Groß, laut und mit einem beeindruckenden Stachel: Hornissen wirken auf viele Menschen erst einmal ziemlich furchteinflößend! Dabei ist die Europäische Hornisse (Vespa crabro) ein wichtiger Teil unseres Ökosystems und deutlich friedlicher, als ihr Ruf vermuten lässt. Sie jagt andere Insekten, bestäubt Pflanzen und steht in Deutschland unter besonderem Schutz.
Sind Hornissen wirklich gefährlich?
Nein, normalerweise nicht. Europäische Hornissen greifen Menschen in der Regel nicht an, sondern versuchen zu fliehen, wenn sie sich gestört fühlen. Ihr Stich ist für gesunde Menschen normalerweise nicht gefährlicher als der einer Wespe oder Biene.
Besonders wichtig ist der Abstand zum Nest. Wer nach einer Hornisse schlägt, sie festhält oder das Nest erschüttert, kann eine Verteidigungsreaktion auslösen. Deshalb gilt: Nicht nach den Tieren schlagen, das Nest nicht berühren und ausreichend Abstand halten.
Außerhalb des Nestbereichs haben Hornissen keinen Grund, ihr Volk zu verteidigen. Sie sind deshalb normalerweise nicht angriffslustig und stechen vor allem dann, wenn sie bedrängt oder festgehalten werden.
Warum sind Hornissen wichtige Helfer im Garten?
Hornissen sind echte Insektenjäger. Europäische Hornissen fangen unter anderem Fliegen, Bremsen, Wespen, Raupen und Spinnen und helfen damit bei der natürlichen Schädlingskontrolle. Honigbienen machen dagegen nur einen kleinen Teil ihrer Beute aus.
Für die eigene Energieversorgung greifen Hornissen auf süße Nahrung zurück. Sie trinken beispielsweise austretende Baumsäfte, sammeln Nektar und fressen überreifes Fallobst. Dabei können sie nebenbei auch zur Bestäubung von Pflanzen beitragen.
Eine Hornisse im Garten ist deshalb nicht automatisch ein Grund zur Sorge. Im Gegenteil: Wer eine Europäische Hornisse beobachtet, bekommt gleichzeitig eine kostenlose biologische Schädlingsbekämpferin zu sehen.

Wie bauen Hornissen ihre faszinierenden Nester?
Ein Hornissennest ist ein echtes Naturkunstwerk. Die Tiere stellen ihr Baumaterial nämlich selbst her: Sie zerkauen morsches Holz und vermischen es mit ihrem Speichel. Daraus entsteht eine papierartige Masse, aus der sie ihre Waben bauen.
Die Europäische Hornisse beginnt meist Ende April oder Anfang Mai mit dem Nestbau. Als Nistplätze nutzt sie beispielsweise Baumhöhlen, Nistkästen oder andere geschützte Hohlräume. Das Nest wächst im Laufe des Sommers kontinuierlich und kann im August oder September seine maximale Größe erreichen. Dann leben darin etwa 400 bis 700 Tiere. Und das Ganze beginnt mit einer einzigen Hornisse: der Jungkönigin.
Wie gründet eine Hornissenkönigin einen neuen Staat?
Im Frühjahr erwacht die im Vorjahr begattete Jungkönigin aus ihrer Winterruhe. Zunächst muss sie selbst Nahrung finden und beginnt anschließend mit dem Nestbau.
Dann legt sie die ersten Eier und kümmert sich zunächst allein um ihre Brut. Während dieser Zeit ist sie gleichzeitig Baumeisterin, Jägerin und Kinderbetreuerin. Erst wenn die ersten Arbeiterinnen geschlüpft sind, übernehmen diese die Brutpflege und Nahrungssuche.
Von diesem Moment an kann sich die Königin ganz auf das Eierlegen konzentrieren. So wächst aus einer einzigen überwinternden Königin innerhalb weniger Monate ein ganzer Hornissenstaat.
Was fressen Hornissen?
Hornissen sind vor allem geschickte Räuber. Ihre Beute besteht aus verschiedenen Insekten und anderen kleinen Tieren. Die Arbeiterinnen bringen die gefangene Beute ins Nest und zerkauen sie zu einem proteinreichen Brei, mit dem die Larven gefüttert werden.
Besonders spannend: Hornissen sind auch nachts unterwegs. Während viele andere Wespenarten dann längst inaktiv sind, können Hornissen weiterhin jagen. Dadurch erreichen sie auch nachtaktive Insekten.
Wie schnell können Hornissen fliegen?
Hornissen sind trotz ihrer beeindruckenden Größe erstaunlich schnelle Flieger. Arbeiterinnen der Europäischen Hornisse legen normalerweise Strecken von etwa 500 bis 1.000 Metern zurück, um Nahrung zu suchen. Einzelne Flüge über mehrere Kilometer sind ebenfalls dokumentiert.
Die Königin der Europäischen Hornisse kann etwa 35 Millimeter lang werden. Arbeiterinnen erreichen ungefähr 18 bis 25 Millimeter und sind damit fast doppelt so groß wie eine Deutsche Wespe.
Wie lange leben Hornissen?
Bei Hornissen ist das Leben ziemlich kurz, zumindest für die meisten Mitglieder des Staates. Ein Hornissenvolk besteht nur eine Saison lang.
Arbeiterinnen der Europäischen Hornisse leben ungefähr drei bis vier Wochen. Die Männchen werden meist nur zwei bis drei Wochen alt. Die Königin lebt dagegen etwa neun bis zwölf Monate, wobei ihre Winterruhe eingeschlossen ist.
Im Herbst beginnt sich der Kreislauf zu schließen. Die alte Königin stirbt und neue Jungköniginnen verlassen das Nest. Nach der Paarung suchen sie einen geschützten Platz für die Winterruhe. Wenn im Frühjahr die Temperaturen wieder steigen, beginnt der gesamte Zyklus von vorn.
Das alte Nest bleibt dabei leer. Hornissen beziehen ihr verlassenes Nest im nächsten Jahr nicht wieder.
Warum stehen Europäische Hornissen unter Schutz?
Die Europäische Hornisse ist in Deutschland eine geschützte Art. Sie darf nicht einfach getötet oder ihr Nest zerstört werden. Befindet sich ein Nest tatsächlich an einem problematischen Ort, sollte man sich an eine zuständige Naturschutzbehörde oder eine sachkundige Fachperson wenden.
Das ist besonders wichtig, weil Hornissen einen wertvollen Beitrag zum Ökosystem leisten. Sie halten Populationen anderer Insekten in Schach und tragen zur Bestäubung von Pflanzen bei.
Was solltest du tun, wenn du ein Hornissennest findest?
Ruhe bewahren und Abstand halten. Ein Nest sollte niemals angefasst, erschüttert oder eigenständig entfernt werden.
Ein Abstand von ungefähr vier Metern wird als sinnvoll empfohlen. Wer das Nest in Ruhe lässt, kann die Tiere häufig sogar gut beobachten.
Hornissen sind nicht darauf aus, Menschen anzugreifen. Besonders außerhalb des unmittelbaren Nestbereichs gehen sie normalerweise ihren eigenen Geschäften nach: jagen, fressen und den Nachwuchs versorgen.
Wie unterscheidet man die Europäische von der Asiatischen Hornisse?
In Deutschland kommen inzwischen zwei Hornissenarten vor: die heimische Europäische Hornisse (Vespa crabro) und die invasive Asiatische Hornisse (Vespa velutina). Sie sollten nicht miteinander verwechselt werden.
Die Europäische Hornisse besitzt überwiegend eine rotbraune Färbung mit schwarz-gelben Zeichnungen. Die Asiatische Hornisse ist dagegen überwiegend schwarz gefärbt und besitzt auffällig gelbe Enden an den Beinen.
Der Unterschied ist wichtig: Die Asiatische Hornisse ist eine invasive Art, die unter anderem Honig- und Wildbienen jagt und dadurch heimische Ökosysteme beeinträchtigen kann. Bei einem Verdacht auf diese Art sollte man deshalb fachkundige Stellen informieren und nicht selbst versuchen, ein Nest zu entfernen.
Warum sollten wir Hornissen nicht einfach vertreiben?
Hornissen sehen vielleicht beeindruckend aus, aber ihr Verhalten ist viel weniger bedrohlich, als ihr Aussehen vermuten lässt. Die Europäische Hornisse erfüllt wichtige ökologische Funktionen und ist deshalb schützenswert.
Vielleicht lohnt es sich also, beim nächsten tiefen Brummen im Garten nicht sofort zum Insektenspray zu greifen. Stattdessen könntest du einen Schritt zurückgehen, etwas Abstand halten und beobachten, was dort gerade passiert!
Quellen
Lust, mit deinen Texten etwas zu bewegen? 🧡🌍
Dann werde Teil unserer Redaktion! Erfahre, was dich erwartet – ganz ohne Lebenslauf oder langes Anschreiben.






