Wenn es draußen dunkel wird und die meisten Menschen es sich zu Hause gemütlich machen, beginnt für viele Tiere erst der aktive Teil des Tages. Fledermäuse gehen auf Insektenjagd, Igel durchstreifen Gärten und Glühwürmchen bringen mit ihrem Leuchten Licht in die Dunkelheit. Doch warum sind manche Tiere eigentlich nachts unterwegs? Und wie können wir ihnen helfen, auch in einer immer heller werdenden Welt geeignete Lebensräume zu finden?
Warum sind manche Tiere nachtaktiv?
Die Nacht bietet vielen Tieren besondere Vorteile. Sie können sich im Dunkeln vor Fressfeinden verstecken, ungestört nach Nahrung suchen oder der Hitze des Tages entgehen. Andere Tiere sind vor allem deshalb nachts aktiv, weil ihre Beutetiere dann unterwegs sind.
Damit sie sich auch bei wenig Licht orientieren können, haben nachtaktive Tiere erstaunliche Fähigkeiten entwickelt. Eulen besitzen beispielsweise große, lichtempfindliche Augen und ein ausgezeichnetes Gehör. So können sie Beutetiere selbst bei Dunkelheit genau lokalisieren. Füchse verlassen sich neben ihrem Sehvermögen besonders auf ihren feinen Geruchs- und Hörsinn.
Fledermäuse wiederum nutzen die Echoortung. Sie stoßen hohe Laute aus und nehmen die zurückgeworfenen Echos wahr. Dadurch können sie Hindernisse erkennen und ihre Beute im Flug aufspüren. Igel orientieren sich bei der Nahrungssuche vor allem mithilfe ihres ausgeprägten Geruchssinns.
Wer ist nachts unterwegs?
Auch in unseren Gärten und Parks lassen sich nach Sonnenuntergang spannende Tierbeobachtungen machen. Einige der bekanntesten nachtaktiven Tiere sind dabei echte Spezialisten.
Fledermäuse
Wenn es dämmert, verlassen viele Fledermäuse ihre Tagesverstecke und machen sich auf die Suche nach Insekten. Alte Bäume mit Höhlen, Gebäude und geeignete Fledermauskästen können ihnen als Quartiere dienen. Da sie zahlreiche Insekten fressen, sind sie ein wichtiger Bestandteil des Ökosystems. Licht und der Verlust geeigneter Quartiere können ihren Lebensraum jedoch beeinträchtigen.

Igel
Igel sind vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv. Auf der Suche nach Nahrung durchstreifen sie Gärten, Parks und Heckenlandschaften. Dabei fressen sie unter anderem Insekten und andere kleine wirbellose Tiere. Tagsüber verstecken sie sich häufig in geschützten Bereichen. Laub- und Reisighaufen können ihnen Unterschlupf bieten und als Nistmaterial dienen.
Glühwürmchen
Glühwürmchen sind eigentlich Käfer. Mit ihrem selbst erzeugten Licht können sie Partner anlocken. Bei manchen Arten leuchten besonders die Weibchen, während die Männchen fliegen. Das faszinierende Schauspiel lässt sich vor allem in warmen Sommernächten beobachten. Künstliche Beleuchtung kann die Partnersuche allerdings erschweren, weil die natürlichen Lichtsignale dadurch weniger gut wahrgenommen werden.

Nachtfalter
Nachtfalter sind eine vielfältige Gruppe von Schmetterlingen. Viele von ihnen werden erst in der Dämmerung oder nachts aktiv. Sie besuchen Blüten, um Nektar aufzunehmen, und können dabei Pflanzen bestäuben. Ihre Raupen ernähren sich häufig von bestimmten Pflanzen und dienen wiederum anderen Tieren als Nahrung. Heimische Wildpflanzen und blütenreiche Bereiche bieten ihnen deshalb wichtige Lebensgrundlagen.
Füchse
Füchse sind häufig in der Dämmerung und nachts aktiv. Mit ihrem guten Gehör und Geruchssinn können sie Beute aufspüren und sich in ihrer Umgebung orientieren. Sie leben in unterschiedlichen Landschaften, von Wäldern und Wiesen bis hin zu den Randbereichen von Städten. Dort finden sie Nahrung und Verstecke, halten sich aber möglichst von Menschen fern.

Wenn die Nacht zu hell wird
Für viele nachtaktive Tiere ist Dunkelheit überlebenswichtig. Doch Straßenlaternen, beleuchtete Gebäude, Lichterketten und dekorative Solarleuchten erhellen zunehmend auch die Nacht. Diese künstliche Beleuchtung wird als Lichtverschmutzung bezeichnet.
Besonders für Insekten kann Licht zur Gefahr werden. Nachtfalter werden beispielsweise von künstlichen Lichtquellen angezogen und können dadurch von ihrem natürlichen Verhalten abgelenkt werden. Sie verbringen möglicherweise viel Zeit im Bereich der Lichtquelle, statt Nahrung zu suchen oder sich fortzupflanzen. Dadurch können sie außerdem leichter zur Beute werden oder erschöpfen.
Auch Fledermäuse reagieren empfindlich auf Beleuchtung. Manche Arten meiden beleuchtete Bereiche und verlieren dadurch wichtige Flugrouten zwischen ihren Quartieren und Jagdgebieten. Andere Tiere, die eigentlich tagsüber aktiv sind, werden ebenfalls beeinflusst, wenn ihre Ruheplätze nachts erhellt werden.
Die Folgen reichen über einzelne Arten hinaus: Wenn weniger Insekten unterwegs sind oder ihre Bestände zurückgehen, fehlt auch anderen Tieren Nahrung. Gleichzeitig können sich künstliche Lichtquellen auf die Aktivitätszeiten und Fortpflanzung verschiedener Arten auswirken.
Wie können wir nachtaktive Tiere schützen?
Schon kleine Veränderungen im Alltag können helfen, die Nacht wieder dunkler und naturnäher zu gestalten.
- Schalte Außenbeleuchtung aus, wenn sie nicht gebraucht wird. Bewegungsmelder können dabei helfen, unnötige Beleuchtung zu vermeiden.
- Wenn Licht notwendig ist, sollte es möglichst warmweiß, schwach und nach unten gerichtet sein. So werden weniger umliegende Bereiche angestrahlt.
- Heimische Sträucher, Stauden und Wildblumen bieten Nahrung und Schutz. Besonders wertvoll sind Pflanzen, die auch am Abend oder nachts Blüten öffnen.
- Laub, Totholz und dichte Hecken schaffen Verstecke für zahlreiche Tiere. Ein naturnaher Garten muss nicht überall perfekt aufgeräumt sein.
- Chemische Pflanzenschutzmittel können Insekten schädigen und damit auch Tieren die Nahrungsgrundlage nehmen, die sich von ihnen ernähren.
- Alte Bäume mit Höhlen und geeignete Gebäudestrukturen können wichtige Quartiere für Fledermäuse und andere Tiere bieten. Solche Rückzugsorte sollten möglichst erhalten bleiben.
Wer seinen Garten naturnah gestaltet und unnötige Beleuchtung vermeidet, schafft also nicht nur einen schönen Ort für Menschen, sondern auch einen wertvollen Lebensraum für Tiere.
Quellen
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