Wer schon einmal am Mittelmeer war, kennt vielleicht den besonderen Moment, wenn plötzlich eine Meeresschildkröte durch das Wasser schwimmt! Während meines dreimonatigen Praktikums in Griechenland hatte ich die Gelegenheit, viel Zeit am Meer zu verbringen und dabei wurde mir einmal mehr bewusst, wie faszinierend diese Tiere sind! Deshalb geht es heute um die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta), eine Meeresschildkröte, die nicht nur im Mittelmeer vorkommt, sondern eine wahre Weltreisende sind.
Ein Leben zwischen Strand und Ozean
Die Unechte Karettschildkröte ist die am weitesten verbreitete Meeresschildkröte der Welt. Sie lebt in tropischen und subtropischen Meeren des Atlantiks, Pazifiks und Indischen Ozeans und ist auch im Mittelmeer zu Hause. Besonders häufig hält sie sich in flachen Küstengewässern auf, begibt sich für ihre Wanderungen aber auch weit hinaus aufs offene Meer.
Mit einer Panzerlänge von etwa 90 bis 120 Zentimetern und einem Gewicht von durchschnittlich rund 135 Kilogramm sind ausgewachsene Tiere beeindruckend groß. Ihren englischen Namen Loggerhead Turtle verdankt sie ihrem auffällig großen und kräftigen Kopf, loggerhead bedeutet so viel wie „Holzkopf“.
Trotz ihrer Größe sind Unechte Karettschildkröten erstaunlich ausdauernde Schwimmer. Sie können mit bis zu 24 km/h durch das Wasser gleiten und legen auf ihren Wanderungen teilweise tausende Kilometer zurück.
Eine Schildkröte mit innerem Kompass
Eine der faszinierendsten Fähigkeiten der Unechten Karettschildkröte ist ihr Orientierungssinn. Meeresschildkröten besitzen eine Art „magnetische Landkarte“, mit deren Hilfe sie sich am Magnetfeld der Erde orientieren können.
Das ist auch nötig, denn die Tiere unternehmen unglaubliche Reisen! 1996 wurde eine Unechte Karettschildkröte namens Adelita mit einem Sender ausgestattet. Sie schwamm von Mexiko über Hawaii bis nach Japan und legte dabei mehr als 14.500 Kilometer zurück. Für diese Reise benötigte sie fast ein Jahr. Doch irgendwann führt ihre Reise wieder zurück zu einem ganz bestimmten Ort: ihrem Geburtsstrand.
Zurück nach Hause
Weibliche Unechte Karettschildkröten zeigen eine bemerkenswerte Ortstreue. Nach vielen Jahren im offenen Meer kehren sie zur Fortpflanzung häufig genau an den Ort zurück, an dem sie selbst geschlüpft sind.
Forschende des GEOMAR Helmholtz-Zentrums für Ozeanforschung Kiel konnten dieses Verhalten anhand genetischer Untersuchungen genauer untersuchen. Auf den Kapverdischen Inseln fanden sie heraus, dass Weibchen sogar sehr präzise zu der Insel zurückkehren, auf der sie selbst geboren wurden, obwohl sie zuvor mehr als 20 Jahre durch die Meere gewandert sein können.
Das wirft eine spannende Frage auf: Woher wissen die Schildkröten überhaupt, wo sie geboren wurden?
Neben ihrem Magnetsinn spielen offenbar genetische und regionale Anpassungen eine wichtige Rolle. Die Forschenden fanden beispielsweise Unterschiede in Genen, die mit der Abwehr von Krankheiten und Parasiten zusammenhängen. So könnte die Rückkehr an den ursprünglichen Geburtsort einen entscheidenden Vorteil für die Nachkommen bieten.
Interessanterweise sind die Männchen weniger stark an einen bestimmten Ort gebunden. Dadurch können sie sich über größere Gebiete hinweg mit Weibchen paaren und gleichzeitig dafür sorgen, dass zwischen verschiedenen Populationen genetischer Austausch stattfindet.

Ein Nest voller kleiner Schildkröten
Wenn ein Weibchen zur Eiablage an den Strand zurückkehrt, gräbt es mit seinen Flossen eine Höhle in den Sand. Dort legt es ungefähr 110 bis 200 Eier ab, jedes davon nur etwa vier Zentimeter groß.
Danach beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit. Nach ungefähr 45 bis 70 Tagen schlüpfen die kleinen Schildkröten. Das geschieht meist nachts, wenn weniger Fressfeinde unterwegs sind. Die Jungtiere orientieren sich am helleren Horizont über dem Meer und machen sich sofort auf den Weg ins Wasser.
Doch schon während ihrer ersten Reise lauern zahlreiche Gefahren. Vögel und Krabben können den winzigen Schildkröten gefährlich werden. Und auch später wird ihr Leben nicht einfacher.
Das Geschlecht liegt in der Temperatur
Besonders spannend ist die Fortpflanzung der Unechten Karettschildkröte, weil das Geschlecht der Jungtiere nicht allein genetisch bestimmt wird.
Entscheidend ist die Temperatur des Sandes während der Entwicklung der Eier:
- unter etwa 28 °C: überwiegend männliche Jungtiere
- 28–31 °C: gemischtes Verhältnis
- über etwa 31 °C: überwiegend weibliche Jungtiere
Und genau hier wird der Klimawandel zu einem ernsthaften Problem. Steigende Temperaturen können dazu führen, dass immer mehr Weibchen und immer weniger Männchen entstehen. Für eine ohnehin gefährdete Art kann dieses Ungleichgewicht langfristig gravierende Folgen haben.
Allesfresser mit kräftigem Kopf
Ihre Nahrung ist genauso vielfältig wie ihr Lebensraum. Unechte Karettschildkröten sind Allesfresser und ernähren sich unter anderem von Schwämmen, Korallen, Anemonen, Quallen, Seeigeln und anderen wirbellosen Tieren.
Dabei spielt die Art eine wichtige Rolle im Ökosystem. Durch ihre Nahrung beeinflusst sie beispielsweise die Zusammensetzung von Lebensgemeinschaften an Korallenriffen und in Seegrasgebieten.
Man könnte sie deshalb ein bisschen als „Gärtner des Meeres“ bezeichnen: Durch das Fressen bestimmter Organismen tragen sie dazu bei, das natürliche Gleichgewicht ihrer Lebensräume zu erhalten.
Der größte Feind sitzt nicht im Meer
Ausgewachsene Unechte Karettschildkröten haben kaum natürliche Feinde. Die größte Bedrohung geht deshalb vom Menschen aus.
Besonders problematisch ist die Fischerei. Schildkröten können sich in Fischernetzen verfangen und ertrinken, weil sie nicht mehr zum Atmen an die Wasseroberfläche gelangen können. Auch Angelhaken können verschluckt werden und schwere Verletzungen verursachen.
Hinzu kommen Plastikverschmutzung, Lebensraumverlust, die Zerstörung von Niststränden und die Auswirkungen des Klimawandels. Plastik im Meer kann von Schildkröten mit Nahrung verwechselt und gefressen werden.
Auch die direkte Nutzung der Tiere stellt eine Gefahr dar: In manchen Regionen werden Schildkröten wegen ihres Fleisches gejagt, ihre Eier gesammelt und ihre Panzer zu Schmuck verarbeitet.

Was können wir tun?
Meeresschildkröten zu schützen bedeutet vor allem, ihre Lebensräume zu schützen. Wer beim Schnorcheln oder Tauchen einer Schildkröte begegnet, sollte deshalb Abstand halten und sie nicht verfolgen oder anfassen. Auch wenn eine Begegnung mit einer Meeresschildkröte aufregend ist, sollte das Tier nicht durch neugierige Menschen gestresst werden.
Ebenso wichtig sind weniger Plastik im Meer, nachhaltigere Fischerei und der Schutz von Stränden, an denen Schildkröten ihre Eier ablegen.
Tipps zum Thema Plastik sparen in der WWF Jugend Community
In der Community findest du bereits viele hilfreiche und spannende Tipps, um Plastik im Alltag ganz einfach einzusparen und dadurch auch den Lebensraum der Schildkröte zu schützen! Schaue hier mal vorbei und klicke dich durch die Stories, die dich inhaltlich am meisten ansprechen!
Quellen
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