Drei Good News gegen die Plastikflut (Plastikupdate September)

Plastik-Update September: Drei Good News gegen die Plastikflut

Plastik ist überall: in unseren Verpackungen, in Flüssen und Meeren, in Böden und inzwischen sogar als Mikroplastik in zahlreichen Ökosystemen. Die Menge an Plastikmüll wächst weltweit weiter, doch gleichzeitig gibt es immer wieder neue Ideen und Fortschritte, die Hoffnung machen! Im September schauen wir deshalb auf drei spannende Entwicklungen: Ein neues Enzym könnte bestimmte Kunststoffe biologisch abbauen, Forschende verwandeln Plastikabfälle mithilfe von Mikroben in proteinreiche Lebensmittel und neue EU-Regeln sollen Verpackungsmüll reduzieren.

Das gibt es diese Woche:

Kann ein Enzym Plastik „auffressen“?

Diese Nachricht klingt fast wie aus einem Videospiel! Forschende der Universität Konstanz haben ein bisher unbekanntes Enzym entdeckt, das bestimmte Polyester-Kunststoffe abbauen kann. Wegen seiner besonderen Form und Aktivität haben sie es „Pac-Man-Enzym“ genannt.

Das Enzym sitzt an der Außenseite bestimmter Bakterien. Dort kann es größere Moleküle außerhalb der Zelle in kleinere Bestandteile zerlegen. Diese können anschließend von den Bakterien aufgenommen und weiterverarbeitet werden.

Besonders interessant ist, dass das Enzym auch mit bestimmten biologisch abbaubaren Polyester-Kunststoffen funktioniert. In einem Langzeitexperiment untersuchten die Forschenden, wie sich ein solcher Kunststoff in Waldboden verändert. Nach mehr als einem Jahr waren in der Kunststofffolie mikrometergroße Löcher zu sehen, die auf die Aktivität der Bakterien hindeuten.

Was bedeutet das für unseren Plastikmüll?

Noch ist das „Pac-Man-Enzym“ keine fertige Lösung für die Plastikflut. Es funktioniert nicht einfach mit jedem Plastik und wurde bisher unter den untersuchten Bedingungen getestet. Trotzdem ist die Entdeckung für die Forschung spannend, denn sie zeigt, dass Mikroorganismen Kunststoff auf eine Weise abbauen können, die bisher weniger bekannt war.

Und das Enzym kann noch etwas anderes: Es kann auch bestimmte β-Lactam-Antibiotika wie Penicillin und Ampicillin spalten. Das könnte möglicherweise dazu beitragen, dass Bakterien gegenüber bestimmten Antibiotika widerstandsfähiger werden. Deshalb wollen die Forschenden diesen Zusammenhang weiter untersuchen.

Das „Pac-Man-Enzym“ zeigt also vor allem eines: In der Natur gibt es noch jede Menge mikroskopisch kleine Prozesse zu entdecken, die unser Verständnis davon verändern könnten, wie Plastik und Mikroorganismen miteinander interagieren.

Plastik auf dem Teller? Forschende machen Kekse aus Müll

Noch ungewöhnlicher ist eine zweite Nachricht aus der Forschung! Ein Team der Southern Illinois University Carbondale hat mithilfe speziell entwickelter Mikroben aus Plastik- und Pflanzenabfällen proteinreiche Lebensmittelbestandteile hergestellt. Daraus entstanden mithilfe eines 3D-Druckers kleine Kekse – die sogenannten „µBites“.

Die Idee entstand im Rahmen der NASA Deep Space Food Challenge. Für lange Raumfahrtmissionen ist die Versorgung mit ausreichend Nahrung eine große Herausforderung. Gleichzeitig entstehen auch in einem Raumschiff Abfälle, die nicht einfach entsorgt werden können.

Die Forschenden setzen deshalb auf Mikroorganismen: Plastik wie PET, das beispielsweise für Getränkeflaschen verwendet wird, wird zunächst in kleinere Moleküle zerlegt. Anschließend nutzen speziell programmierte Hefen diese Bestandteile, um daraus unter anderem Proteine, Fette und weitere Stoffe herzustellen. Zusammen mit Ballaststoffen, Stärke und Süßungsmitteln entstehen daraus die proteinreichen µBites.

Das Besondere daran: Das Plastik landet dabei nicht einfach wieder als kleineres Plastikstück im Essen. Stattdessen werden die Ausgangsstoffe des Kunststoffs mithilfe der Mikroben in neue Verbindungen umgewandelt.

Die Forschenden denken dabei nicht nur an den Weltraum. Langfristig könnte die Technologie auch in anderen Situationen interessant sein, in denen Ressourcen knapp sind, beispielsweise in abgelegenen Gebieten oder bei langen Expeditionen. Noch ist das Ganze allerdings ein Forschungsprojekt und kein Lebensmittel, das bald im Supermarktregal stehen wird.

Weniger Verpackungsmüll in der EU

Auch politisch hat sich beim Thema Plastik und Verpackungen etwas getan. Seit dem 12. August 2026 gilt die neue EU-Verordnung über Verpackungen und Verpackungsabfälle (PPWR). Sie soll dazu beitragen, Verpackungsmüll in der EU deutlich zu reduzieren und langfristig eine stärker kreislauforientierte Wirtschaft zu fördern.

Einige der neuen Regeln betreffen bereits jetzt bestimmte Verpackungen. So gelten seit August unter anderem strengere Vorgaben für PFAS in Lebensmittelverpackungen. PFAS sind eine große Gruppe künstlich hergestellter Chemikalien, von denen viele in der Umwelt nur sehr schwer abgebaut werden.

In den kommenden Jahren kommen weitere Änderungen hinzu. Zum Beispiel soll bei bestimmten Transport-, Verkaufs- und Online-Versandverpackungen der Leerraum auf höchstens 50 Prozent begrenzt werden. Damit sollen unnötig große Pakete und übermäßig viel Verpackungsmaterial reduziert werden.

Ab 2030 sollen außerdem bestimmte unnötige Einwegverpackungen verschwinden, darunter beispielsweise kleine Kunststoffverpackungen für einzelne Portionen in der Gastronomie oder sehr kleine Einweg-Shampooflaschen in Hotels. Gleichzeitig setzt die EU stärker auf Mehrweg, Recycling und den Einsatz von recycelten Materialien. Bis 2029 sollen die EU-Mitgliedstaaten zudem Pfandsysteme für Einweggetränkebehälter aus Kunststoff und Metall einrichten.

Reportagen-Tipp: Heute Show Spezial – Ist das Kunststoff oder kann das weg?

Auch die heute-show macht deutlich, wie groß die Herausforderung durch unseren enormen Plastikkonsum ist. Doch genau deshalb lohnt es sich, nicht nur auf die Probleme zu schauen, sondern auch auf die Lösungen, an denen bereits gearbeitet wird!

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

Ich bin 24 Jahre alt und studiere Marine Umweltwissenschaften an der Universität Oldenburg. Meine große Leidenschaft gilt den Meeren, besonders den vielfältigen Ökosystemen und ihrem Schutz! Ich möchte besser verstehen, wie marine Lebensräume funktionieren und was wir tun können, um sie auch für zukünftige Generationen zu bewahren.

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