In der heutigen Folge der Fantastischen Fakten wagen wir uns in den hohen Norden. Denn dort ist das Zuhause der Rentiere. Sei gespannt, was diese Tiere so besonders macht!
Lebensraum: Tundra und Taiga
Rentiere gehören zur Familie der Hirsche. Es gibt 20 Unterarten wie das Rentier in Nordeuropa oder das Karibu in Westkanada. Die Unterarten sind aber sehr ähnlich.
Der Lebensraum der Rentiere ist weit im Norden, in der Tundra und Taiga: Die Tundra ist eine Kältesteppe, in der Gräser und kleinere Büsche wachsen, die Taiga ist der Nadelwald im hohen Norden. Rentiere zählen damit zu den Großsäugetieren, die am weitesten nördlich leben.
So nah am Polarkreis wird es bei zu -40°C kalt, der Schnee kann mehrere Meter hoch liegen und im Winter ist es sogar einige Monate mehr oder weniger dunkel.
Hört sich nicht sehr gemütlich an – aber für die Rentiere ist es der Lebensraum, an den sie perfekt angepasst sind.
Übrigens sind Rentiere die einzige Hirschart, die von Menschen domestiziert wurde.

Superkräfte für die Kälte
Um mit den Lebensbedingungen weit im Norden zurecht zu kommen, haben Rentiere im Laufe der Evolution eine ganze Menge an Tricks und Anpassungen erworben.
Da es weder in der Tundra noch in der Taiga ein Überangebot an Nahrung gibt, gehen die Rentiere jedes Jahr auf Wanderschaft. Dabei ziehen sie in Gruppen mit über 100.000 Tieren durch die Landschaft und legen in einem Jahr bis zu 3.000 Kilometer zurück! Das macht sie zu Rekordhaltern, denn kein anderes Säugetier an Land legt eine solch weite Strecke zurück. Das ist auch notwendig, denn während es im Sommer auf den Tundrawiesen ausreichend Nahrung gibt, finden Rentiere im Winter nur Flechten, Moose und Pilze.
Wie aber können sich Rentiere überhaupt durch den teils meterhohen Schnee bewegen? Sie haben speziell geformte Hufe, die dafür sorgen, dass die Tiere auch über Schneeflächen oder durch Sumpfgebiet wandern können, ohne einzusinken. Die Hufe haben scharfe Kanten und sind sehr breit – und sie können sogar noch gespreizt werden und haben eine elastische Haut dazwischen. Damit sind Rentiere perfekt an Wanderungen in Schnee und Sumpfgebieten angepasst.
Im Winter liegt natürlich nicht nur Schnee, es ist auch so richtig kalt. Die Rentiere verfügen zum Glück über eine gut angepasste Nase. Deren Oberfläche ist stark vergrößert, so dass die Luft vorgewärmt wird, bevor sie weiter in die Lunge strömt.
Und im langen Polarwinter, wenn es mehrere Monate nahezu durchgehend dunkel ist? Dann stellen die Rentiere ihre Augen sozusagen auf Wintermodus: Während die Tage im Herbst immer kürzer werden, verändern sich die Augen der Rentiere von goldgelb zu dunkelblau. Das macht die Augen empfindlicher für Licht. Rentiere können dann sogar im Dunkeln sehen!

Rennen und schwimmen
Feind im Anmarsch? Auch wenn Rentiere im Winter nicht so ganz scharf sehen können, erkennen sie Fressfeinde. Und rennen natürlich vor ihnen weg. Dabei werden sie schneller als eine S-Bahn, nämlich bis zu 80 km/h.
Im Frühling sind Rentiere mit großen Wassermassen konfrontiert. Schnee und Eis beginnen zu schmelzen, die Flüsse führen viel Wasser. Hier erweisen sich Rentiere als gute Schwimmer. Ihr Fell ist dabei wie ein Rettungsring. Die Haare sind luftgefüllt und wie ein Polster, das die Tiere im Wasser oben hält. Und das Luftpolster schützt auch gegen die eisigen Wassertemperaturen.
Übrigens ist das Fell der Rentiere viel dichter als das bei Hirschen in unseren Breiten: bis zu dreimal so viel Haare pro Quadratzentimetern wächst auf der Haut der Rentiere.

Die Geweihfrage
Das Rentier ist die einzige Hirschart, bei der sowohl männliche als auch weibliche Tiere ein Geweih tragen. Allerdings ist das Geweih der Männchen in der Regel etwas größer. Ein großes Geweih kann bis zu 15 Kilogramm wiegen.
Quellen
WWF Deutschland: „Rentiere“ vom 23.4.2025, unter https://www.wwf.de/junior/tiere/tiere-entdecken/rentiere (Zugriff am 8.4.2026)
WWF Deutschland: „Rentiere: Arktische Überlebenskünstler in Not“ vom 18.10.2023, unter https://www.wwf.de/themen-projekte/bedrohte-tier-und-pflanzenarten/rentiere (Zugriff am 8.4.2026)
Wikipedia: „Ren“, unter https://de.wikipedia.org/wiki/Ren (Zugriff am 8.4.2026)





