Die Kreuzkröte (Fantastischer Fakt)

In dieser Folge von Fantastischer Fakt geht es um eine Tierart, die um diese Jahreszeit aktiv wird und deren natürliche Lebensräume – wie dynamische Flussauen – in Deutschland kaum noch vorkommen. Gemeint ist die Kreuzkröte (Epidalea calamita). Wie du sie erkennst und weshalb sie heute stark von uns Menschen abhängig ist, erfährst du jetzt:

Vielleicht kennst du ihre häufigere Verwandte, die Erdkröte. Das sind die Kröten, die im frühen Frühjahr in großer Zahl zu ihren Laichgewässern wandern und dabei oft Straßen überqueren müssen. Anders als die Erdkröte gehört die Kreuzkröte zu den Spätlaichern. Das bedeutet, das sie nicht schon im März oder sogar Februar mit dem Laichen beginnt, sondern je nach Region im April oder Mai. Die Tiere sind nachtaktiv und besonders auf Regenfälle angewiesen (warum erfährst du noch). Je nach Wetter kann die Laichperiode deshalb auch bis in den August hinein andauern.

Daran kann man die Kreuzkröte erkennen

Kreuzkröten haben einen ähnlichen Körperbau wie Erdkröten und ebenfalls eine warzige Haut, sind aber etwas kleiner. Wie auch die Erdkröten haben sie eine waagrechte Pupille. Ihre Augen sind jedoch gelblich bis grünlich statt bronzefarben.Die Tiere sind auf der Oberseite meist grau-grünlich gefleckt. Die Färbung kann aber auch bräunlich oder leicht rötlich sein. Am auffälligsten ist aber die helle gelbliche Linie auf dem Rücken – also auf dem „Kreuz“. Der Bauch ist weiß/gräulich mit schwarzen Flecken. Übrigens sind sowohl das Rücken- als auch das Bauchmuster individuell. Das bedeutet einzelne Tiere können an ihrem Muster – zum Beispiel mit Hilfe von Fotos – wiedererkannt werden.

Das Bild zeigt ein im Wasser sitzendes Kreuzkrötenpaar. Das Männchen klammert sich auf dem Rücken des Weibchens fest.
Kreuzkröten sind vor allem an der gelben Linie auf ihrem Rücken gut erkennbar. ©JohannaKaucher

Männchen und Weibchen können an der Kehle unterschieden werden. Diese ist bei Männchen bläulich, bei Weibchen weißlich. Männchen haben zur Paarungszeit außerdem Brunftschwielen an den ersten drei Fingern. Das sind dunkle, verhornte Stellen, die den Männchen helfen, sich an das Weibchen zu klammern.

Kein Hüpfen, aber laute Chöre

Neben ihrem Aussehen können Kreuzkröten auch an anderen Eigenschaften erkannt werden. Zum Beispiel an ihrem Gang. Weil ihre Hinterbeine kürzer sind als bei anderen Froschlurchen, hüpfen sie nicht, sondern laufen. Ihre Art zu Laufen wird häufig als „mäuseähnlich“ beschrieben. Während der Paarungszeit machen die Männchen außerdem laut auf sich aufmerksam. Mit ihrer Schallblase erzeugen sie charakteristische Rufe, um Weibchen anzulocken. Rufen mehrere Männchen im Chor, können diese über einen Kilometer weit zu hören sein. Wie das klingt, kannst du zum Beispiel hier beim BUND Naturschutz anhören.

Das Bild zeigt ein Gewässer bei Nacht, in dem sich Kaulquappen der Kreuzkröte aufhalten. Der Boden des Gewässers ist nicht bewachsen, aber es befinden sich in regelmäßigen Abständen Vertiefungen im Boden.
Typisch für Kaulquappen der Kreuzkröte sind auch die wabenförmigen Vertiefungen, die sie durch Bewegungen am Boden des Gewässers erzeugen. ©Johanna Kaucher

Übrigens wurden bei Männchen vier verschiedene Paarungs-Taktiken beobachtet: Neben dem aktiven Anlocken von Weibchen durch Rufe („Rufer-Taktik“) gibt es auch die „Satelliten-Taktik“. Dabei rufen Männchen nicht selbst, sondern halten sich nahe an rufenden Männchen auf, um ohne eigenen Energieaufwand ein Weibchen zu treffen. Männchen mit der „Wegelagerer-Taktik“ warten weiter vom Gewässer entfernt, um schon vor Erreichen des Gewässer ein Weibchen

abzufangen. Bei der selteneren „Kampf-Taktik“ versucht ein Männchen den Platz eines anderen Männchens einzunehmen, das sich bereits an ein Weibchen klammert. Männchen bleiben meist nicht bei einer Taktik, sondern wechseln diese.

Wo lebt die Kreuzkröte?

Die Kreuzkröte gibt es nur in Europa. Dort ist ihr Verbreitungsgebiet aber sehr groß: Von der Iberischen Halbinsel über Mitteleuropa bis nach Südschweden und zum Baltikum im Nordosten. Südlich der Alpen und in Südosteuropa kommt sie nicht vor. Dafür gibt es auch in Irland und Großbritannien Vorkommen.

Das Bild zeigt eine Pfütze am Wegrand, die ein mögliches Kreuzkröten-Laichgewässer sein kann.
Die Kreuzkröte nutzt temporäre, vegetationsarme Gewässer zum Laichen – wie dieses Kleingewässer am Wegrand. ©Johanna Kaucher

Die Kreuzkröte gilt als Pionierart. Das heißt, dass neu entstandene Lebensräume von ihr schnell besiedelt werden können. Ihre Lebensräume zeichnen sich durch wenig Vegetation und einen hohen Anteil an offenem Boden aus. Die Kaulquappen benötigen Gewässer ohne Konkurrenz und Prädatoren. Anders als die Erdkröte nutzt sie deshalb statt permanenten Gewässer flache, temporäre Gewässer mit keiner oder wenig Vegetation.

Hier ist zwar das Risiko durch Konkurrenz oder Fressfeinde für die Kaulquappen geringer, dafür müssen diese sich schnell entwickeln, bevor die Gewässer austrocknen. Die Kaulquappen haben deshalb eine besonders kurze Entwicklungszeit: Je nach Wassertemperaturen kann sie in 3 bis 6 Wochen abgeschlossen sein.

Warum ist die Kreuzkröte von menschlichem Handeln abhängig?

Temporäre Gewässer, die immer wieder neu entstehen, kommen zum Beispiel in den Überschwemmungsflächen von natürlichen Flussauen oder in Küstenlebensräumen wie Dünengebieten vor. Diese zählen deshalb zu den sogenannten Primärhabitaten der Kreuzkröte und zeichnen sich durch eine hohe Dynamik aus. Die Primärlebensräume der Kreuzkröte kommen jedoch kaum noch vor, weil beispielsweise die meisten Flüsse begradigt wurden und die Dynamik verloren ging.

Das Bild zeigt einen Fluss, am linken Ufer sind Bäume, am rechten Ufer Kiesbänke zu sehen.
Zu den Primärhabitaten der Kreuzkröte gehören natürliche Flussauen, die durch Begradigungen weitegehend verschwunden sind.
Bild: von fietzfotos auf pixabay.com
Das Bild zeigt eine Abbaustelle mit mehreren Haufen Kies, Baggern und einem Traktor mit Anhänger.
Sekundärhabitate entstehen durch menschliche Aktivitäten. Im Fall der Kreuzkröte gehören Abbaustellen von Kies und Sand dazu. Bild: von javierAlamo auf pixabay.com

Da kommen die Sekundärhabitate ins Spiel. Das sind Lebensräume, die durch menschliches Handeln entstanden sind und von denen man einige im ersten Augenblick wohl nicht mit dem Thema Naturschutz verbinden würde. Im Fall der Kreuzkröte sind das zum Beispiel Abbaugebiete von Sand oder Kies, Industriebrachen, Baustellen oder auch Truppenübungsplätze. Bei letzteren ist es oft die Befahrung mit Panzern und die dadurch verursachte Bodenverdichtung, die zur Entstehung neuer Kleingewässer führen.

Ist die Kreuzkröte gefährdet?

Auf der Roten Liste für Deutschland wird die Art aktuell in der Kategorie 2 ( = „stark gefährdet„) aufgeführt und zählt damit zu den am stärksten gefährdeten, einheimischen Amphibienarten. Wie schon erwähnt, gibt es die Primärhabitate der Kreuzkröte in Mitteleuropa kaum noch. Aber auch mit den Sekundärlebensräumen gibt es Probleme, wenn sich die Form der Nutzung ändert oder diese aufgegeben wird: Abbaugebiete werden still gelegt, wachsen wieder zu oder werden sogar wieder aufgefüllt. Truppenübungsplätze werden geschlossen, die Störung durch die Panzer bleibt aus und die Gewässer wachsen wieder zu und verlanden. Manchmal übernehmen nach einer Nutzungsaufgabe lokale Naturschutzgruppen die Pflege von Kreuzkrötenlaichgewässern. Diese müssen dann aufwendig immer wieder neu angelegt oder gepflegt werden, damit sie für Kreuzkröten attraktiv bleiben. In Naturschutzgebieten ist die Art auch nicht einfach zu schützen, eben weil sie auf Dynamik und frisch entstandene Gewässer angewiesen ist.

Ein weiteres Problem für die Kreuzkröte kann der Klimawandel werden. Oben wurde schon das Austrocknungsrisiko für die Kaulquappen erwähnt. Zwar ist es bei der Art normal, dass es auch Jahre mit einem Totalverlust der Kaulquappen gibt – allerdings darf das nicht zu oft passieren. Häufigere Trockenheit im Frühjahr kann dazu führen, dass die Kaulquappen in noch mehr Jahren nicht bis zur Metamorphose überleben und die Population sich nicht oft genug fortpflanzen kann.

Das Bild zeigt eine Kreuzkröte im Wasser.
Die Kreuzkröte wird auf der Roten Liste aktuell als „stark gefährdet eingestuft. ©Johanna Kaucher

Was kannst du für die Kreuzkröte tun?

Direkt bei dir zuhause kannst du für die Art erst einmal nicht viel tun. Die Kreuzkröte ist keine Art, der man durch Maßnahmen im eigenen Garten helfen kann. Falls es in deiner Umgebung aber eine lokale Naturschutzgruppe gibt, die sich um die Erhaltung eines Kreuzkrötenlebensraums kümmert, kannst du dort fragen, ob Hilfe gebraucht wird. Bei Naturschutzeinsätzen werden oft viele helfende Hände benötigt!

Indirekt kannst du der Kreuzkröte helfen, indem du dich für (europäischen) Naturschutz und Wiederherstellung von (Fluss-)Lebensräumen einsetzt. Die Kreuzkröte ist nämlich im Anhang IV der FFH-Richtlinie (Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie) aufgelistet. Diese schützt schützt über 1.000 Arten sowie 230 Lebensräume und gehört zu den wichtigsten Errungenschaften im Naturschutz in der EU. Allerdings steht sie gerade wie viele Naturschutzgesetzte in der EU unter Beschuss: Unter dem Deckmantel der „Entbürokratisierung“ könnten die Gesetze in sogenannten Omnibus-Verfahren abgeschwächt werden. Was es damit auf sich hat, kannst du in dieser Story von Feli nachlesen. Gegen diese Entwicklung hat sich das europaweites Bündnis HandsOffNature gegründet, das vom WWF, BirdLife, Client Earth und dem European Environmental Bureau (EEB) koordiniert wird. Mehr dazu erfährst du hier. Außerdem kannst du die dazugehörige Petition unterschreiben. Über ein Beispiel für ein Renaturierungsprojekt an der Havel kannst du hier mehr erfahren.

Mehr fantastische Fakten

Du möchtest mehr über Amphibien erfahren? In Fantastischer Fakt gab es bereits Folgen zur Erdkröte, zum Feuer– und zum Alpensalamander. Letztens ging es außerdem um den Goliathfrosch, den größten Frosch der Welt. Hier kommst du zur letzten Folgen, in der es um die lange Reise der Monarchfalter ging.

Was ist der Fantastische Fakt?

Die Natur ist voller Wunder. Täglich entdeckt die Wissenschaft neue faszinierende Phänomene. In dieser Reihe erzählen wir dir von erstaunlichen Rekorden, unglaublichen Lebensformen und sagenhaften Fähigkeiten. Ob Tiere, Pflanzen oder Pilze – jeden Mittwoch gibt es hier ein neues Highlight zum Staunen und Weitererzählen. Komm mit uns auf Entdeckungsreise zu den ungewöhnlichsten Tierarten, ältesten Bäumen und bizarrsten Lebensräumen.

Hier findest du weitere Folgen. Interessiert dich ein Lebewesen besonders, und du wünschst dir darüber eine extra Folge der „Fantastischen Fakten“? Oder möchtest deine Gedanken zum Thema teilen? Schreib gerne in die Kommentare. 🙂

Quellen

Sinsch, U. (2008). Bufo calamita Laurenti, 1768–Kreuzkröte. Handbuch der amphibien und reptilien europas5(1), 339-413.

Thiesmeier, B., & Franzen, M. (2018). Amphibien bestimmen am Land und im Wasser. Laurenti Verlag.

https://www.bund-naturschutz.de/tiere-in-bayern/amphibien/froschlurche/kreuzkroete, zuletzt abgerufen am 07.05.2026

https://www.infofauna.ch/de/beratungsstellen/amphibien-karch/die-amphibien/arten/kreuzkroete#gsc.tab=0, zuletzt abgerufen am 07.05.2026

https://www.bfn.de/artenportraits/epidalea-calamita, zuletzt abgerufen am 07.05.2026

Rote-Liste-Gremium Amphibien und Reptilien (2020): Rote Liste und Gesamtartenliste der Amphibien (Amphibia) Deutschlands. – Naturschutz und Biologische Vielfalt 170 (4): 86 S.

Johanna Kaucher am Strand

Johanna Kaucher

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