Hast du dieses Jahr bereits einen Maikäfer gesehen? Mit seinem brummenden Flug, den fächerförmigen Fühlern und seiner Größe gehört er zu den bekanntesten Insekten Deutschlands. Früher trat er in riesigen Schwärmen auf und galt als gefürchteter Schädling in Landwirtschaft und Forstwirtschaft. Heute freuen sich viele Menschen, wenn sie einen der selten gewordenen Käfer entdecken. Was es alles Spannendes über den Maikäfer zu wissen gibt, erfährst du jetzt!
Besondere Fühler
Der Maikäfer gehört zur Familie der Blatthornkäfer, einer der größten Käferfamilien der Welt mit rund 20.000 Arten. Seinen Namen verdankt diese Familie den auffälligen Fühlern, deren Enden wie kleine Fächer oder Blätter aussehen.
Besonders beeindruckend sind die Fühler der Männchen. Auf ihnen sitzen bis zu 50.000 Geruchssensoren, mehr als sechsmal so viele wie bei den Weibchen. Mit diesem hochempfindlichen „Geruchsradar“ können die Männchen paarungsbereite Weibchen selbst über größere Entfernungen aufspüren. Wissenschaftler:innen fanden heraus, dass sie sich zunächst an Duftstoffen orientieren, die durch den Blattfraß der Weibchen entstehen. Erst aus der Nähe hilft ihnen ein spezieller Sexuallockstoff dabei, das Weibchen exakt zu finden.
Vier Jahre unter der Erde!
Obwohl Maikäfer jedes Frühjahr nur für kurze Zeit zu sehen sind, verbringen sie den größten Teil ihres Lebens verborgen im Boden. Nach der Eiablage schlüpfen aus den Eiern die sogenannten Engerlinge, weißliche Larven mit braunem Kopf, die bis zu fünf Zentimeter lang werden können.
Diese Larven leben drei bis fünf Jahre unter der Erde und ernähren sich von Pflanzenwurzeln. Erst im letzten Entwicklungsjahr verpuppen sie sich und verwandeln sich in fertige Käfer. Die Jungkäfer schlüpfen bereits im Herbst, bleiben jedoch den Winter über bis zu einen Meter tief im Boden verborgen. Erst im nächsten Frühjahr graben sie sich an die Oberfläche.
Das eigentliche Leben als erwachsener Käfer dauert dagegen nur vier bis sieben Wochen. In dieser kurzen Zeit müssen die Tiere fressen, einen Partner finden, sich fortpflanzen und Eier ablegen. Danach endet ihr Lebenszyklus!
Warum gibt es Maikäferjahre?
Vielleicht haben Sie schon einmal von einem „Maikäferjahr“ gehört. Damit sind Jahre gemeint, in denen besonders viele Maikäfer gleichzeitig auftreten. Der Grund liegt in ihrem langen Entwicklungszyklus. Da viele Larven einer Region zur gleichen Zeit schlüpfen und sich entwickeln, erscheinen nach drei bis fünf Jahren ganze Generationen gleichzeitig an der Oberfläche.
Besonders faszinierend: Alle 30 bis 45 Jahre kann es sogar zu regelrechten Massenvermehrungen kommen. Warum diese außergewöhnlich großen Populationen entstehen, ist bis heute nicht vollständig geklärt. In manchen Regionen wurden bei solchen Ereignissen mehrere Milliarden Käfer gezählt.

Nicht besonders schnell, aber raffiniert
Trotz ihres kräftigen Körpers können Maikäfer fliegen. Bevor sie starten, pumpen sie Luft in ihren Körper und „blasen sich auf“. Erst dann heben sie ab und beginnen ihren charakteristischen Brummflug.
Allerdings gehören sie nicht gerade zu den Schnellsten unter den Insekten. Mit etwa acht Kilometern pro Stunde erreichen sie nur einen Bruchteil der Geschwindigkeit anderer Fluginsekten. Auch ihre Flügel schlagen vergleichsweise langsam, lediglich 45 bis 50 Mal pro Sekunde. Dennoch schaffen sie es mühelos, von Baum zu Baum zu gelangen und große Entfernungen zurückzulegen.
Gefürchtet und fast ausgerottet
Früher waren Maikäfer in vielen Regionen Europas so häufig, dass sie ganze Wälder und Felder kahl fraßen. Die erwachsenen Käfer ernähren sich von Blättern verschiedener Laubbäume wie Eichen, Buchen, Ahorn oder Obstbäumen. Die Engerlinge wiederum fressen Pflanzenwurzeln und können dadurch erhebliche Schäden verursachen.
Deshalb wurden die Tiere jahrhundertelang bekämpft. Bereits im Jahr 1320 erließ ein Gericht in Frankreich sogar einen offiziellen Beschluss gegen die Käfer und forderte sie auf, ein bestimmtes Gebiet zu verlassen. Später wurden Millionen von Maikäfern von Hand eingesammelt. Allein im Kanton Zürich wurden 1909 rund 350 Millionen Käfer gesammelt, in Wien sogar etwa eine Milliarde Tiere.
In den 1950er- und 1960er-Jahren setzte man schließlich großflächig Insektizide wie DDT ein. Dadurch gingen die Bestände drastisch zurück, und der Maikäfer verschwand vielerorts nahezu vollständig. Erst in den vergangenen Jahrzehnten konnten sich die Populationen langsam wieder erholen.
Der Maikäfer auf dem Speiseplan
Kaum vorstellbar, aber wahr: Früher wurden Maikäfer sogar gegessen! Sie galten als eiweißreiche Nahrung und wurden roh, kandiert oder gekocht verzehrt. Historische Rezepte berichten beispielsweise von Maikäfer-Bouillon, bei der die Käfer geröstet und anschließend in Brühe gekocht wurden.
Auch heute stehen Maikäfer auf vielen Speiseplänen, allerdings nicht auf menschlichen. Zahlreiche Tiere wie Fledermäuse, Krähen, Möwen, Igel, Maulwürfe, Spitzmäuse und Wildschweine ernähren sich von den Käfern oder ihren Larven. Damit spielen Maikäfer eine wichtige Rolle im Nahrungsnetz vieler Ökosysteme.






