Reisen macht Spaß und bringt neue Erfahrungen. Es kann aber auch klima- und umweltschädlich sein. Wenn man dabei aber auf ein paar Basics achtet, lassen sich viele Emissionen und Umweltauswirkungen vermeiden und der Urlaub nachhaltig gestalten.
In dieser Story erfährst du, welche Erfahrungen ich bei meiner letzten Reise gemacht habe, welche tollen Projekte mir aufgefallen sind und welche Rolle Jugendherbergen dabei spielen können – und zwar in der Hansestadt Bremen.
Die Basics für nachhaltiges Reisen
Wenn du eine Reise planst und dabei auf Nachhaltigkeit und Klimaschutz achten möchtest, sind diese Bereiche am wichtigsten:
- Anfahrt: Am besten ist natürlich das Fahrrad 😉 Deutlich schneller kommst du mit dem Zug oder Fernbus ans Ziel. Beides ist emissionsärmer als das Auto. Schau am besten parallel nach Zugverbindungen, wenn du dich für ein Urlaubsziel entscheidest. Du wirst staunen, wo du mit Zug und Bus überall hinkommst! Und wenn du frühzeitig Tickets buchst, ist die Fahrt auch gar nicht teuer.
- Unterkunft: Couchsurfing, Campingurlaub oder Biohof schneiden in Punkto Nachhaltigkeit besser ab als Luxusressorts. Besonders Pools, Golfplätze und auch Mini Bars auf dem Zimmer treiben die Emissionen deiner Unterkunft nach oben.
- Ernährung: Hier gilt das gleiche wie auch zu Hause. Eine fleischbetonte Ernährung verursacht mehr Umwelt- und Klimaschäden wie eine vegetarische oder vegane. Viele Unterkünfte bieten vegane/vegetarische Alternativen an. Falls es nicht auf der Webseite steht: Frag nach, meistens ist es trotzdem möglich! Nutze außerdem die Möglichkeit, regionale Spezialitäten zu probieren.
- Mobilität vor Ort: Nun wirst du natürlich auch an deinem Urlaubsort mobil sein und an verschiedene Orte kommen wollen. Auch hier gilt das gleiche wie zu Hause und bei der Anfahrt: Am wenigsten Emissionen verursachst du, wenn du die Gegend zu Fuß oder mit dem (Leih-)Fahrrad erkundest, auch der ÖPNV ist eine gute Wahl und wenn du in Deutschland unterwegs bist und ein Deutschlandticket hast, sogar ohne zusätzliche Kosten für dich nutzbar.
- Konsum: Mitbringsel und Erinnerungsstücke sind schnell gekauft. Vielleicht kannst du hier das nützliche und notwendige mit einem Erinnerungsstück verbinden? Also z.B. ein Sonnenhut oder T-Shirt, wenn du das ohnehin brauchst. Oder eine regionale Spezialität für deine Eltern (statt die hunderste Tasse, die dazu neigt, im Schrank zu verschwinden). Abstand nehmen solltest du auf jeden Fall von Produkten aus geschützten Tierarten.
Nun aber zu Bremen: Wie gut hat ein nachhaltiger Urlaub dort geklappt? Was habe ich entdeckt? Und was hat das alles mit Jugendherbergen zu tun?

Emissionsarme Anfahrt
Die Deutsche Bahn macht es möglich: Von Freiburg aus gibt es einen ICE ohne Umstieg bis nach Bremen. Ca. 7 Stunden Fahrt und – man glaubt es kaum – fast pünktlich und wir kommen am Hauptbahnhof Bremen an.
Als Vesper gab es belegte Brötchen, Gemüsesticks und Obst von zu Hause – plastikfrei und vegan. Den Durst konnte eine große Wasserflasche stillen.
Die Jugendherberge ist nicht weit vom Bahnhof, wir können zu Fuß gehen und bekommen einen ersten Eindruck von der Stadt.
Auch den Rest der Woche sind wir in der Stadt immer zu Fuß gegangen. Das geht in Bremen total gut! Nur bei der Barrierefreiheit könnte man an einigen Stellen nachbessern.

Ernährung: Die Rolle der Jugendherbergen
Bei meiner Reise haben wir in der Jugendherberge Bremen übernachtet (die ich übrigens sehr empfehlen kann). Sie liegt direkt an der Weser, nur wenige Gehminuten von der Innenstadt entfernt.
Special Tipp: Im 2. OG gibt es ein (nicht barrierefreies) Doppelzimmer mit einem richtig tollen Panoramablick auf die Weser und eine sehr schöne Panoramaterrasse für alle Gäste.
Im Unterschied zu unserem letzten Aufenthalt in einer Jugendherberge hatten wir dieses mal Vollpension. Das heißt Frühstück, Lunchpaket und warmes Abendessen.
Das Frühstücksbuffet war vielfältig und lecker. Besonders gefreut hat mich, dass es gleich mehrere Pflanzendrinks zur Auswahl gab. Müsli lieber mit Hafer oder Soja? Mit oder ohne Calcium?
Beim Frühstück konnten wir uns dann auch die Lunchpakete richten. Belegte Brote/Brötchen, Gurkenscheiben und ein Stück Obst. Von der Jugendherberge wurden dazu auf Nachfrage Papiertüten bereitgestellt, aber wir hatten alle unsere Lunchboxen dabei, die wir jeden Tag befüllt haben. Auch mehrere andere Gäste haben ihre eigenen Boxen für die Lunchpakete genutzt. Zudem konnten wir unsere Getränkeflaschen am Wasserspender auffüllen. Richtig gut gemacht von der Jugendherberge, Zero Waste pur.
Zum Vergleich die Lunchpakete in der Jugendherberge Berlin-Wannsee: Sie wurden vom Küchenpersonal fertig gepackt und in Papiertüten abgegeben. Bei den Schüler:innen waren die Lunchpakete nicht sehr beliebt, so dass immer viele übrig blieben. Und es fiel deutlich mehr Müll an als in Bremen: Verpackung vom Müsliriegel, Tetrapack/Trinkpäckchen plus Papiertüte als Verpackung.
Zudem war es in Berlin nicht erlaubt, eigene Wasserflaschen am Wasserspender im Speisesaal aufzufüllen. Man konnte es am Wasserhahn im Bad tun, große Flaschen haben allerdings nicht darunter gepasst.
Das zeigt: Jugendherbergen können durch ihre Abläufe und Strukturen einen erheblichen Beitrag leisten, wie viel Müll anfällt – oder eben nicht.
Das einzige Minus in Bremen: Ich hatte die ganze Woche Rote-Bete-Aufstrich auf meinem Lunch (er war allerdings sehr lecker). Manchmal gab es zwar noch Erbsenaufstrich, der war aber meistens bereits leer, wenn wir zum Frühstück kamen. Hier könnte man mit einem zweiten veganen Aufstrich vielleicht noch ein bisschen für Abwechslung sorgen.

Das Abendessen in der Jugendherberge war sehr lecker und abwechslungsreich. Es gab jeden Tag eine vegane Alternative. Und dabei kamen durchaus auch Dinge wie Süßkartoffeln oder Kichererbsen auf den Tisch, Zutaten, die man bei Jugendherbergen vielleicht nicht so oft findet.
Der Nachtisch wurde übrigens in kleinen Schraubgläsern angeboten (ohne Deckel). Ich finde, das ist eine sehr gute Idee, um den leeren Gläsern ein langes Leben zu geben!
Und noch etwas war Besonders: Die Jugendherberge Bremen setzt auf regionale Zutaten und achtet darauf, wenig Fleisch anzubieten. Das ist eine besondere Initiative einiger Jugendherbergen in Norddeutschland.
Schwieriger war es dagegen, nachmittags veganes Eis oder veganen Kuchen in Bremen zu finden.

Tolle Initiativen und Ausflugsziele
Was mir gleich am ersten Tag aufgefallen ist: Es gibt viele und oft breite Radwege. Allerdings waren vergleichsweise wenig Radfahrer:innen unterwegs. Kann sein, dass das an der Urlaubszeit lag oder daran, dass ich es mit Freiburger Maßstäben gemessen habe.
Ein Highlight war der Besuch im Klimahaus in Bremerhaven, über den du in dieser Story lesen kannst. Von Bremen aus gibt es eine direkte Verbindung mit dem Regionalzug nach Bremerhaven (ca. 35 Min).
Auch ein Abstecher ins Künstlerdorf Worpswede ist von Bremen aus gut machbar (mit dem Bus ca. 45 Min). In Worpswede gibt es die „Moorrübe“, ein tolles Projekt: Es ist Biosupermarkt, aber auch Mittagstisch, Cafe und Begegnungsstätte sowie Ankerplatz für verschiedene nachhaltige Projekte und Initiativen rund um Worpswede.
Es gibt dort eine gute Auswahl an veganen süßen Teilchen, man kann kostenlos seine Trinkflasche auffüllen und sich über Projekte zur Verkehrswende, Energiewende etc. vor Ort informieren.

Zero Waste
Dank dem komplett müllfreien Lunch aus der Jugendherberge war es total einfach, den Urlaub Zero Waste zu gestalten. Das Vesper für die Hin- und Rückfahrt kam müllfrei in die Edelstahldose, die ich während der Zeit in Bremen mit dem Lunch aufgefüllt habe. Meine Wasserflasche war im Dauereinsatz. Statt Snacks in der Plastikverpackung gab es nachmittags ein Eis oder ein süßes Teilchen im Cafe.
Dann noch feste Haarseife, Denttabs aus dem Unverpacktladen, meine Bambuszahnbürste und ein kleines Handtuch für unterwegs in den Koffer – fertig ist die Zero-Waste-Ausstattung für den Urlaub.
Lust auf mehr?
Du hast Lust auf weitere Reiseberichte? Dann lies z.B. hier nach, wie Zero Waste im Großstadt-Urlaub funktioniert oder welche Erfahrungen ich mit müllfreiem Urlaub am Wattenmeer gemacht habe. Zwei ganz unterschiedliche Regionen und Voraussetzungen.
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