Während der warmen Sommertage beginnt in den Gärten die Zeit des regelmäßigen Rasenmähens. Ein gepflegter, kurz geschnittener Rasen gilt für viele als Zeichen von Ordnung und Schönheit. Doch was für einige Menschen attraktiv aussieht, kann für zahlreiche Insekten problematisch sein. Studien zeigen, dass beim Mähen von Grünflächen zwischen 60 und 88 Prozent der dort lebenden Insekten, Spinnen und anderen Kleintiere getötet werden können. Gleichzeitig verschwinden durch das Mähen wichtige Nahrungsquellen und Lebensräume. Dabei lassen sich schon mit wenigen Anpassungen beim Mähen wertvolle Beiträge zum Schutz der Artenvielfalt leisten!
Warum Wiesen und Rasenflächen so wichtig sind
Auf vielen Rasenflächen wachsen neben den Gräsern auch Wildblumen und Wildkräuter wie Löwenzahn, Gänseblümchen, Klee, Ehrenpreis oder Gundermann. Diese Pflanzen werden oft als „Unkraut“ betrachtet, sind für Bienen, Hummeln, Schmetterlinge und viele andere Insekten jedoch lebenswichtig. Ihre Blüten liefern Nektar und Pollen, die besonders im Frühjahr und Sommer für die Aufzucht neuer Generationen benötigt werden.
Von einer blütenreichen Wiese profitieren aber nicht nur Insekten. Auch Vögel finden dort mehr Nahrung, da sie auf Insekten als wichtige Eiweißquelle angewiesen sind. Eine vielfältige Wiese bildet somit die Grundlage für ein gesundes und artenreiches Ökosystem direkt vor der Haustür.
Weniger Mähen schafft mehr Artenvielfalt
Eine der einfachsten Möglichkeiten Insekten zu helfen, besteht darin, den Rasen seltener zu mähen. Naturschutzverbände empfehlen, den ersten Schnitt möglichst erst Mitte Juni durchzuführen und den Rasenmäher anschließend nicht zu häufig einzusetzen. Dadurch erhalten Wildblumen ausreichend Zeit zum Blühen und bieten Insekten über einen längeren Zeitraum Nahrung.
Besonders wirkungsvoll ist es, nicht die gesamte Fläche auf einmal zu mähen. Stattdessen können einzelne Bereiche oder Streifen stehen bleiben und zeitversetzt gemäht werden. So bleiben immer Rückzugsorte und Nahrungsquellen erhalten. Wer Platz zum Spielen oder Entspannen benötigt, kann auch kleine Blumeninseln stehen lassen und nur die umliegenden Bereiche kürzen.
Die richtige Mähtechnik macht den Unterschied
Nicht nur die Häufigkeit des Mähens spielt eine Rolle, sondern auch die verwendete Technik. Untersuchungen haben gezeigt, dass selbst sogenannte insektenschonende Mähgeräte viele Tiere nicht vollständig schützen können. Besonders kleine Insekten werden häufig trotzdem erfasst.
Als vergleichsweise schonend gelten handbetriebene Spindelmäher oder traditionelle Sensen. Sie arbeiten langsamer und geben den Tieren mehr Zeit zur Flucht. Weniger empfehlenswert sind Mulchmäher. Bei ihnen bleibt das Schnittgut länger unter dem Mähwerk und wird mehrfach zerkleinert, wodurch die Gefahr für Insekten deutlich steigt.
Außerdem sollte der Rasen nicht zu kurz geschnitten werden. Höhere Gräser bieten Schutzräume und verhindern, dass sich die Messer direkt am Boden befinden, wo viele Insekten leben.
Clever mähen: Von innen nach außen
Auch die Art und Weise, wie gemäht wird, kann Insektenleben retten. Experten empfehlen, immer von innen nach außen zu mähen. Dadurch können Tiere in die umliegenden, noch ungemähten Bereiche fliehen. Wird dagegen von außen nach innen gearbeitet, werden viele Insekten in die Mitte gedrängt und haben am Ende keinen Fluchtweg mehr.
Zusätzlich sollte darauf geachtet werden, die Mäharbeiten abschnittsweise durchzuführen. So bleibt stets ein Teil der Fläche als Rückzugsraum erhalten.
Die beste Zeit zum Mähen
Auch der Zeitpunkt des Mähens beeinflusst die Sicherheit der Insekten. Bienen und Hummeln sind vor allem bei sonnigem und warmem Wetter aktiv. Wer ihren Schutz fördern möchte, sollte eher an kühleren oder bewölkten Tagen mähen.
Bei Schmetterlingen verhält es sich etwas anders: Sie ziehen sich während großer Hitze häufig in schattige Bereiche zurück. Wer viele Schmetterlinge im Garten beobachtet, kann diese Gewohnheit nutzen und die Mäharbeiten auf warme Tageszeiten legen, wenn sich die Tiere weniger im Rasen aufhalten.
Wilde Ecken als Lebensretter
Besonders wertvoll sind Bereiche, die gar nicht oder nur selten gemäht werden. Randstreifen, Böschungen oder kleine Ecken im Garten können sich zu wichtigen Rückzugsorten entwickeln. Dort wachsen mit der Zeit verschiedene Wildblumen, und viele Insekten finden Nahrung, Schutz und Möglichkeiten zur Fortpflanzung.
Lässt man die Pflanzen über den Winter stehen, profitieren zusätzlich zahlreiche Insektenlarven, die in den Halmen und Stängeln überwintern. Solche „wilden Ecken“ sind daher wahre Hotspots der Artenvielfalt.






