Meeresschildkröten schützen (Tipp der Woche)

Meeresschildkröten gibt es bereits seit mehr als 100 Millionen Jahren. Sie haben Eiszeiten, Klimaveränderungen und den Wandel ganzer Ökosysteme überstanden! Heute stehen jedoch alle sieben Arten von Meeresschildkröten unter Druck. Fischerei, Plastikverschmutzung, die Zerstörung von Küstenlebensräumen und der Klimawandel machen ihnen das Leben schwer. Doch die gute Nachricht: Meeresschildkrötenschutz beginnt nicht erst in einem Forschungslabor oder auf einer abgelegenen Insel. Auch im Urlaub und im Alltag kann jede:r etwas beitragen.

Plastik vermeiden und Müll aus dem Meer fernhalten

Eine Plastiktüte, die im Wasser treibt, kann für eine Meeresschildkröte wie eine Qualle aussehen. Frisst sie Plastik, kann ihr Verdauungstrakt blockiert werden und im schlimmsten Fall verhungert das Tier mit vollem Magen. Deshalb gilt: Je weniger Plastik in die Umwelt gelangt, desto besser. Wiederverwendbare Trinkflaschen, Stoffbeutel und Mehrwegbehälter sind einfache Alternativen zu Einwegprodukten. Auch beim Strandbesuch lässt sich etwas bewirken. Wer Müll findet, kann ihn einsammeln und richtig entsorgen. Besonders wichtig sind dabei Angelschnüre und Haken, die zu gefährlichen Fallen für Schildkröten und andere Meerestiere werden können.

Unechte Karettschildkröte © Michel Gunther / WWF 

Ist Fischerei eine der größten Gefahren?

Eine der größten Bedrohungen für Meeresschildkröten ist die Fischerei. Die Tiere geraten häufig als Beifang in Netze und können sich darin nicht mehr befreien. Viele ertrinken, weil sie zum Luftholen nicht mehr an die Oberfläche gelangen.

Hier können auch politische und technische Lösungen helfen. Gemeinsam mit Fischer:innen werden beispielsweise neue Fangmethoden entwickelt, die den Beifang reduzieren. In Peru werden etwa LED-Leuchten an Fischernetzen eingesetzt. Die beleuchteten Netze können von Meeresschildkröten und Delfinen besser erkannt und dadurch gemieden werden.

Auch als Verbraucher:in kann man Einfluss nehmen. Wer weniger Fisch isst oder beim Kauf auf nachhaltige Fischerei achtet, kann dazu beitragen, den Druck auf die Meere zu verringern.

Wie können Strände zu sicheren Kinderstuben gemacht werden?

Für Meeresschildkröten sind Strände nicht einfach nur Orte zum Sonnenbaden, sie sind Geburtsstätten. Weibchen kommen häufig genau an die Strände zurück, an denen sie selbst geschlüpft sind, um dort ihre Eier abzulegen.

Damit aus den Eiern später kleine Schildkröten werden können, brauchen die Tiere möglichst ungestörte Nistplätze. Schutzprogramme überwachen deshalb Niststrände, kontrollieren die Eiablage und begleiten geschlüpfte Jungtiere auf ihrem Weg ins Meer.

Auch Urlauber:innen können helfen:

  • Nachts möglichst keine hellen Lichter am Strand verwenden.
  • Liegen, Sonnenschirme und andere Gegenstände abends vom Strand entfernen.
  • Sandburgen und tiefe Löcher wieder einebnen.
  • Nester niemals berühren oder ausgraben.
  • Nistende Schildkröten und frisch geschlüpfte Jungtiere nicht stören.
  • Hunde während der Nistsaison anleinen.
  • Niststrände nicht mit Fahrzeugen befahren.

Besonders die Dunkelheit ist wichtig: Schlüpflinge orientieren sich am Licht des Meeres. Künstliche Beleuchtung kann sie vom Wasser weglocken und damit in eine lebensgefährliche Richtung.

Schildkröten immer mit Abstand Wbeobachten

Eine Meeresschildkröte beim Schnorcheln zu entdecken, ist ein ganz besonderes Erlebnis. Trotzdem sollte man sich immer daran erinnern: Wir sind Gäste in ihrem Lebensraum.

Deshalb sollte man die Tiere niemals anfassen, verfolgen oder füttern. Auch sogenannte „Schwimm-mit-Schildkröten“-Touren sind kritisch zu betrachten, wenn die Tiere dabei ständig von Menschen umringt oder sogar angefasst werden.

Wer eine Schildkröte im Wasser entdeckt, sollte ruhig bleiben, Abstand halten und ihr jederzeit einen freien Weg zur Wasseroberfläche lassen. So kann man das Tier beobachten, ohne sein natürliches Verhalten zu beeinflussen.

Auch beim Bootfahren ist Rücksicht gefragt. Meeresschildkröten können durch Boote schwer verletzt oder getötet werden. Wer eine Schildkröte im Wasser entdeckt, sollte deshalb langsam fahren und ausreichend Abstand halten.

Schutzgebiete machen einen Unterschied

Neben dem Verhalten einzelner Menschen sind geschützte Lebensräume entscheidend. In Meeres- und Strandschutzgebieten kann die Fischerei verboten oder eingeschränkt werden. Dadurch entstehen sichere Bereiche, in denen Schildkröten fressen, sich fortpflanzen und aufhalten können.

Dass solche Maßnahmen tatsächlich funktionieren können, zeigt ein Beispiel aus Griechenland: Am Strand von Sekania auf Zakynthos wurden 2024 mehr als 2.350 Nester der Unechten Karettschildkröte gezählt – so viele wie nie zuvor. Das Gebiet wurde bereits 1994 unter Schutz gestellt.

Nachhaltigen Tourismus unterstützen

Meeresschildkröten können sogar dabei helfen, nachhaltige Alternativen für Menschen vor Ort zu schaffen. Gut organisierter Ökotourismus kann Einkommen für lokale Gemeinden generieren und gleichzeitig einen Anreiz schaffen, die Tiere und ihre Lebensräume zu schützen.

Wer im Urlaub eine Schildkröte beobachten möchte, sollte deshalb möglichst Angebote wählen, die auf Tierwohl, Abstand und Naturschutz achten und lokale Schutzprojekte unterstützen.

Wissen weitergeben

Eine der einfachsten Möglichkeiten, Meeresschildkröten zu helfen, kostet nichts: Erzählt anderen von ihnen.

Viele Menschen wissen gar nicht, welche Folgen eine Plastiktüte, ein verlorener Angelhaken oder eine Taschenlampe am Niststrand haben kann. Aufklärung ist deshalb ein wichtiger Bestandteil des Artenschutzes. Der WWF arbeitet beispielsweise mit lokalen Gemeinden, Schulen, Tourist:innen und verschiedenen Wirtschaftsbereichen zusammen, um über die Bedeutung der Tiere und ihrer Lebensräume zu informieren.

Denn je mehr Menschen wissen, worauf sie achten können, desto größer wird die Wirkung.

Kleine Veränderungen, große Wirkung

Meeresschildkröten zu schützen bedeutet nicht, dass jede:r von uns Meeresbiolog:in werden muss. Plastik vermeiden, keinen Müll zurücklassen, beim Beobachten Abstand halten, Niststrände respektieren und nachhaltige Schutzprojekte unterstützen, all das sind kleine Schritte, die zusammen einen großen Unterschied machen können.

Und es gibt durchaus Grund zur Hoffnung: In Griechenland zeigen steigende Nestzahlen, dass Schutzmaßnahmen funktionieren können. Gleichzeitig sind die Erfolge noch nicht selbstverständlich. Tausende Meeresschildkröten sterben weiterhin als Beifang, während die Erwärmung der Meere und die Zerstörung von Küstenlebensräumen zusätzlichen Druck erzeugen.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

Artikel: 90

Lust, mit deinen Texten etwas zu bewegen? 🧡🌍

Dann werde Teil unserer Redaktion! Erfahre, was dich erwartet – ganz ohne Lebenslauf oder langes Anschreiben.