert durch Schule und Freizeitaktivitäten. Nun, während meines FÖJs kommt jeder Tag mit unterschiedlichen Herausforderungen und Überraschungen!
Außerdem wurden mir durch die Nähe zum Nationalpark und vielen Naturexperten die Folgen des Klimawandels erst so richtig bewusst. Wenn man in der Stadt lebt und damit wenig Natur um sich herumhat, ist es leicht zu vergessen welche schlimmen Auswirkungen der Klimawandel auf die Erde hat.
Ansonsten war ich vor meinem Freiwilligendienst nicht vegetarisch oder vegan, wurde aber von einer vegetarischen und umweltbewussteren Ernährungsweise überzeugt!
Was nimmst du nach dem Jahr FÖJ beim WWF für dich persönlich mit?
Das man sich für den Erhalt der Natur dringend einsetzen sollte! Egal ob man mal ein bisschen Müll vom Strand aufsammelt oder sich in seiner Freizeit ehrenamtlich für den Naturschutz einsetzt. Solange man durch seine Aktionen die Natur entlastet, hat man etwas Gutes getan! Das Motto des Nationalparks heißt unteranderem das man die „Natur Natur sein lassen“ soll und ich finde davon können sich nicht nur ich, sondern auch viele andere was abschneiden!
Was kommt für dich nach dem FÖJ? Hat dir das FÖJ-Jahr bei der Entscheidung für die Zukunft geholfen? Wenn ja, wie?
Wahrscheinlich kommt nach dem FÖJ ein Studium in Richtung Biologie! An der Nordsee habe ich noch einmal richtig gemerkt, dass mich die Natur und dessen Lebewesen wirklich interessieren (besonders die in der Luft und im Wasser😊). Durch ein Bio-Studium möchte ich mich zukünftig für einen korrekten Umgang mit der Natur einsetzten!
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