Warum trompeten Kraniche im Herbst und warum fliegen sie in V-Formation? Kraniche ziehen im Herbst in großen Schwärmen Richtung Süden und machen dabei mit ihren lauten Trompetenrufen auf sich aufmerksam. Die V-Formation hilft ihnen, beim langen Flug Energie zu sparen. Besonders in Nord- und Ostdeutschland kannst du im Herbst Tausende Kraniche beobachten! Was Kraniche noch können und warum sie so faszinierende Tiere sind, erfährst du jetzt!
Wie sehen Kraniche aus?
Kraniche (Grus grus) sind mit einer Körpergröße von etwa 96 bis 119 Zentimetern beeindruckend große Vögel. Ihre Flügel können eine Spannweite von bis zu 2,22 Metern erreichen.
Ihr Gefieder ist überwiegend hell blaugrau. Besonders auffällig sind der schwarze Hals und Kopf mit einem weißen Streifen sowie die rote, unbefiederte Haut auf dem Kopf. Diese rote Stelle kann bei Aufregung stärker anschwellen und spielt auch bei der Kommunikation eine Rolle.
Die langen, spitzen Federn am Hinterkörper bilden eine auffällige, buschige „Schleppe“. Während der Brutzeit kann das Gefieder außerdem rostbraun wirken. Der Grund dafür: Kraniche nehmen beim Waten in eisenhaltigem Wasser und Schlamm Farbstoffe auf ihr Gefieder auf.
Warum tanzen Kraniche?
Kraniche tanzen vor allem während der Balz, aber auch bei Aufregung oder zur Begrüßung. Dabei springen sie, breiten ihre Flügel aus, werfen den Kopf nach hinten und begleiten ihre Bewegungen mit ihren typischen Rufen.
Kraniche leben meist in festen Paarbindungen. Beide Eltern kümmern sich um den Nachwuchs. Das Weibchen legt normalerweise zwei Eier, die von beiden Eltern etwa 30 Tage lang bebrütet werden. Die Küken verlassen das Nest bereits ungefähr 24 Stunden nach dem Schlüpfen und können nach rund neun Wochen fliegen.
Warum rufen Kraniche so laut?
Der typische Kranichruf kann über zwei Kilometer weit zu hören sein. Das tiefe, trompetenartige „krru“ gehört zu den auffälligsten Merkmalen der Tiere.
Verantwortlich dafür ist unter anderem die ungewöhnlich lange Luftröhre der Kraniche. Sie kann bis zu etwa 130 Zentimeter lang werden und ist im Hals mehrfach geschlungen. Dadurch entsteht der charakteristische, weittragende Klang.
Wenn ein Schwarm unterwegs ist, bleiben die Tiere durch ihre Rufe miteinander in Kontakt. Schon von Weitem kannst du deshalb oft hören, dass Kraniche in der Nähe sind, bevor du sie überhaupt siehst.

Warum fliegen Kraniche in einer V-Formation?
Kraniche fliegen häufig in V-Formationen, weil sie dadurch beim langen Flug Energie sparen können. Der Flügelschlag eines Vogels erzeugt Luftströmungen, die den dahinter fliegenden Tieren zugutekommen.
Die Tiere wechseln deshalb auch ihre Positionen im Schwarm. Ganz vorne zu fliegen ist besonders anstrengend, die anderen können von der günstigen Luftströmung profitieren.
Auf ihren Zugwegen legen Kraniche teilweise Tausende Kilometer zurück. Einzelne Tiere können dabei Strecken von bis zu etwa 2.000 Kilometern ohne längere Pause bewältigen und auch mehrere tausend Meter hohe Gebirge überqueren.
Wohin ziehen Kraniche im Herbst?
Deutsche Kraniche ziehen im Herbst vor allem über die westliche Zugroute nach Frankreich und auf die Iberische Halbinsel. Manche Tiere überwintern auch in anderen Teilen Südeuropas und Nordafrikas.
Der Herbstzug erreicht meist zwischen September und November seinen Höhepunkt. Im Frühjahr kehren die Kraniche überwiegend im März zu ihren Brutgebieten zurück.
Dabei machen sie auch in Deutschland Halt. Tagsüber suchen sie auf Feldern und Wiesen nach Nahrung. Zum Schlafen fliegen sie zu ruhigen Gewässern und flachen Feuchtgebieten.
Warum stehen Kraniche nachts im Wasser?
Kraniche übernachten häufig in flachen Gewässern, weil sie dort besser vor Fressfeinden geschützt sind. Wenn ein Fuchs oder ein anderes Tier durch das Wasser läuft, können die Kraniche die Bewegungen hören und rechtzeitig reagieren.
Feuchtgebiete sind für Kraniche deshalb nicht nur Rastplätze, sondern wichtige Schutzräume während ihrer Reise.
Ein beeindruckendes Beispiel ist das Havelland: Dort wurden an einem einzigen Tag bis zu 80.000 Kraniche gezählt. Im brandenburgischen Linum wurden 2014 sogar rund 100.000 Kraniche beobachtet.
Wie viele Kraniche gibt es in Deutschland?
Der Kranich gilt in Deutschland derzeit nicht als gefährdet. In Deutschland brüten ungefähr 12.000 bis 12.500 Kranichpaare, und die Bestände haben sich in den vergangenen Jahrzehnten stark vergrößert.
Seit Mitte der 1990er-Jahre haben sich die Kranichbestände in Nord- und Ostdeutschland etwa verzehnfacht. Auch das Brutgebiet hat sich deutlich nach Westen und Süden ausgedehnt.
In Bayern war der Kranich dagegen lange Zeit als Brutvogel verschwunden. Durch die Wiederherstellung geeigneter Feuchtgebiete kehrt er inzwischen langsam zurück. Dort gilt er allerdings weiterhin als vom Aussterben bedroht.
Warum sind Feuchtgebiete für Kraniche so wichtig?
Kraniche brauchen nasse, möglichst ungestörte Lebensräume für ihre Brut. Sie bauen ihre Nester am Boden, häufig in Sümpfen, Mooren oder anderen Feuchtgebieten. Ein ausreichend hoher Wasserstand schützt die Eier und Küken dabei vor vielen Bodenfeinden.
Genau hier liegt eine der größten Herausforderungen für die Zukunft: Entwässerung, sinkende Grundwasserstände und trockener werdende Landschaften können geeignete Brutplätze zerstören.
Auch der Klimawandel macht sich bemerkbar. Trockenheit kann dazu führen, dass während der Brutzeit weniger Wasser in den Feuchtgebieten vorhanden ist und den Kranichen außerdem weniger Nahrung zur Verfügung steht.
Deshalb ist Moorschutz und die Wiedervernässung von Feuchtgebieten nicht nur gut für das Klima, sondern auch wichtig für Kraniche und viele andere Arten.
Warum gelten Kraniche als Glücksvögel?
Kraniche faszinieren Menschen schon seit Jahrhunderten. In verschiedenen Kulturen gelten sie als Symbole für Glück, Weisheit, Wachsamkeit und ein langes Leben.
In Japan stehen Kraniche beispielsweise für Glück und Langlebigkeit. Besonders bekannt sind die Origami-Kraniche. Nach der Geschichte von Sadako Sasaki wurden sie außerdem zu einem Symbol der Friedensbewegung und des Widerstands gegen Atomwaffen.
Auch in Europa taucht der Kranich in Mythen und Darstellungen auf. In der griechischen Mythologie wurde er unter anderem mit Apollo, Demeter und Hermes verbunden.
Was können wir für Kraniche tun?
Der beste Schutz für Kraniche ist der Erhalt ihrer Lebensräume. Moore, Sümpfe, Feuchtwiesen und andere wasserreiche Landschaften müssen geschützt und trockengelegte Gebiete möglichst wiedervernässt werden.
Auch Ruhe ist wichtig. Während der Brutzeit können Störungen dazu führen, dass Kraniche ihr Nest verlassen oder weniger erfolgreich brüten.
Und während des Vogelzugs gilt: Beobachten ja, stören nein. Wenn du einen großen Kranichschwarm entdeckst, halte ausreichend Abstand und genieße lieber das beeindruckende Naturschauspiel aus der Ferne.
Kraniche beobachten: Was solltest du wissen?
Die beste Chance auf große Kranichschwärme hast du in Deutschland vor allem während des Herbstzugs zwischen September und November. Besonders in Nord- und Ostdeutschland gibt es wichtige Rastplätze.
Am auffälligsten sind die Tiere oft am frühen Morgen oder am Abend, wenn sie zu ihren Schlafplätzen fliegen. Dann kannst du nicht nur ihre V-Formationen sehen, sondern meist auch schon von Weitem ihre typischen Rufe hören.
Wenn du Kraniche beobachtest, solltest du auf den Wegen bleiben, Abstand zu den Tieren halten und Rast- und Brutplätze nicht betreten.
Lust auf noch mehr Kranich-Fakten?
Wenn du noch tiefer in die faszinierende Welt der Kraniche eintauchen möchtest, schau dir auch unseren WWF-Jugend-Artikel „Der magische Zug der Kraniche“ von an! Dort erfährst du unter anderem, warum Kraniche nachts im Wasser stehen, wie ihre besondere Luftröhre funktioniert und welchen Einfluss der Klimawandel auf ihren Zug und ihre Brutgebiete hat.
Quellen
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