Weniger Plastik, mehr Meer! (Plastik-Update Juli)

Mit etwas Verspätung kommt nun auch das Plastik-Update vom Juli, das auch bereits einige Good News aus dem August miteinbringt! Der Juli steht jedes Jahr ganz im Zeichen des Plastic Free July. Diese weltweite Bewegung möchte Menschen dazu motivieren, Plastik im Alltag zu vermeiden, wiederzuverwenden und gemeinsam Lösungen gegen Plastikverschmutzung zu finden. Auch im Juli 2026 gab es deshalb viele spannende Projekte und Entwicklungen, die zeigen: Es gibt zwar noch große Herausforderungen, aber auch immer mehr Menschen, Unternehmen und Forschende, die aktiv etwas dagegen unternehmen!

Das gibt es diese Woche:

  • Plastik mit Luftblasen aus Flüssen fernhalten
  • Forschende entwickeln Algen gegen Mikroplastik
  • Plastikverschmutzung mithilfe von Wissenschaft besser verstehen
  • 100 Kilogramm Müll in nur 90 Minuten gesammelt
  • Plastic Free July: Gemeinsam gegen Plastik

Plastik mit Luftblasen aus Flüssen fernhalten

Eine besonders spannende Lösung kommt aus den Niederlanden: The Great Bubble Barrier setzt auf eine Barriere aus Luftblasen, um Plastikmüll bereits in Flüssen abzufangen, bevor er ins Meer gelangt.

Dafür wird ein perforiertes Rohr schräg auf dem Grund eines Flusses verlegt. Durch das Rohr wird Luft gepumpt, wodurch eine aufsteigende Wand aus Blasen entsteht. Die Strömung transportiert den Müll entlang dieser Blasenbarriere zu einer Sammelstelle am Ufer. Laut dem Unternehmen können dabei rund 86 Prozent des Plastikmülls an der Wasseroberfläche aufgefangen werden.

Ein großer Vorteil: Die Blasenbarriere soll Fische und Schiffsverkehr möglichst wenig beeinträchtigen. Das System wird bereits unter anderem in Amsterdam, Katwijk und Harlingen in den Niederlanden sowie bei Vila do Conde in Portugal eingesetzt. Die Technologie soll künftig auch an besonders stark verschmutzten Flüssen weltweit eingesetzt werden.

Besonders hoffnungsvoll ist dabei, dass die gesammelten Daten nicht nur dabei helfen, Müll einzusammeln. Sie können auch zeigen, wo besonders viel Plastik in die Gewässer gelangt und damit helfen, langfristig bessere Maßnahmen zur Müllvermeidung zu entwickeln.

Forschende entwickeln Algen gegen Mikroplastik

Auch in der Forschung gibt es Fortschritte! Forschende der Texas A&M University haben Cyanobakterien gentechnisch so verändert, dass sie Mikroplastik aus Abwasser binden können.

Die Mikroorganismen produzieren dabei Limonen, einen Stoff, der auch für den typischen Geruch von Orangenschalen verantwortlich ist. Da Limonen wasserabweisend ist und Mikroplastik ebenfalls wasserabweisende Eigenschaften besitzt, können sich die Bakterien an die Plastikpartikel anlagern. Dadurch entstehen größere Klumpen, die anschließend aus dem Wasser entfernt werden können.

In den Versuchen konnten auf diese Weise laut den Forschenden mehr als 90 Prozent bestimmter Mikroplastikpartikel entfernt werden. Gleichzeitig entfernten die Cyanobakterien große Mengen an Nitrat, Ammonium und Phosphat aus dem Wasser. Das macht den Ansatz besonders interessant, weil dadurch Plastik- und Nährstoffbelastungen gleichzeitig reduziert werden könnten.

Noch ist die Methode allerdings nicht bereit für den großflächigen Einsatz. Sie muss zunächst unter realen Abwasserbedingungen getestet werden. Außerdem müssen Fragen zur Nutzung gentechnisch veränderter Organismen und zur technischen Umsetzung in großen Kläranlagen geklärt werden. Pilotanlagen könnten nach Einschätzung der Forschenden ab etwa 2028 realistisch sein.

Plastikverschmutzung mithilfe von Wissenschaft besser verstehen

Ein weiteres spannendes Projekt aus den USA zeigt, wie Forschung und die Mithilfe der Bevölkerung miteinander verbunden werden können.

In North Carolina untersuchen Forschende, wie Plastikmüll durch Regen und Flüsse transportiert wird. Dafür wurden wiederverwendbare Flaschen mit GPS-Trackern in Flüsse eingesetzt. Insgesamt können inzwischen 60 dieser Forschungsflaschen verfolgt werden.

Die Flaschen helfen dabei herauszufinden, wie lange Müll in Flüssen bleibt, wie weit er transportiert wird und an welchen Stellen er sich ansammelt. Erste Ergebnisse zeigen, dass Plastikmüll nicht einfach geradlinig von der Stadt bis ins Meer gelangt. Stattdessen kann er über längere Zeit in Flüssen liegen bleiben und sich an bestimmten Stellen ansammeln.

Auch die Bevölkerung kann sich beteiligen: Wer eine der Forschungsflaschen entdeckt, kann den QR-Code darauf scannen, den Fundort melden und die Flasche anschließend wieder ins Wasser legen. Gleichzeitig werden Menschen dazu ermutigt, bei ihren Aktivitäten am Wasser auch anderen Müll einzusammeln.

100 Kilogramm Müll in nur 90 Minuten gesammelt!

Wie viel man mit einer gemeinsamen Aktion erreichen kann, zeigte im Juli auch eine Müllsammelaktion am Rhein in Neuss.

Im Rahmen des Plastic Free July sammelten 25 Mitarbeitende des Wasseraufbereitungsunternehmens Culligan innerhalb von nur 90 Minuten rund 100 Kilogramm Müll am Rheinufer. Der gesammelte Abfall wurde anschließend fachgerecht entsorgt.

Unterstützt wurde die Aktion unter anderem von der Umweltorganisation „Krake“ und Rhine Cleanup. Dabei wurde auch auf die große Menge an Müll aufmerksam gemacht, die täglich durch den Rhein transportiert wird. Laut den genannten Untersuchungen bestehen etwa 70 Prozent des Mülls aus Kunststoff.

Plastic Free July 2026 war ein voller Erfolg

Ein schönes Beispiel kommt aus Australien. Im South Metropolitan Health Service wurde die Kampagne „Think Before You Bluey“ gestartet. Dabei geht es um sogenannte „Blueys“ – Einweg-Unterlagen mit Kunststoffbeschichtung, die im Gesundheitswesen häufig verwendet werden. Mitarbeitende wurden dazu angeregt, vor der Verwendung drei Fragen zu stellen: Brauche ich das Produkt wirklich? Brauche ich so viele davon? Gibt es eine Alternative? Nach dem Prinzip „Refuse, Reduce, Reuse, Swap“ konnte der Verbrauch innerhalb von neun Monaten um 17 Prozent reduziert werden, dadurch wurden rund 73.000 Einweg-Unterlagen eingespart. Das Beispiel zeigt, dass schon kleine Veränderungen in alltäglichen Abläufen eine große Wirkung haben können.

Auch Schulen können beim Plastic Free July aktiv werden. An einer Grundschule in Melbourne wurden bei einem großen Schulfest mehr als 600 Getränke in wiederverwendbaren Bechern ausgeschenkt. Dadurch konnten rund 4,8 Kilogramm Müll vermieden werden. Zusätzlich wurden Einweg-Wasserflaschen durch kostenlose Wasserstationen ersetzt. Durch bessere Mülltrennung, Mehrwegbehälter und Kompostierung konnte die Schule ihre gesamte Menge an Restmüll um 38 Prozent reduzieren. Besonders schön: Schüler:innen halfen als sogenannte „Bin Fairies“ dabei, den Besucher:innen die richtige Mülltrennung zu erklären.

In den Philippinen setzt die Initiative „Kuha Sa Tingi“ auf eine andere Idee: Statt Produkte wie Waschmittel oder Spülmittel in kleinen Einweg-Sachets zu verkaufen, können Kund:innen ihre eigenen Behälter zu Nachfüllstationen mitbringen. Damit wird die traditionelle „Tingi“-Kultur, also das Kaufen kleiner Mengen, mit einem modernen Mehrwegsystem verbunden. Das Modell ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern kann auch finanziell Vorteile bringen. Zwischen 2022 und Ende 2024 wurden dadurch laut den Projektangaben bereits 3,9 Millionen Einweg-Sachets vermieden.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

Artikel: 88

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