Wer im Sommer im Mittelmeer oder in der Ägäis schwimmen geht, entdeckt sie vielleicht: eine Qualle, die aussieht wie ein riesiges Spiegelei! Die Spiegeleiqualle (Cotylorhiza tuberculata) gehört zu den auffälligsten Meeresbewohnern des Mittelmeers und ist gleichzeitig viel harmloser, als viele denken.
Diese Qualle sieht ganz schön außergewöhnlich aus
Ihren ungewöhnlichen Namen verdankt sie ihrem Aussehen: Der weißliche Schirm mit der gelb-braunen Kuppel in der Mitte erinnert tatsächlich an ein frisch gebratenes Ei. Mit einem Schirmdurchmesser von bis zu 40 Zentimetern ist sie kaum zu übersehen. Die gelbe „Eigelb“-Färbung stammt von winzigen Algen, die in Symbiose mit der Qualle leben. Sie versorgen sie mit Nährstoffen und erhalten im Gegenzug einen geschützten Lebensraum.
Im Gegensatz zu vielen anderen Quallen treibt die Spiegeleiqualle nicht einfach passiv mit der Strömung. Sie kann sich aktiv fortbewegen und lebt meist knapp unter der Wasseroberfläche in Tiefen bis etwa sieben Metern. Vor allem zwischen Juli und Oktober ist sie im Mittelmeer häufig anzutreffen.
Harmlos für Menschen und wichtig für das Meer
Auch wenn ihr Anblick manche Badegäste zunächst erschreckt, gibt es Entwarnung. Das Nesselgift der Spiegeleiqualle ist für Menschen nahezu ungefährlich. Berühren sollte man Wildtiere dennoch grundsätzlich nicht, sowohl zum Schutz der Tiere als auch aus Respekt vor ihrem natürlichen Lebensraum.
Für viele andere Meeresbewohner ist die Qualle dagegen ein echtes Zuhause. Zwischen ihren verzweigten Armen finden Jungfische Schutz vor Fressfeinden, und auch kleine Krebstiere nutzen sie als Versteck. Damit trägt die Spiegeleiqualle zur Artenvielfalt im Mittelmeer bei und übernimmt eine wichtige Rolle im Ökosystem.

Eine Qualle mit doppeltem Speiseplan
Die Spiegeleiqualle hat eine besondere Ernährungsstrategie. Einerseits fängt sie Zooplankton und winzige Meerestiere. Andererseits erhält sie einen Teil ihrer Energie von den Algen, die in ihrem Gewebe leben und durch Photosynthese Zucker produzieren!
Wenn Quallen zur Warnung werden
In manchen Sommern treten Spiegeleiquallen in großen Mengen auf, Fachleute sprechen von einer „Quallenblüte“. Solche Massenansammlungen können sich über viele Kilometer erstrecken und Badegäste überraschen. Für den Menschen sind sie zwar meist harmlos, dennoch gelten sie als mögliches Warnsignal.
Steigende Wassertemperaturen im Mittelmeer begünstigen die Ausbreitung vieler Quallenarten. Forschende erwarten, dass sich durch den Klimawandel und die zunehmende Erwärmung des Mittelmeers solche Quallenblüten künftig häufiger bilden könnten. Gleichzeitig geraten Fischbestände und andere Meereslebewesen durch die Veränderungen im Ökosystem zusätzlich unter Druck.

Ein Tier, das Schutz verdient
Leider werden Spiegeleiquallen immer wieder aus dem Wasser gezogen oder getötet, oft aus Angst oder Unwissenheit. Dabei erfüllen sie wichtige Aufgaben im Meer und sind für Badende keine Gefahr. Wer ihnen begegnet, kann sie stattdessen einfach aus sicherer Entfernung beobachten und ihre außergewöhnliche Schönheit genießen.
Quellen
- Deutsche Stiftung Meeresschutz – Spiegeleiqualle (Cotylorhiza tuberculata)
- GEO – Spiegeleiquallen vor Mallorca: harmlos für Badende und trotzdem ein Alarmsignal
- Animalia – Fotos mit Spiegeleiqualle
- Archipelagos – Mediterranean Jelly
- Sail with us – The Mediterranean jellyfish: the benefits and the crucial protection
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