Hast du auch in der Grundschule Baumarten gelernt? Vielleicht Blätter getrocknet und damit gebastelt? Leider wars das dann auch oft schon mit dem Thema Arten erkennen in der Schule. Seit ein paar Jahren gibt es immer wieder Berichte und Warnungen, dass die Artenkenntnis in der Bevölkerung abnimmt. Aber: Warum eigentlich? Weshalb ist das ein Problem? Und vor allem: Wie kannst du deine eigenen Artenkenntnisse verbessern?
Abnahme der Artenkenntnis – was bedeutet das eigentlich?
Davon, dass die Artenvielfalt abnimmt (Stichwort: Biodiversitätskrise), haben die meisten Menschen mittlerweile schon mal gehört. Aber wusstest du, dass auch die Artenkenntnis von uns Menschen – also das Wissen über Arten und wie man sie erkennt – abnimmt? Immer mal wieder tauchen zu dem Thema Berichte auf. Inzwischen gibt es dazu auch einige Untersuchungen in Deutschland. Wenn du davon schon gehört hast, kannst du auch direkt nach unten zu den Tipps zum Verbessern der eigenen Artenkenntnis springen.
„Arten-Pisa“
Die Plattform NABU|naturgucker möchte wissen, wie es um unsere Artenkenntnis steht. Dazu wurden unter dem Namen arten|pisa schon dreimal – 2017, 2019 und 2024 – eine Online-Befragung durchgeführt. Dabei bekamen Teilnehmende 36 Fotos von heimischen Arten verschiedener Gruppen gezeigt und mussten diese identifizieren. Dabei gab es die volle Punktzahl für den korrekten deutschen oder wissenschaftlichen Artnamen, aber auch Teilpunkte für „ungenaues Wissen“ (z. B. beim Zweipunkt-Marienkäfer für den Eintrag Marienkäfer oder Insekt). Der durchschnittliche Punktestand der Teilnehmenden lag 2024 bei 236 von 360 möglichen Punkten, mit 13 richtig benannten Arten. Alle 36 Arten konnten nur drei Menschen korrekt bestimmen. Wer sich für die Ergebnisse der Umfrage interessiert, kann hier die Präsentation dazu einsehen. Da die Umfrage keine Antwortmöglichkeiten vorgegeben hat, sind auch ein paar lustige und kreative Antworten dabei. So schrieb beispielsweise über das Taubenschwänzchen jemand „Dieses dicke Insekt, das man fast für einen Kolibri halten könnte“.


Je jünger die Menschen, desto geringer die Artenkenntnis?
Auch an Unis und Hochschulen wurde das Themaabnehmende Artenkenntnis schon untersucht, beispielsweise von Forschenden am Institut für Ökologie der TU Berlin. Dabei wurde das Wissen über häufige, einheimische Pflanzen, Vögel und Schmetterlinge in verschiedenen Altersgruppen untersucht und festgestellt, dass die Artenkenntnis von den älteren zu den jüngeren Teilnehmenden abnahm. Die Studie ist daher ein Indiz für das „Phänomen der Generationenamnesie„. Dabei wird angenommen, dass das Wissen über die Natur von älteren zu jüngeren Generationen abnimmt.
Viele Untersuchungen beziehen sich daher auf Schülerinnen und Schüler sowie den Biologieunterricht. Wie es um die Kenntnis heimischer Gartenvögel unter Erwachsenen in Bayern steht, haben 2021 Studierende der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf (HSWT) für den Landesbund für Vogelschutz in Bayern e.V. (LBV) untersucht. Die Umfrage ergab, dass die Befragten weniger als die Hälfte der heimischen Gartenvögel erkennen und richtig benennen konnten. Auch in dieser Befragung wurde ein Alterseffekt festgestellt: Je jünger die Teilnehmenden waren, desto weniger Arten kannten sie.
Weshalb ist ein Verlust von Artenkenntnis ein Problem?
Jetzt könnte man sagen: Na und? Dann kennen eben nur 3 Prozent der Jugendlichen den Tagfalter Kleiner Fuchs (siehe TU Berlin). Es gibt aber gute Gründe, sich um den Verlust von Artenwissen Sorgen zu machen und Artenkenntnis zu fördern.

Bild von Kathy_Büscher auf pixabay.com.
„Man schützt nur, was man kennt“
, so könnte man das erste Argument zusammenfassen. In der Berliner Studie konnte ein Zusammenhang zwischen Artenkenntnis, Naturverbundenheit und der Bereitschaft, sich für die Natur einzusetzen gezeigt werden. Umgekehrt könnte fehlende Artenkenntnis also zu weniger Verständnis für Naturschutzmaßnahmen führen. Der LBV erwähnte dazu auch noch einen Verlust an Lebensqualität und verwies auf Studien, dass Vogelbeobachtung und Artenkenntnis glücklich machen.
Fehlende Expertise führt zu fehlenden Daten:
Es wird nicht nur in der Gesamtbevölkerung, sondern auch im beruflichen Kontext bzw. der Qualifizierung ein Rückgang der Artenkenntnis beobachtet. Also unter den Menschen, die beispielsweise Biologie oder Ökologie studiert haben und von denen man eigentlich erwartet, dass sie sich mit Arten auskennen. Das wird zum Problem, wenn in Planungs- und Zulassungsverfahren die nötige Expertise nicht mehr gewährleistet werden kann. Oder wenn in Naturschutzprojekten Monitoring und Erfolgskontrolle fehlen, weil niemand das nötige Wissen besitzt.
„Das Aussterben der Artenkenner:innen“
Auch die Roten Listen sind von Expertise abhängig. Wenn eine Art von kaum jemandem noch erkannt wird, kann auch keine Aussage über ihre Gefährdung gemacht werden. Im schlimmsten Fall verschwindet sie einfach, ohne dass wir Menschen es überhaupt bemerken. Für einige Artengruppen gab es außerdem noch nie Unmengen an Expert:innen, da sie sich nicht für den Einstieg anbieten und die Bestimmung jahrelange Übung und das passende Material benötigt. Hier wird auch die Demographie zum Problem, wenn diese Menschen wegfallen, aber kein Nachwuchs nachrückt.

Wie kannst du deine Artenkenntnis verbessern?
Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten, mehr über die Arten um dich herum zu lernen. Einige werden unten vorgestellt. Welche für dich funktionieren und welche eher nicht, kannst du nur selbst herausfinden. Wahrscheinlich klappt am besten eine Mischung. Alle diese Methoden und Tools setzen aber viel Eigenmotivation voraus. Es sollte also auch Spaß machen und deine Neugier wecken! Daher solltest du dich zuerst fragen: Welche Artengruppe interessiert dich eigentlich? An sich kannst du dir das frei aussuchen – wie oben erwähnt, gibt es aber Artengruppen, die für den Einstieg geeigneter sind als andere. Viele Menschen beginnen mit Vogel- oder Pflanzenarten und nehmen später weitere Gruppen hinzu.
Quiz
Ein guter Einstieg, um herauszufinden, in welchen Artengruppen du dich schon gut auskennst, ist die Seite biofotoquiz.ch. Dort gibt es zu verschiedenen Artgruppen jeweils ein Foto-Quiz, wobei, z. B. der Schwierigkeitsgrad und der Lebensraum ausgewählt werden können. Die Seite ist auch gut, um in Übung zu bleiben oder altes Wissen aufzufrischen. Ein Foto-Quiz kannst du auch auf der Seite Computerbirding machen. Auch dort kannst du das Level auswählen.

Bücher und Bestimmungsschlüssel
Zu vielen Artgruppen gibt es Bestimmungsbücher – oft auch für unterschiedliche Level und gebraucht kaufbar. Bücher können auch helfen überhaupt erst mal einen Eindruck zu bekommen, wie viele Arten einer Gruppe es in Deutschland bzw. Europa gibt. Dafür kannst du zum Beispiel in einer Bücherei schauen, ob diese Bestimmungsbücher hat und welche dir zusagen. Manche Bücher sind als Bestimmungsschlüssel aufgebaut. Wenn du auf der Suche nach passender Literatur bist, findest du hier auch eine Übersicht, wo du Bestimmungsliteratur findest. Bestimmungsschlüssel funktionieren meist so, dass du zwei Optionen hast und dich für eine entscheidest, die zur nächsten Frage über die Art führt. Zum Beispiel bei Kröten und Fröschen: Welche Form hat die Pupille? Für Bestimmungsschlüssel musst du teilweise nicht mal Geld ausgeben: Einige Kurzschlüssel sind kostenlos im Internet verfügbar (z. B. einer für Amphibien vom Bund Naturschutz in Bayern oder die Schnellbestimmungsschlüssel vom NaWi-Verlag für Pflanzenfamilien, Bäume und Arthropodengruppen).
Bestimmungs-Apps
Neben Büchern gibt es mittlerweile auch zahlreiche Apps, die beim Bestimmen von Arten helfen können. Eine bekannte Bestimmungs-App für Pflanzenarten ist „Flora Incognita„. Die App wurde von der TU Ilmenau und dem Max-Planck-Institut entwickelt und kann über 30.000 Arten anhand von Fotos bestimmen. Wie gut das klappt, hängt auch von der Qualität der Fotos ab und davon welche Pflanzenteile fotografiert werden. Die App gibt daher einen Prozentwert an, wie sicher die Bestimmung ist und schlägt teilweise mehrere potenzielle Ergebnisse vor, zwischen denen man auswählen kann. Das Ergebnis muss von den Nutzenden bestätigt werden.
Wie bei vielen Bestimmungs-Apps besteht die Gefahr, sich zu sehr auf die App zu verlassen und die Ergebnisse nicht mehr zu prüfen, wodurch die Arten nicht nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Es kommt also auf die Nutzung an. In Flora Incognita gibt es auch Pflanzensteckbriefe und News zu aktuellen Pflanzenthemen. Außerdem kann man seine Beobachtungen auch speichern und es gibt die Möglichkeit an Citizen-Science-Projekten teilzunehmen.

Ähnlich ist es auch bei den Apps ObsIdentify und ObsMapp, die beide zu Observation.org gehören, einer „weltweiten Plattform für Biodiversität, Bürgerwissenschaft und Monitoring“. Auch mit diesen Apps kannst du Arten melden und über Fotos bestimmen lassen (Pflanzen, Tiere und Pilze, keine Haustiere, Topf- oder Gartenpflanzen). Die Bestimmung läuft über eine KI. Deine Beobachtungen kannst du auf die Plattform hochladen und so der Wissenschaft zur Verfügung stellen. Außerdem kannst du Badges sammeln, Gruppen beitreten und an Challenges teilnehmen. Aktuell läuft zum Beispiel noch die Hummel-Challenge oder die Igel-Challenge.
„Jeder ist ein Naturforscher„, diesem Ansatz folgt auch iNaturalist. Auch iNaturalist ist eine weltweite Citizen‑Science‑Plattform, auch hier kannst du anhand von Fotos (oder Tonaufnahmen) Arten bestimmen und melden. Dabei kannst du auch Projekten beitreten und so zum Beispiel mit deinen Freunden eine Gruppe bilden. Ein Unterschied zu ObsIdentify ist die Community‑Bestätigung: Wenn du eine Art bestimmst, bekommst du zwar auch Vorschläge durch eine KI, die endgültige Bestimmung entsteht aber durch eine Community‑Validierung. Das bedeutet andere können deine Beobachtungen sehen und ebenfalls bestimmen. Durch die Experten‑ und Nutzermeinungen wird eine hohe wissenschaftliche Qualität gewährleistet.

Neben diesen Apps, die viele verschiedene Arten abdecken, gibt es auch welche, die speziell für die Bestimmung von Vogelstimmen gedacht sind. Zwei bekannte sind Merlin Bird ID und BirdNET. Merlin Bird ID wurde vom Cornell Lab of Ornithology – einer Non-Profit-Organisation der Cornell University im US Bundesstaat New York -, BirdNET von der Professur Medieninformatik Technische Universität Chemnitz entwickelt. Wer sich dafür interessiert, wie das funktioniert und was genau hinter BirdNET steckt, kann in diese Folge des Bild der Wissenschaft Podcast hineinhören. Um die Apps zum Lernen von Vogelstimmen zu verwenden und diese langfristig auch ohne die App zu erkennen, kannst du die App laufen lassen und dabei aktiv auf die singenden Vögel um dich herum achten. Gerade Merlin Bird ID reagiert sehr schnell und die Arten, die gerade singen, leuchten auf.
Lern-Apps und weitere Internetseiten
Neben Bestimmungs-Apps können auch weitere Apps und Internetseiten beim Lernen helfen. Die App Flora Box ist zum Lernen von Pflanzen gedacht, anscheinend aber gerade nicht verfügbar. Auf der Seite Birdsong von BirdLife Schweiz kannst du Vogelstimmen üben. Dort kannst du ebenfalls dein Level wählen und es gibt auch Bereiche speziell für Lehrpersonen. Sowohl Übungen mit Gesang als auch mit Vogelfotos gibt es auf Birdid.no von der Nord University. Die Seite ist allerdings auf Englisch.
(Online-)Kurse
Wenn du richtig in eine Artengruppe eintauchen möchtest, ist vielleicht ein (Online-)Kurs etwas für dich. Dafür gibt es verschiedene Anbieter. Kostenlose Onlinekurse zu verschiedenen Artengruppen und Lebensräumen findest du in der NABU|naturgucker-Akademie. Auch in der WWF Akademie gibt es einige Kurse, die auf bestimmte Artengruppen oder Lebensräume bezogen sind. Der Bund Naturschutz in Bayern e. V. hat im Winter die Online-Vortragsreihe Artenkenntnis für Einsteiger*innen angeboten. Die aktuellen Termine sind zwar alle vorbei, unter den Terminen wurden aber teils (Literatur-)Tipps für die jeweilige Artengruppe zusammengefasst.

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Onlinekurse, aber auch Angebote in Präsenz bietet auch KNAK (Kompetenznetzwerk Artenkenntnis Niedersachsen) an.
Gegen den Rückgang der Artenkenntnis arbeitet auch das Programm „Wissen – Qualifizieren – Zertifizieren für Artenvielfalt“ des BANU (Bundesweiter Arbeitskreis der staatlich getragenen Bildungsstätten im Natur- und Umweltschutz). Der BANU ist dabei die Dachorganisation, die Kurse und Prüfungen werden in verschiedenen Bundesländern von den BANU-Mitgliedern angeboten und sind wie beim Schwimmabzeichen in die 3 Niveaustufen Bronze, Silber, Gold unterteilt. Man kann sich meist auch nur für die Prüfung anmelden, ohne einen Kurs zu besuchen. Auf der Seite gibt es auch einen Download-Bereich mit den Prüfungsanforderungen und teilweise Lernmaterial. Bisher werden Botanik, Amphibien, Reptilien, Ornithologie, Libellen sowie Tagfalter und Widderchen angeboten. Achtung, die Kurse und Prüfungen sind nicht kostenlos, es gibt teilweise aber Ermäßigungen zum Beispiel für Studierende.
Weitere Kurse zur Artkenntnis an verschiedenen Orten und online findest du auch im Veranstaltungskalender des Nationalen Monitoringzentrums zur Biodiversität.
Von und mit anderen lernen
Besonders gut lernt man Arten nicht alleine, sondern mit anderen. Vielleicht haben deine Freundinnen und Freunde auch Lust eine Artengruppe gemeinsam besser kennenzulernen? Ihr könnt zum Beispiel auch als Gruppe an einer Challenge wie der Hummel-Challenge teilnehmen. Vielleicht gibt es bei dir vor Ort aber auch eine lokale Naturschutzgruppe? Manchmal bieten diese Gruppen auch Exkursionen an – teilweise findet man die nicht im Internet, sondern in der Zeitung und auf Aushängen vor Ort. Gerade beim Artenlernen kann man viel von (älteren) erfahreneren Artenkenner:innen profitieren. Viele freuen sich ihr Wissen weitergeben zu können, damit das lokale Wissen über vorkommende Arten nicht verloren geht. In Hessen hat die HGON (Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz e.V.) sogar ein Mentoringprogramm ins Leben gerufen, um jungen Naturschützer:innen (unter 35 Jahren) erfahrene Mentor:innen an die Seite zu stellen und deren Artenwissen weiterzugeben. Für 2026 ist die Bewerbungsfrist allerdings schon vorbei.
Am wichtigsten für das Kennenlernen von Arten bleibt aber rausgehen, aufmerksam und neugierig sein. 🙂
Ein wichtiger Tipp fehlt?
Dieser Tipp der Woche ist auf keinen Fall eine vollständige Auflistung aller Möglichkeiten, die eigene Artenkenntnis zu verbessern. Falls dir weitere Tipps einfallen, die hier fehlen, schreib es gerne unter den passenden Post in der Community oder mache einen eigenen Post dazu. Im letzten Tipp der Woche ging es um insektenfreundliches Rasenmähen.
Was ist der Tipp der Woche?

Jeden Montag gibt’s in der WWF Jugend Community einen neuen „Tipp der Woche“. Lass keine Woche vergehen ohne deine extra Portion Weltveränderung – denn jeder einzelne Schritt zählt und bewirkt, dass sich die Welt verwandelt.
Von Veranstaltungen, Events und Jugendforen über Energiespartipps, Upcyclingideen und vegane Rezepte bis zu Filmtipps, Apps, Buchrezensionen und Gartenideen: Hier findest du immer etwas, was du ganz konkret in deinem Alltag anwenden kannst.
Hier findest du weitere Folgen. Du hast eine Frage oder möchtest ebenfalls einen Tipp teilen? Schreib gerne in die Kommentare. 🙂
Quellen
Schwindende Artenkenntnisse und Naturverbundenheit unter der Jugend – TU Berlin, abgerufen am 29.06.2026
Studie von HSWT und LBV zeigt: Bayern erkennen immer weniger Vogelarten | HSWT, abgerufen am 29.06.2026
arten|pisa 2024 – NABU|naturgucker, abgerufen am 29.06.2026
Artenkenntnis | Monitoringzentrum NMZB, abgerufen am 29.06.2026
Das Aussterben der Artenkenner:innen | Artenfinder Service-Portal, abgerufen am 29.06.2026






