Neue Steuer, weniger Fischerei-Plastik und Bakterien als Recyclinghelfer? (Plastikupdate Oktober)

Plastik begegnet uns überall: in Verpackungen, Alltagsgegenständen und leider auch in unseren Meeren. Doch was tut sich aktuell im Kampf gegen die Plastikverschmutzung? Im Oktober gibt es gleich mehrere spannende Entwicklungen! In Deutschland ist eine neue Plastiksteuer geplant, in Südostasien soll ein Recyclingprojekt die Meere entlasten und Forschende haben ein Bakterienenzym entdeckt, das bestimmte Kunststoffe im Labor abbauen kann. Außerdem gibt es Fortschritte im Kampf gegen Plastikmüll aus der Fischerei.

Das gibt es diesen Monat:

  • Neue Plastiksteuer in Deutschland geplant
  • Gemeinsam gegen Meeresplastik in Südostasien
  • Dolly Ropes: Weniger Plastik aus der Fischerei in der Nordsee
  • Ein kleiner Helfer gegen Plastik?

Neue Plastiksteuer in Deutschland geplant

Plastikverpackungen könnten für Unternehmen in Deutschland bald teurer werden. Die Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD planen eine neue Steuer auf Kunststoffverpackungen. Ab Juli 2027 sollen für jede Tonne Kunststoff in Verpackungen 550 Euro fällig werden. Betroffen wären unter anderem Kunststoffverpackungen, Folien und Verbundverpackungen mit einem Kunststoffanteil von mehr als fünf Prozent. Für Verpackungen aus recyceltem Kunststoff könnte die Steuer auf Antrag entfallen.

Mit der Steuer sollen Unternehmen dazu gebracht werden, weniger Kunststoff zu verwenden. Gleichzeitig rechnet die Bundesregierung mit zusätzlichen Einnahmen für den Haushalt. 2027 könnten es rund 805 Millionen Euro sein, ab 2028 sogar knapp 1,5 Milliarden Euro jährlich.

Die Deutsche Umwelthilfe unterstützt diesen Vorschlag, fordert allerdings, dass Mehrwegverpackungen von der Steuer ausgenommen bleiben. Außerdem sollte die Steuer ihrer Meinung nach auch auf andere Einwegverpackungen aus Papier, Pappe und Metall ausgeweitet werden, damit Kunststoff nicht einfach durch andere Materialien ersetzt wird. Wirtschaftsverbände kritisieren dagegen die geplante Einführung und warnen vor einem zu schnellen Verfahren.

Recycle for Good: Gemeinsam gegen Meeresplastik in Südostasien

In Thailand, Indonesien und auf den Philippinen soll ein neues Projekt dabei helfen, weniger Plastik in die Meere gelangen zu lassen. Das Projekt „Recycle for Good“ des Wuppertal Instituts und seiner Partner setzt dafür direkt bei der Abfallwirtschaft vor Ort an.

In vielen Regionen fehlt es an ausreichenden Möglichkeiten, Kunststoffverpackungen zu sammeln und zu recyceln. Besonders schwer zu verwertende Verpackungen landen deshalb häufig auf Deponien, in der Umwelt oder werden verbrannt. Das Projekt möchte die Recycling-Infrastruktur verbessern und neue oder modernisierte Anlagen unterstützen. Insgesamt sollen dadurch 10.000 Tonnen Plastikmüll davon abgehalten werden, in die Ozeane zu gelangen.

Auch die Bevölkerung wird einbezogen: In Indonesien gibt es bereits ein Netzwerk mit 389 Standorten, darunter Schulen, Cafés, Gemeinden und Unternehmen. Außerdem sollen 100.000 junge Menschen für nachhaltiges Recycling begeistert werden. Eine App setzt dabei auf Challenges und Belohnungen, um die richtige Mülltrennung und Sammlung von Verpackungen attraktiver zu machen.

Dolly Ropes: Weniger Plastik aus der Fischerei in der Nordsee

Blaue, grüne oder orangefarbene Kunststoffschnüre an Fischernetzen, sogenannte Dolly Ropes, sind ein großes Problem für die Nordsee. Sie werden als Scheuerschutz an Grundschleppnetzen befestigt und sollen verhindern, dass die Netze am Meeresboden beschädigt werden. Die Schnüre nutzen sich ab und lösen sich mit der Zeit auf. Ein Teil des Kunststoffs gelangt dadurch direkt ins Meer.

Laut einer Studie der OSPAR-Kommission werden jährlich schätzungsweise 35.000 bis 50.000 Tonnen Dolly Ropes in die Nordsee eingetragen. Besonders betroffen sind auch Seevögel. Auf Helgoland enthalten 97 Prozent der untersuchten Basstölpel-Nester Plastik, überwiegend Reste dieser Kunststoffschnüre. Die Tiere können sich darin verfangen, verletzen oder sogar sterben.

Doch es gibt Alternativen! Der Föhrer Krabbenfischer Henning Dulz hat gemeinsam mit einem Wissenschaftler des Thünen-Instituts eine sogenannte Steertboje entwickelt. Sie wird am Ende des Netzes befestigt und sorgt dafür, dass das Netz nicht über den Meeresboden schleift. Dadurch wird kein zusätzlicher Scheuerschutz aus Kunststoff benötigt. Auch ein veränderter Netzschnitt kann helfen, den Kontakt mit dem Meeresboden zu vermeiden.

Seit 2023 haben sich deutsche Krabbenfischer:innen freiwillig dazu verpflichtet, keine Dolly Ropes mehr zu verwenden. Im Juni 2026 vereinbarten außerdem die OSPAR-Staaten und die EU Maßnahmen, um den Einsatz der Schnüre schrittweise einzustellen. Ein vollständiges Verbot gibt es bisher allerdings noch nicht.

Ein kleiner Helfer gegen Plastik?

Könnten Bakterien in Zukunft dabei helfen, bestimmte Kunststoffe abzubauen? Forschende der Universität Konstanz haben in Waldbodenbakterien ein besonderes Enzym entdeckt: LCPH1. Es kann im Labor bestimmte Polyester in ihre Bausteine zerlegen und gleichzeitig auch Penicillin spalten.

Das Enzym besitzt ein ungewöhnlich offenes aktives Zentrum. Dadurch kann es sowohl lange Kunststoffketten als auch bestimmte Antibiotika binden und spalten. Die Forschenden vermuten, dass diese Doppelfunktion für Bakterien einen evolutionären Vorteil haben könnte.

Allerdings steckt die Forschung noch am Anfang. Bisher wurde eine verkürzte, lösliche Variante des Enzyms im Labor untersucht. Die vollständige Version ließ sich noch nicht herstellen. Auch ist noch nicht geklärt, welche Bedeutung die Entdeckung für die Entwicklung von Antibiotikaresistenzen in der Umwelt hat.

Das Enzym ist also noch keine fertige Lösung für unser Plastikproblem. Es könnte aber ein spannender Ansatz für die zukünftige Forschung zum biologischen Kunststoffabbau sein.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

Ich bin 24 Jahre alt und studiere Marine Umweltwissenschaften an der Universität Oldenburg. Meine große Leidenschaft gilt den Meeren, besonders den vielfältigen Ökosystemen und ihrem Schutz! Ich möchte besser verstehen, wie marine Lebensräume funktionieren und was wir tun können, um sie auch für zukünftige Generationen zu bewahren.

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