Friedhöfe als wichtiger Lebensraum für Tiere

Zwischen alten Grabsteinen, dichten Hecken und bunten Wildblumen verbirgt sich eine überraschend vielfältige Tierwelt! Denn Friedhöfe sind nicht nur Orte des Gedenkens, sondern auch wertvolle Rückzugsräume für Tiere und Pflanzen. Doch damit sie zu echten Naturoasen werden, braucht es vor allem eines: mehr Platz für die Natur.

Wer wohnt eigentlich auf dem Friedhof?

Wenn wir an Friedhöfe denken, kommen uns vermutlich zuerst Grabsteine, Blumen und stille Wege in den Sinn. Doch wer genauer hinsieht, entdeckt zwischen den Gräbern ein kleines Naturparadies! Gerade ältere Friedhöfe haben sich über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte zu wertvollen Lebensräumen entwickelt. Mit ihren alten Bäumen, verwitterten Mauern, dichten Hecken und ungestörten Ecken bieten sie vielen Tierarten einen Platz zum Leben, mitten in der Stadt!

Igel suchen Schutz unter Sträuchern und in Laubhaufen, während Rotkehlchen und Zaunkönige in dichten Hecken ihre Nester bauen. Auch Fledermäuse finden in alten Baumhöhlen oder Gebäuden geeignete Verstecke. Zwischen den Pflanzen tummeln sich Käfer, Spinnen und andere kleine Tiere. Für sie alle können Friedhöfe wichtige Rückzugsorte sein, besonders dort wo natürliche Lebensräume in der Umgebung immer seltener werden.

Alte Bäume und verwitterte Grabsteine

Besonders wertvoll sind die alten Bäume, die auf vielen Friedhöfen stehen. Sie bieten Vögeln Nistplätze und Nahrung, spenden Schatten und schaffen Lebensräume für zahlreiche Insekten. In den Ritzen ihrer Rinde verstecken sich kleine Tiere, die wiederum Spechten und anderen Vögeln als Nahrung dienen. Bäume mit Höhlen können außerdem Fledermäusen und höhlenbrütenden Vogelarten Unterschlupf bieten.

Doch nicht nur Bäume sind wichtig. Auch alte Grabsteine, Mauern und Efeubewuchs sind voller Leben. In Mauerritzen wachsen Moose, Flechten und Farne. Sonnige Steine werden von Eidechsen, Hummeln und Wildbienen genutzt. Efeu bietet Vögeln Schutz und dient im Spätsommer und Herbst mit seinen Blüten vielen Insekten als Nahrungsquelle. Später sind seine Beeren eine wichtige Futterquelle für Vögel.

Wie besonders solche Lebensräume sein können, zeigt der Efeu-Kugelglanzkäfer: Diese winzige, seltene Käferart wurde im süddeutschen Raum laut den bereitgestellten Quellen nur auf einem Friedhof im Münchner Süden gefunden. Das dichte Efeugestrüpp bietet ihr offenbar einen geeigneten Lebensraum. Ein unscheinbarer Bewuchs kann also für eine seltene Art entscheidend sein!

Warum sind wilde Ecken so wichtig?

Auch Wiesen und scheinbar unordentliche Bereiche spielen eine große Rolle. Wird Gras nicht ständig gemäht, können Wildblumen blühen und Samen bilden. Das lockt Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten an. Vögel finden dort Samen und kleine Beutetiere. Brennnesseln, Disteln und andere Wildpflanzen, die häufig als Unkraut gelten, sind ebenfalls wertvoll. Manche Schmetterlingsraupen sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen, und in hohlen Pflanzenstängeln können Insekten überwintern.

Laub- und Totholzhaufen bieten zusätzliche Verstecke. Igel können dort Schutz finden, während zahlreiche kleine Tiere zwischen abgestorbenen Ästen und Blättern leben. Auch ungenutzte Grabflächen müssen deshalb nicht sofort vollständig neu gestaltet werden. Wenn dort Wildpflanzen wachsen dürfen, können kleine, artenreiche Lebensräume entstehen.

Friedhöfe sind außerdem sogenannte Trittsteinbiotope. Das bedeutet, dass sie wie kleine Inseln miteinander verbundene Lebensräume in einer ansonsten dicht bebauten Umgebung schaffen. Tiere können dort Nahrung und Schutz finden und sich leichter durch die Stadt bewegen.

Feldhamster © Ulrich-Sekotill-GettyImages
Eule © Wirestock-GettyImages
Eidechse © Katie-Dobies-GettyImages
Eichhörnchen © Gerd-Harder-GettyImages
Fuchs © Dave-Dunn-GettyImages

Warum kann Ordnung zum Problem werden?

Damit Friedhöfe ihre Bedeutung für die Natur behalten, müssen sie nicht überall perfekt aufgeräumt sein. Werden Hecken stark zurückgeschnitten, alte Bäume gefällt, Laubhaufen entfernt oder Wildblumenflächen häufig gemäht, verlieren Tiere wichtige Nistplätze, Nahrung und Verstecke.

Problematisch sind auch Schottergräber, auf denen kaum Pflanzen wachsen. Wo Blüten, Samen und natürliche Bodenstrukturen fehlen, finden Insekten und Vögel weniger Nahrung. Gleichzeitig heizen sich steinreiche Flächen bei Sonnenschein auf und können die Erwärmung in Städten verstärken.

Natürlich sollen Friedhöfe gepflegt bleiben und Orte des würdevollen Gedenkens sein. Naturschutz und Grabpflege müssen sich aber nicht ausschließen. Eine naturnahe Gestaltung kann sogar pflegeleicht sein: Heimische, standortgerechte Pflanzen benötigen oft weniger Wasser, und Bodendecker können offene Flächen begrünen. Wichtig ist, dass bei der Pflege auch die Bedürfnisse der Tiere berücksichtigt werden, beispielsweise durch schonende Gehölzschnitte außerhalb sensibler Brutzeiten und den Erhalt alter Bäume, sofern die Sicherheit gewährleistet ist.

Rotkehlchen © Gerd-Harder-GettyImages
Östliche Phoebe © Randall-Runtsch
Nördliche Spottdrossel © Randall-Runtsch-GettyImages
Kohlmeise © Wirestock-GettyImages
Hummel © Artanian-GettyImages.

Wie können wir Friedhöfe zu Naturoasen machen?

Schon kleine Veränderungen können viel bewirken. Heimische Pflanzen mit ungefüllten Blüten liefern Nektar und Pollen für Insekten. Weniger häufig gemähte Wiesen geben Wildblumen Zeit zum Blühen. Laub und Reisig können an geeigneten Stellen liegen bleiben, damit Kleintiere Schutz finden. Auf Pestizide und unnötige chemische Reinigungsmittel sollte verzichtet werden.

Auch alte Bäume, Efeu und verwitterte Mauern verdienen besondere Aufmerksamkeit. Bevor solche Strukturen entfernt oder stark verändert werden, sollte geprüft werden, ob Tiere oder seltene Pflanzen auf sie angewiesen sind. Nisthilfen und flache Wasserstellen mit geeigneten Ausstiegsmöglichkeiten können das Angebot ergänzen.

So können Friedhöfe gleichzeitig Orte des Gedenkens, der Erholung und des Naturschutzes sein. Wer ein Grab pflegt oder sich um die Gestaltung eines Friedhofs kümmert, kann dazu beitragen, dass zwischen den Gräbern nicht nur Erinnerungen, sondern auch neues Leben seinen Platz findet.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

Ich bin 24 Jahre alt und studiere Marine Umweltwissenschaften an der Universität Oldenburg. Meine große Leidenschaft gilt den Meeren, besonders den vielfältigen Ökosystemen und ihrem Schutz! Ich möchte besser verstehen, wie marine Lebensräume funktionieren und was wir tun können, um sie auch für zukünftige Generationen zu bewahren.

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