Konferenz in Santa Marta: Kommt der fossile Ausstieg?

Es geschah weit weniger beachtet als die Klimakonferenzen, und doch könnte hier Entscheidendes geschehen sein: Über 50 Staaten haben sich in Santa Marta (Kolumbien) getroffen, um über einen Ausstieg aus den fossilen Energien zu beraten.

Weltrettung in Santa Marta?

Vom 24. bis 29. April 2026 trafen sich 57 Staaten, um auf einer globalen Konferenz über den Ausstieg aus den fossilen Energien zu beraten („Transition Away from Fossil Fuels“ / TAFF). Geleitet wurde diese erste globale Konferenz von Kolumbien und den Niederlanden.

Neben Vertreter:innen der Staaten nahmen auch Vertreter:innen aus der Zivilgesellschaft teil, darunter Delegierte aus den am stärksten von der Klimakrise betroffenen Regionen, indigene Vertreter:innen und Jugendvertreter:innen.

Neben Kolumbien und den Niederlanden waren Deutschland, Frankreich, Kanada und über 50 weitere Staaten bei der Konferenz dabei. Diese 57 Länder erwirtschaften zusammen rund ein Drittel der weltweiten Wirtschaftsleistung.

Russland, China und die USA waren nicht Teil der Konferenz. Das war eine bewusste Entscheidung der Gastgeber-Staaten, um die üblichen Blockaden dieser Länder zu umgehen.

eine weiß getünchte Basilika, umgeben von einem großen Platz
In Santa Marta in Kolmbien haben 57 Staaten über den fossilen Ausstieg diskutiert. / © Makalu, pixabay.com

Hintergrund

Die Idee zu einer solchen Konferenz kam auf der letzten Klimakonferenz in Brasilien zustande. Wieder einmal ist es der Staatengemeinschaft nicht gelungen, ambitioniert voranzugehen und sich mit allen Staaten auf einen ernsthaften Plan zum Ausstieg aus den fossilen Energien zu einigen.

Doch es gab und gibt durchaus Länder, die bereit sind, mehr zu tun und die den fossilen Ausstieg voranbringen wollen. Auf der Konferenz in Santa Marta haben sich diese Staaten nun erstmals getroffen, um konkret über das „Wie“ zu beraten. Wie lassen sich die vereinbarten Ziele des Pariser Klimaabkommens erreichen? Mit welchen Maßnahmen können die Treibhausgase effektiv reduziert werden? Wie kann die 1,5°-Grenze eingehalten werden bzw. der Temperaturanstieg verlangsamt werden?

zwei Reihen mit Flaggen vor einem Hochhaus
Die Konferenz in Santa Marta ist eine Ergänzung zu den UN-Klimakonferenzen. / © pixabay.com

Das wurde besprochen

Folgerichtig hat sich die Konferenz mit konkreten Ausstiegspfaden aus fossilen Energien beschäftigt. Da es entsprechende Ziele eigentlich schon gibt, hat die Konferenz den Hauptaspekt darauf gelegt, wie diese Ziele beschleunigt werden können.

Das, was auf globaler Ebene als Ziel definiert wird, muss auf nationaler Ebene konkret werden. Deswegen sollen die Staaten eigene Roadmaps entwickeln, um den Übergang zu planen und sozial gerecht gestalten zu können. Diese Roadmaps sollen eng mit den Nationalen Klimabeiträge (NCDs) verknüpft werden.

Wie bei den Klimakonferenz ging es auch in Santa Marta ums Geld. Vielen Ländern fällt es schwer, den Übergang von den fossilen Energien hin zu nachhaltigen Lösungen aktiv anzugehen, da sie überschuldet sind und/oder die Länder stark von den Einnahmen aus fossilen Geschäften abhängig sind.

Hier wurde eine Lösung erarbeitet. So soll es möglich sein, dass den betroffenen Ländern Schulden erlassen werden. Ein Instrument namens „Dept-for-Climate-Swaps“ soll zukünftig dafür sorgen, dass ein Land – anstatt seine Schulden abzubezahlen – den entsprechenden Betrag (teilweise) in Maßnahmen zum Klimaschutz oder zur Klimaanpassung investiert.

Die Teilnehmenden der Konferenz haben auch die Bedeutung fossiler Subventionen erkannt. Im Abschlussdokument sind sich die teilnehmenden Staaten einig, dass fossile Subventionen abgebaut werden müssen. Öffentliche Mittel sind stattdessen gezielt in den Ausbau der erneuerbaren Energien zu lenken.

Zudem wurde ein internationales Wissenschaftspaneel gegründet, das Regierungen beim fossilen Ausstieg beraten soll.

Blick auf einen Kohle-Tagebau, im Hintergrund Maschinen zur Kohleförderung und Kraftwerkstürme, im Vordergrund abgebaute Kohle
Die Konferenz widmete sich dem „Wie“ des fossilen Ausstiegs. / © Siegfried Poepperl, pixabay.com

So geht es weiter

Die nächste Konferenz findet in einem Jahr in Tuvalu statt. In Irland wird es eine Vorkonferenz geben.

Bis zu dieser Konferenz sollen die teilnehmenden Staaten nationale Roadmaps erarbeiten, in denen sie ihre Maßnahmen zum Ausstieg aus den fossilen Energien festlegen und Finanzfragen klären.

Energie als globale Herausforderung

Die Energiewende ist aber nicht nur eine Notwendigkeit im Hinblick auf den Klimawandel. Sie ist auch eng mit der Energiesicherheit und der Stabilität von Staaten verbunden. Viele Länder sind weiterhin stark von fossilen Importen abhängig – und damit anfällig für geopolitische Krisen (Kriege, Spannungen zwischen Ländern, Handelskonflikte etc.) und Preisschwankungen.

Und es gibt noch immer mehrere Millionen Menschen weltweit ohne verlässlichen Zugang zu bezahlbarer Energie.

Gerade hier ist der Ausbau der erneuerbaren Energien sehr wichtig. Erneuerbare Energien können die Grundlage für eine wirtschaftliche Entwicklung bilden. Eine staatlich geförderte und dezentrale Infrastruktur mit kleinen Stromnetzen, die auch Haushalte in abgelegenen Gebieten versorgen, ist wichtig. Und gerade in ländlichen Regionen kann das schnell und kostengünstig umgesetzt werden.

ein Klassenzimmer in Afrika, die Schüler:innen tragen weiße Hemden und blaue Röcke/Hosen
Der Zugang zu sauberer Energie ist eine globale Herausforderung. / © Florence Fissolo, pixabay.com

Fazit

Die Konferenz in Santa Marta markiert einen wichtigen historischen Moment. Auf den jährlichen Klimakonferenzen wurde intensiv und auch oft zäh verhandelt – nun haben sich in Kolumbien Staaten versammelt, die konkrete Lösungen für einen Ausstieg aus den fossilen Energien voranbringen wollen.

Es ist gut möglich, dass die Ergebnisse aus Santa Marta neuen Schwung in die Klimakonferenzen bringen.

Die nächste Konferenz zum Ausstieg aus den fossilen Energien findet in einem Jahr in Tuvalu statt.

Quellen

Plant for the Planet e.V. / Kathrin Henneberger: „Hoffnung auf Weltrettung in Santa Marta“ vom 4.5.2026, unter https://blog.plant-for-the-planet.org/de/2026/globale-konferenz-ausstieg-fossile-energien-santa-marta/ (Zugriff am 20.5.2026)

Plant for the Planet e.V.: „Santa Marta Konferenz: Der Weg für eine gerechte Transformation“ vom 20.4.2026, unter https://blog.plant-for-the-planet.org/de/2026/konferenz-ausstieg-fossile-energien-kolumbien-santa-marta-2026/ (Zugriff am 20.5.2026)

Utopia / Katharina Siegl: „57 Länder haben zum Ausstieg von Kohle, Öl und Gas beraten: die wichtigsten Ergebnisse“ vom 5.5.2026, unter https://utopia.de/news/57-laender-haben-zum-ausstieg-von-kohle-oel-und-gas-beraten-die-wichtigsten-ergebnisse-v2_928405/ (Zugriff am 20.5.2026)

Klimareporter / Tine Heni: „Santa Marta: Hoffnung für den Fossil-Ausstieg“ vom 2.5.2026, unter https://klimareporter.de/klimakonferenzen/santa-marta-hoffnung-fuer-den-fossil-ausstieg (Zugriff am 20.5.2026)

Tagesschau: „Der Anfang vom Ende der fossilen Energieträger“ vom 30.4.2026, unter https://www.tagesschau.de/wissen/klima/konferenz-santa-marta-100.html (Zugriff am 20.5.2026)

Stephanie Steppacher auf einem Trike

Stephanie

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