Mittelmeer-Artenreihe: Mittelmeer-Mönchsrobbe

Die Mittelmeer-Mönchsrobbe (Monachus monachus) zählt zu den seltensten Meeressäugern der Welt und gehört zu den am stärksten bedrohten Robbenarten überhaupt! Einst war sie im gesamten Mittelmeerraum, im Schwarzen Meer sowie entlang der Atlantikküste bis zu den Kanarischen Inseln und Senegal verbreitet. Heute existieren nur noch wenige, voneinander isolierte Populationen. Nach Schätzungen der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) leben weltweit lediglich etwa 450 bis 600 erwachsene Tiere. Trotz ihrer kritischen Situation gibt es in einigen Regionen des Mittelmeers inzwischen Anzeichen für eine langsame Erholung der Bestände.

Ein Leben zwischen Höhlen und Küstengewässern

Die Mittelmeer-Mönchsrobbe ist die einzige Robbenart, die dauerhaft im Mittelmeer heimisch ist. Mit einer Körperlänge von bis zu 2,8 Metern und einem Gewicht von bis zu 300 Kilogramm gehört sie zu den größten Hundsrobben. Ihr Fell variiert von grau über braun bis nahezu schwarz, während die Bauchseite meist heller gefärbt ist und häufig einen auffälligen weißen Fleck trägt.

Heute leben die meisten Tiere in den Küstengewässern Griechenlands und der Türkei. Weitere kleinere Populationen kommen im Atlantik vor, insbesondere rund um die portugiesische Inselgruppe Madeira sowie an den Küsten Mauretaniens und der Westsahara. Gelegentlich werden einzelne Tiere auch in anderen Mittelmeerländern wie Kroatien, Israel oder Spanien gesichtet.

Mönchsrobben verbringen einen Großteil ihres Lebens in Küstennähe. Tagsüber ziehen sie sich häufig in abgelegene Meereshöhlen oder auf schwer zugängliche Strände zurück, um dort zu ruhen. Sie gelten als standorttreu, wobei vor allem junge Tiere gelegentlich größere Wanderungen unternehmen und neue Gebiete erkunden.

Geschickte Jäger der Küstengewässer

Die Nahrung der Mittelmeer-Mönchsrobbe besteht hauptsächlich aus Fischen, Tintenfischen und Krebstieren. Die Tiere jagen meist allein und sind hervorragende Taucher. Sie können Tiefen von über 200 Metern erreichen und bis zu 15 Minuten unter Wasser bleiben. Obwohl sie zu den bekanntesten Meeressäugern des Mittelmeers zählen, ist über ihr Verhalten noch erstaunlich wenig bekannt. Ihre scheue Lebensweise und die geringe Populationsgröße erschweren wissenschaftliche Untersuchungen erheblich.

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Nachwuchs in geschützten Höhlen

Die Fortpflanzung der Mittelmeer-Mönchsrobbe findet das ganze Jahr über statt, wobei die meisten Jungtiere im Herbst geboren werden. Nach einer Tragzeit von etwa neun bis elf Monaten bringen die Weibchen meist ein einzelnes Jungtier zur Welt. Als Geburtsort dienen geschützte Höhlen, die oft nur durch einen Taucheingang erreichbar sind.

Die Jungtiere sind bei der Geburt etwa einen Meter lang und verbringen die ersten Lebenswochen an Land. Anschließend beginnen sie, das Wasser zu erkunden, bleiben aber noch lange in der Nähe ihrer Mutter. Diese enge Bindung ist wichtig für das Überleben der jungen Robben in ihrer anspruchsvollen Küstenumgebung.

Vom Menschen an den Rand des Aussterbens gedrängt

Die Geschichte der Mittelmeer-Mönchsrobbe ist eng mit dem Menschen verbunden. Bereits in der Antike wurden die Tiere beschrieben und galten in der griechischen Mythologie als von den Göttern Poseidon und Apollon geschützte Wesen. Dennoch wurden sie über Jahrhunderte intensiv bejagt. Ihr Fleisch diente als Nahrung, ihr Fett wurde als Brennstoff genutzt und ihre Felle fanden Verwendung in der Pelzverarbeitung.

Heute stellt die direkte Jagd nur noch selten eine Gefahr dar. Stattdessen leiden die Tiere vor allem unter Lebensraumverlust und menschlichen Störungen. Der zunehmende Küstentourismus führt dazu, dass immer mehr abgelegene Strände und Höhlen für Freizeitaktivitäten genutzt werden. Dadurch verlieren die Robben wichtige Rückzugsorte für Ruhe und Jungenaufzucht.

Hinzu kommen weitere Belastungen wie Überfischung, Meeresverschmutzung und die unbeabsichtigte Verstrickung in Fischernetze oder sogenannte Geisternetze. Auch Krankheiten und Umweltgifte können für die kleinen Populationen schwerwiegende Folgen haben. Aufgrund der geringen Anzahl von Tieren stellt zudem die eingeschränkte genetische Vielfalt ein langfristiges Problem dar.

Hoffnung durch Schutzmaßnahmen

Trotz ihrer kritischen Situation gibt es Anlass zur Hoffnung. Besonders in Griechenland und auf Madeira zeigen Schutzmaßnahmen erste Erfolge. Auf Madeira konnte sich die Population durch konsequenten Schutz von Küstenhöhlen und störungsfreien Rückzugsgebieten langsam vergrößern. Auch in Griechenland mehren sich Hinweise auf eine positive Bestandsentwicklung.

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Eine Zukunft für die seltenste Robbe des Mittelmeers?

Die Mittelmeer-Mönchsrobbe steht sinnbildlich für die Herausforderungen des Meeresschutzes im Mittelmeer. Obwohl ihr Bestand noch immer sehr klein ist, zeigen erfolgreiche Schutzprojekte, dass sich bedrohte Arten erholen können, wenn ihre Lebensräume konsequent geschützt werden. Die Zukunft dieser außergewöhnlichen Robbe hängt daher entscheidend davon ab, ob es gelingt, störungsfreie Küstenbereiche zu erhalten, die Belastung der Meeresökosysteme zu reduzieren und die verbleibenden Populationen langfristig zu sichern. Als einzige heimische Robbenart des Mittelmeers ist die Mittelmeer-Mönchsrobbe nicht nur ein faszinierender Teil der marinen Biodiversität, sondern auch ein wichtiges Symbol für den Schutz eines der vielfältigsten Meeresräume Europas.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

Artikel: 84

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