Die faszinierende Welt der Seegraswiesen (Fantastische Fakten)

Seegraswiesen gehören zu den faszinierendsten und zugleich wichtigsten Lebensräumen unserer Erde. Obwohl sie unter der Wasseroberfläche verborgen liegen und oft weniger Aufmerksamkeit bekommen als Korallenriffe oder Regenwälder, erfüllen sie eine Vielzahl lebenswichtiger Funktionen für Mensch und Natur! Sie sind nicht nur Hotspots der Artenvielfalt, sondern auch bedeutende Helfer im Klimaschutz und für die Stabilität unserer Küsten. Dennoch sind Seegraswiesen weltweit bedroht. Alles über Seegraswiesen und was unternommen wird um sie zu schützen, erfährst du jetzt!

Was sind Seegraswiesen?

Seegräser sind keine Algen, sondern echte Blütenpflanzen mit Wurzeln, Blättern und Samen. Im Laufe der Evolution haben sie sich vom Leben an Land wieder an das Leben im Meer angepasst. Heute wachsen sie vollständig unter Wasser und sind optimal an die Bedingungen dort angepasst. Seegraswiesen entstehen in flachen, lichtdurchfluteten Küstenbereichen, da die Pflanzen für die Photosynthese viel Sonnenlicht benötigen. Sie kommen weltweit an fast allen Küsten vor, mit Ausnahme der Antarktis. In Deutschland sind sie vor allem in der Ostsee und im Wattenmeer verbreitet. Dort wachsen hauptsächlich zwei Arten: das Gewöhnliche Seegras (Zostera marina) und das Zwerg-Seegras (Zostera noltii).

Zostera marina © Lewies Jefferies / WWF-UK

Ein Lebensraum voller Leben

Seegraswiesen sind wahre „Ökosystem-Ingenieure“. Durch ihre Struktur schaffen sie einen dreidimensionalen Lebensraum: Über dem Meeresboden bilden ihre Blätter dichte Unterwasserwiesen, während unter der Oberfläche ein weit verzweigtes Netzwerk aus Wurzeln und Rhizomen entsteht.

Dieser Aufbau bietet zahlreichen Lebewesen Schutz, Nahrung und Lebensraum. Zwischen den Halmen leben Einzeller, Würmer, Muscheln, Schnecken und Krebstiere. Die Blätter dienen als Untergrund für kleine Organismen wie Moostierchen, während andere Tiere, beispielsweise Wattschnecken, sie von Algen befreien.

Auch größere Tiere profitieren von diesem Lebensraum. Fische nutzen Seegraswiesen als Versteck vor Feinden oder als Kinderstube für ihren Nachwuchs. Arten wie Heringe legen ihre Eier gezielt an den Seegrasblättern ab. Andere, wie Seenadeln oder Seepferdchen, verbringen ihr ganzes Leben in diesen Wiesen.

Seegraswiesen als Nahrungsquelle und „Tankstelle“

Neben ihrer Funktion als Lebensraum sind Seegraswiesen auch eine wichtige Nahrungsquelle. In tropischen Regionen ernähren sich Meeresschildkröten, Seekühe und Dugongs hauptsächlich von Seegras. Auch im Wattenmeer spielen sie eine wichtige Rolle, denn Zugvögel wie Ringelgänse und Pfeifenten nutzen Seegraswiesen als „Tankstelle“, um Energie für ihre langen Reisen zu sammeln.

Darüber hinaus tragen Seegraswiesen indirekt zur Nahrungskette bei, da sie vielen kleinen Organismen Lebensraum bieten, die wiederum von größeren Tieren gefressen werden.

Seegraswiesen als Klimaschützer

Eine besonders wichtige Funktion der Seegraswiesen ist ihre Rolle im Klimaschutz. Durch Photosynthese nehmen sie Kohlendioxid (CO₂) aus dem Wasser auf und speichern den darin enthaltenen Kohlenstoff langfristig in ihren Blättern, Wurzeln und im Meeresboden. Dieser gespeicherte Kohlenstoff wird als „Blue Carbon“ bezeichnet.

Obwohl Seegraswiesen weniger als 0,2 % der Meeresfläche bedecken, speichern sie etwa 10 % des gesamten im Meer gebundenen CO₂. Besonders beeindruckend ist, dass dieser Kohlenstoff über Jahrhunderte im Sediment gespeichert bleiben kann, vorausgesetzt die Wiesen bleiben ungestört. Zusätzlich produzieren Seegräser Sauerstoff und verbessern so die Wasserqualität.

Schutz der Küsten und Verbesserung der Wasserqualität

Seegraswiesen leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Küstenschutz. Ihre dichten Halme bremsen Wellen und Strömungen, sodass sich Sedimente am Meeresboden ablagern können. Die Wurzeln stabilisieren diesen Boden zusätzlich und verhindern, dass er weggespült wird.

Dadurch schützen Seegraswiesen Küsten vor Erosion und tragen langfristig zum Aufbau von Meeresböden bei. Gleichzeitig wirken sie wie natürliche Filteranlagen. Sie binden Schwebstoffe, verbessern die Wasserqualität und können sogar Krankheitserreger reduzieren.

Zostera marina © Lewies Jefferies / WWF-UK

Fortpflanzung und Anpassungsfähigkeit

Seegräser vermehren sich auf zwei Arten: Zum einen geschlechtlich über Blüten und Samen, die im Wasser bestäubt werden. Zum anderen breiten sie sich ungeschlechtlich über Rhizome aus, die seitlich im Boden wachsen und neue Pflanzen bilden.

Diese Kombination sorgt sowohl für Stabilität als auch für genetische Vielfalt. Interessanterweise haben Forschungen gezeigt, dass selbst klonale Seegrasbestände genetisch variabler sind als lange angenommen, was ihre Anpassungsfähigkeit erhöht.

Auch ihre evolutionäre Geschichte ist bemerkenswert. Seegräser stammen ursprünglich von Landpflanzen ab und haben im Laufe der Zeit spezielle Anpassungen entwickelt, um im Meer zu überleben, etwa die Fähigkeit zur Bestäubung unter Wasser.

Bedrohungen für Seegraswiesen

Trotz ihrer großen Bedeutung sind Seegraswiesen weltweit stark bedroht. Bereits im 20. Jahrhundert wurden viele Bestände durch Krankheiten zerstört. Heute kommen zahlreiche weitere Gefahren hinzu.

Ein großes Problem ist die Verschmutzung der Meere, insbesondere durch Nährstoffe aus der Landwirtschaft. Diese führen zu starkem Algenwachstum, wodurch weniger Licht zum Meeresboden gelangt, ein entscheidender Nachteil für Seegräser.

Auch der Klimawandel stellt eine große Bedrohung dar. Steigende Wassertemperaturen können Seegräser schädigen oder sogar zum Absterben führen. Zusätzlich werden Seegraswiesen durch menschliche Aktivitäten wie Fischerei, Schiffsverkehr, Anker oder den Ausbau von Küsteninfrastruktur zerstört.

Schutz und Wiederherstellung

Um Seegraswiesen zu erhalten, sind gezielte Schutzmaßnahmen notwendig. Wissenschaftliche Projekte arbeiten daran, ihre Verbreitung besser zu erfassen und geeignete Methoden zur Wiederansiedlung zu entwickeln.

Ein Beispiel ist die Wiederanpflanzung von Seegras durch Forschungstaucher:innen oder die Nutzung von Samen, um neue Wiesen zu schaffen. Moderne Technologien wie Unterwasserkameras und künstliche Intelligenz helfen dabei, Seegrasbestände zu kartieren und zu überwachen.

Solche Maßnahmen sind entscheidend, um den Rückgang zu stoppen und die wichtigen Funktionen der Seegraswiesen langfristig zu sichern.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

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