Das geheime Leben unter dem Laub

Wenn im Herbst die Blätter von den Bäumen fallen, verwandeln sie Gärten, Parks und Wälder in tolle Landschaften. Doch unter dieser Laubschicht verbirgt sich viel mehr, als man auf den ersten Blick vermuten würde. Denn Herbstlaub ist nicht einfach nur abgestorbenes Pflanzenmaterial, es bietet zahlreichen Tieren Nahrung und Schutz und spielt eine wichtige Rolle für einen gesunden Boden. Wer das Laub liegen lässt, hilft deshalb einer ganzen Welt kleiner Lebewesen.

Wer lebt eigentlich unter dem Herbstlaub?

Zwischen feuchten Blättern, kleinen Ästen und morschem Holz tummeln sich zahlreiche Tiere. Asseln, Tausendfüßer, Käfer, Spinnen, Ohrwürmer und Schnecken finden hier Nahrung und Verstecke. Auch Springschwänze sind häufig anzutreffen. Die winzigen Tiere ernähren sich unter anderem von abgestorbenem Pflanzenmaterial und helfen dabei, das Laub zu zersetzen.

Für viele dieser Lebewesen ist die feuchte Umgebung besonders wichtig. Asseln beispielsweise besitzen Kiemen und sind auf ausreichend Feuchtigkeit angewiesen. In trockenem Laub und an ungeschützten Stellen finden sie daher schlechtere Lebensbedingungen.

Doch nicht nur kleine Wirbellose profitieren vom Laubhaufen. Auch Frösche, Kröten und Molche nutzen ihn als Rückzugsort. Im Sommer spendet das feuchte Laub Kühle, während es im Winter Schutz vor Frost bieten kann. Igel wiederum verwenden trockenes Laub als Nistmaterial und können geschützte Laub- und Reisighaufen als Winterquartier nutzen.

Vom bunten Blatt zu wertvollem Humus

Herbstlaub ist nicht nur Lebensraum, sondern auch ein wichtiger Bestandteil des natürlichen Nährstoffkreislaufs. Sobald die Blätter auf dem Boden liegen, beginnt ihre Zersetzung. Dabei arbeitet ein ganzes Team zusammen! Regenwürmer ziehen Blätter in ihre Gänge, während Pilze, Bakterien und winzige Bodentiere das Pflanzenmaterial nach und nach abbauen.

Milben und Springschwänze fressen an den Blättern und bereiten sie für weitere Zersetzungsschritte vor. Regenwürmer nehmen Pflanzenreste und Erde auf und tragen dazu bei, daraus nährstoffreichen Humus entstehen zu lassen. Dieser verbessert die Bodenstruktur und kann Wasser sowie Nährstoffe speichern.

Der Prozess braucht Zeit. Je nach Bedingungen kann es ein bis drei Jahre dauern, bis ein Blatt vollständig zersetzt und in den natürlichen Kreislauf zurückgeführt ist. Was im Herbst zunächst wie eine Ansammlung trockener Blätter aussieht, wird so nach und nach zu einer wichtigen Grundlage für neues Pflanzenwachstum.

Tausendfüßer © PattanapongTuamkhum / iStock / GettyImages
Waldmistkäfer © ournature-is-amazing / iStock / GettyImages
© Dmitry Melnikov / iStock / GettyImages
Schnecke © TT / iStock / GettyImages

Ein Laubhaufen ist auch ein Winterquartier

Wenn die Temperaturen sinken, wird eine geschützte Ecke im Garten für viele Tiere besonders wertvoll. Unter einer Laubschicht oder zwischen Zweigen entstehen Hohlräume, in denen sie sich vor Kälte und Störungen zurückziehen können. Igel nutzen Laub beispielsweise zum Bau ihrer Nester. Auch Amphibien und Reptilien finden zwischen feuchten Blättern und Reisig geschützte Verstecke.

Weitere Tiere überwintern in der Laubschicht oder im Boden darunter. Dazu gehören beispielsweise Spinnen, Käfer und andere kleine Gliederfüßer. Auch befruchtete Hummelköniginnen suchen geschützte Plätze, etwa im Boden oder in Kompost- und Laubhaufen, um den Winter zu überstehen. Im Frühjahr können sie dann einen neuen Staat gründen.

Ein Laubhaufen ist damit nicht einfach eine unordentliche Ecke, sondern ein kleines Ökosystem. Er bietet Schutz, Nahrung und Lebensraum und kann im nächsten Frühjahr wieder von zahlreichen Tieren bewohnt werden.

Warum das Laub auch Vögeln hilft

Die Bewohner des Laubhaufens sind wiederum Nahrung für andere Tiere. Amseln, Rotkehlchen, Zaunkönige und andere Vögel suchen zwischen den Blättern nach Insekten und weiteren kleinen Lebewesen. Gerade im Winter, wenn Nahrung knapper wird, kann diese zusätzliche Futterquelle wichtig sein.

So hängt im Garten vieles zusammen: Das Laub ernährt kleine Bodentiere, diese werden zur Nahrung für Vögel und andere Tiere, während die Zersetzung gleichzeitig den Boden verbessert. Selbst abgestorbene Blätter erfüllen also eine wichtige Funktion im Ökosystem.

Wie kannst du das Leben unter dem Laub schützen?

Du musst gar nicht viel tun, um diesen Lebensraum zu erhalten. Oft hilft es schon, im Herbst nicht jede Ecke des Gartens vollständig aufzuräumen.

  • Unter Hecken, Sträuchern und Bäumen kann es als natürliche Schutz- und Nährstoffschicht dienen.
  • Schichte Laub und einige Äste an einem ruhigen, geschützten Ort zu einem Haufen auf. So entstehen Verstecke für viele kleine Tiere und möglicherweise auch ein Winterquartier für Igel.
  • Wenn Laub bewegt werden muss, ist ein Rechen meist die schonendere Wahl. Laubsauger können Kleintiere verletzen oder töten.
  • Vor allem im Winter solltest du mögliche Verstecke nicht unnötig umschichten. Tiere könnten sich darin zurückgezogen haben.
  • Auf Beeten und unter Gehölzen kann es liegen bleiben und später zu Humus werden. Nur auf Wegen sollte nasses Laub entfernt werden, wenn es zur Rutschgefahr wird.

Wichtig ist dabei, Laub nicht einfach in die freie Natur oder auf fremde Grundstücke zu kippen. Besser ist es, die Blätter dort zu nutzen, wo sie anfallen, oder sie im eigenen Garten sinnvoll zu sammeln.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

Ich bin 24 Jahre alt und studiere Marine Umweltwissenschaften an der Universität Oldenburg. Meine große Leidenschaft gilt den Meeren, besonders den vielfältigen Ökosystemen und ihrem Schutz! Ich möchte besser verstehen, wie marine Lebensräume funktionieren und was wir tun können, um sie auch für zukünftige Generationen zu bewahren.

Artikel: 107

Lust, mit deinen Texten etwas zu bewegen? 🧡🌍

Dann werde Teil unserer Redaktion! Erfahre, was dich erwartet – ganz ohne Lebenslauf oder langes Anschreiben.