Ulme (Fantastische Fakten)

Seit Millionen von Jahren prägt die Ulme die Wälder Europas. Sie spendet Schatten, bietet zahlreichen Tierarten einen Lebensraum und liefert wertvolles Holz. Einst gehörte sie zu den häufigsten Laubbäumen Mitteleuropas und schmückte Parks, Alleen und Dorfplätze. Heute ist sie jedoch nur noch selten anzutreffen. Der Grund dafür ist das sogenannte Ulmensterben, eine Baumkrankheit, die den Bestand seit über 100 Jahren dramatisch reduziert. Trotz dieser Bedrohung bleibt die Ulme eine der ökologisch wertvollsten heimischen Baumarten und ein faszinierendes Beispiel dafür, wie eng das Schicksal einer Art mit dem Gleichgewicht eines gesamten Ökosystems verbunden ist.


Ein uralter Baum mit vielen Gesichtern

Die Ulme (Ulmus) gehört zur Familie der Ulmengewächse (Ulmaceae) und zählt zu den ältesten Baumgattungen der Erde. Bereits vor mehr als zehn Millionen Jahren wuchsen ihre Vorfahren auf der Nordhalbkugel. Heute kommen weltweit etwa 30 Ulmenarten vor, die in Europa, Asien und Nordamerika verbreitet sind.

In Deutschland sind drei Arten heimisch: die Bergulme (Ulmus glabra), die Feldulme (Ulmus minor) und die seltene Flatterulme (Ulmus laevis). Je nach Art erreichen Ulmen eine Höhe von bis zu 40 Metern und können über 400 Jahre alt werden. Besonders in ihrer Jugend wachsen sie sehr schnell und entwickeln später breite, ausladende Kronen.

Junge Ulmen besitzen eine glatte, graubraune Rinde. Mit zunehmendem Alter wird diese dunkelgrau, dick und von tiefen Längsrissen durchzogen. Dadurch erhalten alte Ulmen ihr markantes und urtümliches Aussehen.

So erkennt man eine Ulme

Ulmen lassen sich besonders gut an ihren Blättern erkennen. Diese wachsen wechselständig an den Zweigen und besitzen einen deutlich gezähnten Blattrand. Auffällig ist vor allem ihre asymmetrische Blattbasis: Eine Seite des Blattansatzes sitzt etwas tiefer als die andere, ein typisches Erkennungsmerkmal der Ulme.

Die Blattoberseite fühlt sich rau an, während die Unterseite heller gefärbt ist. Im Herbst verfärben sich die Blätter goldgelb, bevor sie abfallen.

Noch bevor die ersten Blätter erscheinen, beginnt die Ulme bereits im März oder April zu blühen. Die kleinen rötlich-violetten Blüten stehen in dichten Büscheln zusammen und enthalten sowohl männliche als auch weibliche Blütenorgane. Damit ist die Ulme ein sogenannter zwittriger Baum.

Nach der Blüte entstehen flache, rundliche Flügelfrüchte, sogenannte Samaren. Der dünne Flügel ermöglicht es dem Wind, die Samen über weite Strecken zu tragen. Allerdings sind sie nur wenige Tage bis Wochen keimfähig, weshalb sich die Ulme nur in einem kurzen Zeitraum erfolgreich vermehren kann.

Lebensraum und Verbreitung

Ulmen bevorzugen feuchte, nährstoffreiche und kalkhaltige Böden. Besonders häufig wachsen sie entlang von Flüssen, in Auenwäldern, Bergschluchten und Mischwäldern. Die Bergulme kommt vor allem in höheren Lagen vor, während Feld- und Flatterulme überwiegend in tieferen Regionen und Flusslandschaften wachsen.

Obwohl Ulmen eine gute Wasserversorgung benötigen, vertragen sie keine dauerhafte Staunässe. An sonnigen bis halbschattigen Standorten entwickeln sie sich am besten.

Früher waren Ulmen in ganz Mitteleuropa weit verbreitet. Heute sind ihre Bestände durch das Ulmensterben stark zurückgegangen, sodass alte Ulmen nur noch selten zu finden sind.

Ein wichtiger Lebensraum für Tiere

Die Ulme ist weit mehr als nur ein Baum. Sie bildet einen wichtigen Bestandteil vieler Ökosysteme und bietet zahlreichen Tierarten Nahrung und Schutz.

Bereits im zeitigen Frühjahr gehören ihre Blüten zu den ersten Nahrungsquellen für Wildbienen, Honigbienen, Schwebfliegen und andere bestäubende Insekten. Gerade zu einer Zeit, in der nur wenige Pflanzen blühen, sind Ulmen daher besonders wertvoll.

Die dichte Krone bietet Vögeln geschützte Nistplätze. In den Rissen der Borke leben Käfer, Spinnen und zahlreiche andere Kleintiere. Auch Moose, Flechten und Pilze besiedeln ältere Ulmen und tragen zur biologischen Vielfalt bei.

Mit ihren tiefen Wurzeln stabilisieren Ulmen außerdem den Boden entlang von Flussufern und tragen dazu bei, Erosion zu verhindern.

Die Ulme in Mythologie und Kultur

Schon in der Antike spielte die Ulme eine bedeutende Rolle. Im alten Griechenland war sie dem Gott Hermes, dem Schutzpatron der Reisenden und Händler, geweiht. Gleichzeitig galt sie als Symbol für Stärke, Beständigkeit und Schutz.

In vielen Regionen Europas wurde die Ulme entlang von Wegen und Dorfplätzen gepflanzt. Man glaubte, sie könne böse Geister fernhalten und Reisenden Glück bringen. Gleichzeitig stand sie auch für Trauer und Vergänglichkeit und wurde deshalb häufig auf Friedhöfen gepflanzt.

Das Ulmensterben – eine der größten Bedrohungen unserer Wälder

Obwohl die Ulme seit Millionen von Jahren existiert, wird ihr Überleben heute durch eine einzige Krankheit bedroht: das Ulmensterben.

Verursacht wird die Krankheit durch Pilze der Gattung Ophiostoma, die Anfang des 20. Jahrhunderts vermutlich aus Asien nach Europa eingeschleppt wurden. Übertragen werden die Pilzsporen vom Ulmensplintkäfer, einem kleinen Borkenkäfer.

Beim Reifungsfraß an gesunden Ulmen gelangen die Pilzsporen in das Holz. Dort wachsen sie in den wasserleitenden Gefäßen des Baumes. Als Reaktion versucht die Ulme, die befallenen Leitungsbahnen zu verschließen, um den Pilz einzudämmen. Dadurch wird jedoch gleichzeitig der Wassertransport blockiert.

Die Folgen sind dramatisch: Zunächst welken einzelne Äste, anschließend sterben größere Teile der Krone ab. Die Blätter verfärben sich gelb oder braun, rollen sich ein und vertrocknen häufig direkt am Ast. Schließlich vertrocknet der gesamte Baum, weil kein Wasser mehr bis in die Krone gelangen kann.

Junge Ulmen können bereits nach wenigen Monaten sterben, ältere Bäume halten oft noch mehrere Jahre durch.

Warum ist das Ulmensterben so schwer zu bekämpfen?

Die Bekämpfung des Ulmensterbens gestaltet sich äußerst schwierig. Da der Pilz tief im Holz wächst, gibt es bislang keine wirksame Behandlung für bereits stark befallene Bäume.

Um eine weitere Ausbreitung zu verhindern, müssen kranke Ulmen möglichst früh gefällt und entfernt werden. Zusätzlich versucht man, die Population des Ulmensplintkäfers zu verringern. Dabei helfen auch natürliche Feinde wie Erzwespen und Raubwanzen, die den Käfer und seine Larven angreifen.

Besonders anfällig für die Krankheit sind Berg- und Feldulme. Die Flatterulme zeigt dagegen eine deutlich höhere Widerstandsfähigkeit, da sie vom Ulmensplintkäfer seltener befallen wird. Außerdem arbeiten Forschende seit Jahren an widerstandsfähigen Ulmenzüchtungen, die zukünftig den Fortbestand der Art sichern könnten.

Gibt es Hoffnung für die Ulme?

Trotz des dramatischen Rückgangs ist die Ulme noch nicht ausgestorben. Viele Bäume bilden nach dem Absterben neue Triebe aus ihren Wurzeln oder treiben nach dem Fällen erneut aus. Häufig werden diese jungen Bäume jedoch später ebenfalls vom Ulmensplintkäfer befallen.

Forstwissenschaftler sammeln deshalb Samen besonders widerstandsfähiger Exemplare und legen Erhaltungsplantagen an, um die genetische Vielfalt der Ulmen zu bewahren. Gleichzeitig werden resistente Züchtungen entwickelt, die künftig wieder häufiger in Parks, Städten und Wäldern gepflanzt werden könnten.

Ob sich die Ulme langfristig erholen wird, bleibt ungewiss. Sicher ist jedoch, dass ihr Schutz ein wichtiger Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt ist.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

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