Es gibt Neues in der Green City: Seit 1. Januar 2026 gibt es auch in Freiburg eine Steuer auf bestimmte Einweg-Verpackungen. Damit ist Freiburg die dritte Stadt in Deutschland, die eine solche Steuer eingeführt hat. Während einige bereits für deren Abschaffung plädieren, sind andere dafür und finden die Steuer gut.
In dieser Story möchte ich mit euch schauen: Wie funktioniert das eigentlich mit dieser Verpackungssteuer? Wie sind die ersten Eindrücke? Und warum führt eine Stadt überhaupt eine solche Abgabe ein?

Das Ziel: Weniger Müll
Das Ziel der Verpackungssteuer ist einfach: Es soll weniger Müll aus Einwegverpackungen im To-Go-Bereich anfallen. Für eine sauberere Stadt, mehr Lebensqualität und einen bewussteren Einsatz von Ressourcen. Klima- und Ressourcenschutz sollen stärker im Alltag verankert sein.
Denn das schnelle Essen und Trinken unterwegs geht mit einem großen Müllberg einher. 36 Milliarden Einweg-Becher und Essensboxen landen in Deutschland jedes Jahr im Müll (oder auf der Straße). Das sind 396.000 Tonnen Müll – ein Müllberg schwerer als der Kölner Dom.
Deutschland liegt damit europaweit auf Platz 2 beim Einweg-Verbrauch.
Freiburg bleibt davon nicht verschont. Die Stadtreinigung sammelt in Freiburg täglich 4.500 kg Müll aus öffentlichen Behältern und wilden Ablagerungen ein, 45% davon Einweg-to-Go-Verpackungen. Auf 20.000 Einwegbecher bringen es die Freiburger:innen laut Umweltschutzamt der Stadt – pro Tag.
Hier setzt die Verpackungssteuer an. Denn dass so viel Einwegmüll entsteht, ist nicht naturgegeben, es sind falsche Anreize, die zu diesen gigantischen Müllbergen führen.

Langer Weg bis zur Einführung
Auch in Freiburg haben die Verantwortlichen länger über die Einführung der Verpackungssteuer diskutiert.
Bereits 2024 hat der Gemeinderat die Verwaltung beauftragt, die Einführung einer Verpackungssteuer zu prüfen. Zu diesem Zeitpunkt gab es eine solche Abgabe bereits in Tübingen.
2025 wurde dann die Einführung im Gemeinderat beschlossen – Oberbürgermeister Horn war dagegen, die Mehrheit im Gemeinderat stimmte jedoch für eine Einführung. Und am 1. Januar 2026 ging die Verpackungssteuer auch in Freiburg an den Start.
Unterstützt wurde die Einführung der Verpackungssteuer in Freiburg von einem Bündnis aus Umweltverbänden, lokalen Initiativen, Bürgervereinen und Gastronomiebetreibern.
Auch eine Petition, unterschrieben von über 2.600 Menschen, unterstützte den Vorschlag zur Einführung der Verpackungssteuer.

Vorbild Tübingen
In Tübingen gibt es die Verpackungssteuer bereits seit 2022.
Inzwischen gibt es dort das größte Mehrwegangebot Deutschlands im Verhältnis zur Einwohnerzahl. Die Vermüllung im öffentlichen Raum ist deutlich zurückgegangen.
Und auch in der Haushaltskasse macht sich die Steuer gut: 2022 wurden eine Million Euro eingenommen, das ist das neunfache der Verwaltungskosten.
Das Beispiel Tübingen zeigt: Während freiwillige Initiativen und Appelle nicht zu einer stärkeren Nutzung und Verbreitung von Mehrweg geführt haben, konnte das durch die Einführung einer Verpackungssteuer erreicht werden.
Diesem Vorbild sind inzwischen andere Städte gefolgt: So hat Konstanz 2025 eine Steuer auf Einweg-Verpackungen eingeführt, 2026 folgten Freiburg, Bremen, Bonn (ab 1.7.), Oberhausen – und 144 Städte prüfen eine Umsetzung oder haben bereits konkrete Pläne.
Rückhalt haben die Städte und Kommunen auch vom Bundesverfassungsgericht, das im Januar 2025 eine Klage gegen die Verpackungssteuer in Tübingen abgewiesen hat.

Erfahrungen aus Konstanz
In Konstanz wurde die Verpackungssteuer 2025 eingeführt. Eine erste Auswertung nach 9 Monaten konnte eine sehr positive Entwicklung belegen:
- umgerechnet eine Million Einweg-Becher konnten in den ersten 9 Monaten eingespart werden
- das Mehrwegangebot ist um 60% gewachsen, es gibt über 100 Ausgabestellen
- die Müllmenge konnte um insgesamt 4,7% reduziert werden, in einigen Stadtteilen sogar um bis zu 14%
- innerhalb von 9 Monaten wurden 14 Tonnen weniger Müll im öffentlichen Raum gesammelt

Steuer auf was?
Aber auf was ist die Steuer in Freiburg fällig?
Hier einige Beispiele, auf welche Einwegverpackungen für Speisen und Getränke zum Sofortverzehr die Steuer erhoben wird:
- Getränkebecher (z.B. Coffee to go, Cocktails): 0,50 €
- Becher mit Trinkhalm (ab 10 cm): 0,70 €
- Salatschale und Besteck oder Sushibox mit Essstäbchen: 0,70 €
- Pizza-/Pidekartons: 0,50 €
- Becher (z.B. Müsli, Obst, Eis): 0,50 €
- Tüten (z.B. Pommes, Burger, Popcorn): 0,50 €
- Einwickelpapier/Alufolie (z.B. für Döner, Wraps): 0,50 €
- Boxen und Schalen (z.B. für Suppen, Bowls, Nudeln etc.): 0,50 €
Die Abgabe ist unabhängig vom Material und unabhängig davon, ob das Getränk/die Speise vor Ort verzehrt wird oder mitgenommen wird.
Nicht von der Steuer betroffen sind z.B. Papierservietten, Bäckertüten (sofern darin kalte Speisen sind), Einwegverpackungen für Speisen, die man nach einem Restaurantbesuch mitnimmt oder die von Lieferdiensten geliefert werden, Tragetüten oder Rührstäbchen.

Parallel dazu: Mehrwegoffensive
Parallel zur Verpackungssteuer wurde auch eine Mehrwegoffensive gestartet. Die wichtigsten Bausteine sind der Aufbau einer lokalen Mehrweglogistik, Unterstützung der teilnehmenden Betriebe und Sensibilisierung der Bevölkerung.
Betriebe können z.B. von der Stadt finanzielle Unterstützung erhalten, wenn sie am örtlichen Mehrwegverbund teilnehmen. Dieser unterstützt Betriebe durch eine zentrale Reinigung und Verteilung der genutzten Mehrwegbehälter – und er ist deutschlandweit einzigartig.
Ferner können sich Betriebe beraten lassen und erhalten einen Zuschuss für Mehrwegbehälter sowie für die Anschaffung einer geeigneten Spülmaschine.
Durch den Mehrwegverbund soll die Nutzung von Mehrweg-Lösungen einfacher werden. Das Angebot wird insgesamt ausgebaut und die Rückgabe unkompliziert an vielen Orten möglich sein. Eine App zeigt den jeweils nächstgelegenen Rückgabeort.


Mit Sprüchen wie „Mehrweg passt zu Freiburg wie Fahrrad und Bächle“ wird derzeit auf Straßenbahnen, an Haltestellen oder Fahrzeugen der Stadtreinigung für Mehrweg geworben.
Und klar ist: Wer Mehrweg-Lösungen (oder eigene Behälter) nutzt, spart sich die Verpackungssteuer.
Erste Eindrücke
Inzwischen gibt es die Verpackungssteuer in Freiburg seit etwa 4 Monaten und die ersten positiven Entwicklungen werden im Stadtbild sichtbar.
Während Curry-Wurst und Pommes auf dem Münstermarkt früher in Einwegschälchen angeboten wurden, haben mehrere Stände inzwischen nur noch Mehrwegbehälter im Angebot. Das Pfand liegt bei 2 €. Allerdings wird der Münstermarkt auch von vielen Tourist:innen aus dem Ausland besucht und das Konzept „Behälter zurück, Geld zurück“ wird nicht von allen sofort verstanden, so dass vereinzelt Mehrwegbehälter in den Mülleimern landen.
Eine lokale Bäckereikette, die noch letztes Jahr Plakate mit „Verpackungssteuer macht Ihren Kaffee teurer“ im Fenster hängen hatte, wirbt inzwischen mit „Wir sind für Mehrweg“. Es werden zwar nach wie vor Einwegbecher angeboten, aber es gibt auch eine Mehrwegalternative.
Eine andere Bäckerei berichtet, dass ca. ein Drittel der Kund:innen den Mehrwegbecher wählen, zwei Drittel bleiben trotz Mehrwegangebot beim Einwegbecher und zahlen die Verpackungssteuer. Die Tendenz zu Mehrweg steige aber auch hier leicht.
Auch eine bundesweite Bäckerkette, die nach Einführung der Mehrweg-Angebotspflicht nur einen sehr kleinen Hinweis auf Mehrweg unten an der Tür hatte, hat inzwischen deutliche Hinweise auf Mehrweg und weist darauf hin, dass bei Nutzung des eigenen Bechers die Verpackungssteuer entfällt. Bei Kauf eines Mehrwegbechers erhält man das erste Getränk kostenlos. Allerdings stehen nach wie vor lediglich Einwegbecher neben der Kaffeemaschine, nach Mehrweg musst extra gefragt werden.

Auch beim Falafel-Stand sind Mehrwegbehälter im Einsatz und in der Pizzeria sieht man, wenn auch vereinzelt, Menschen mit mitgebrachten Mehrwegboxen.
Allerdings gibt es auch To-Go-Stände, die die Verpackungssteuer einfach auf den Preis aufschlagen. Auf der Preisübersicht heißt es dann: „Preise inkl. Verpackungssteuer“. Eigene Gefäße oder Mehrweg – (noch) nicht überall erwünscht.
Bei Eisdielen ist die Umsetzung unterschiedlich. Einige haben die Verpackungssteuer genutzt, um nun auch Geld für die Eiswaffeln zu berechnen. Früher war die „Verpackung“ – egal ob Waffel oder Einweg-Becher – gratis. Nun wird für die Eiswaffel an einigen Eisdielen 0,20 € fällig, analog zum Einweg-Becher. Der Betrag entfällt aber, wenn ein Mehrwegbecher genutzt oder ein eigener Becher mitgebracht wird.
In der Zeitung wurde allerdings auch von Betreibern berichtet, die die Verpackungssteuer umgehen, indem sie Gabeln etc. auf unter 10 Zentimeter kürzen.

Fazit
Kommunen können einen großen Beitrag zur Abfallvermeidung und -reduzierung leisten. Wie die Erfahrungen aus Tübingen zeigen, ist die Verpackungssteuer ein wirksamer Ansatz, die Vermüllung in der Stadt zu reduzieren und die Nutzung von Mehrweg-Lösungen zu fördern.
Auf Bundesebene gibt es keine vergleichbaren Maßnahmen, so dass das Engagement der Kommunen besonders wichtig ist. Sie können ihren Handlungsspielraum nutzen und vor Ort viel für die Vermeidung von Verpackungsmüll erreichen.
Ein erster Blick auf die Umsetzung in Freiburg zeigt: nach nur 4 Monaten gibt es Mehrwegangebote, die es vor Einführung der Verpackungssteuer nicht gab. Die Verpackungssteuer hat also geschafft, was die Mehrweg-Angebotspflicht nicht schaffen konnte. Natürlich läuft noch nicht alles optimal und es werden nach wie vor Einwegverpackungen genutzt – aber das System ist ausbaufähig und eine Auswertung in einigen Monaten wird zeigen, wie viel Einwegverpackungen eingespart werden konnten und wie sich die Mehrwegsysteme entwickeln.

Quellen
Stadt Freiburg: „Freiburg-Chronik: Das war 2024“, unter https://www.freiburg.de/pb/site/Freiburg/node/2345740?QUERYSTRING=verpackungssteuer (Zugriff am 26.4.2026)
Stadt Freiburg: „Mehrweg in Freiburg“, unter https://www.freiburg.de/pb/1714547.html (Zugriff am 26.4.2026)
BUND Deutschland: „Was bringt die Verpackungssteuer? – Einfach erklärt“, unter https://www.bund.net/chemie/verpackungssteuer/ (Zugriff am 26.4.2026)
Stadt Freiburg: „Freiburg-Chronik: Das war 2025“, unter https://www.freiburg.de/pb/site/Freiburg/node/2535569?QUERYSTRING=verpackungssteuer (Zugriff am 26.4.2026)
Stadt Freiburg: „Verpackungssteuer ab 1. Januar 2026“, unter https://www.freiburg.de/servicebw/Hinweisflyer_steuerpflichtige_Verpackungen.pdf (Zugriff am 26.4.2026)
Chilli – das Freiburger Stadtmagazin: „Müllvermeider mit Mursk-Faktor: die Verpackungssteuer in Freiburg“, vom 11.2.2026, unter https://www.chilli-freiburg.de/stadtgeplauder/wirtschaft/muellvermeider-mit-murks-faktor-verpackungssteuer-in-freiburg-bringt-tricksereien-und-pusht-mehrweg/ (Zugriff am 26.4.2026)
Stadt Freiburg: „Ab 206: Verpackungssteuer“, unter https://www.freiburg.de/pb/site/Freiburg/node/2441608?QUERYSTRING=verpackungssteuer (Zugriff am 26.4.2026)
Deutsche Umwelthilfe (DUH): „Einweg-Verpackungssteuer in Freiburg auf der Kippe: Bündnis fordert klares Votum des Gemeinderats für weniger Müll“ vom 2.5.2025, unter https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/einweg-verpackungssteuer-in-freiburg-auf-der-kippe-buendnis-fordert-klares-votum-des-gemeinderats-fue/ (Zugriff am 26.4.2026)
Stadt Freiburg: „Mehr Mehrweg für Freiburg: Web-App zeigt Rückgabestellen für Mehrwegbehälter“, Pressemitteilung vom 13.2.2026, unter https://www.freiburg.de/pb/site/Freiburg/node/2557762?QUERYSTRING=mehrweg (Zugriff am 26.4.2026)
Stadt Freiburg: „Verpackungssteuer“, unter https://www.freiburg.de/pb/-/205332/vbid6026361 (Zugriff am 26.4.2026)
Deutsche Umwelthilfe (DUH): „Verpackungssteuer in Konstanz wirkt: Deutsche Umwelthilfe fordert Städte bundesweit auf, mit eigener Einweg-Steuer nachzuziehen“, vom 9.10.2025, unter https://www.duh.de/presse/pressemitteilungen/pressemitteilung/verpackungssteuer-in-konstanz-wirkt-deutsche-umwelthilfe-fordert-staedte-bundesweit-auf-mit-eigener/ (Zugriff am 26.4.2026)
Stadt Freiburg: „Förderung für Mehrweg: Mehr Mehrweg für Freiburg“, unter https://www.freiburg.de/pb/2452490.html (Zugriff am 26.4.2026)
Stadt Freiburg: „Weniger Müll auf Freiburgs Straßen – Pilotprojekt für Mehrwegoffensive ist gestartet“, Pressemitteilung vom 25.11.2025, unter https://www.freiburg.de/pb/site/Freiburg/node/2485903?QUERYSTRING=mehrweg (Zugriff am 26.4.2026)






