Wildtiere wurden lange Zeit nur mit Wäldern, Wiesen oder abgelegenen Naturschutzgebieten verbunden, doch immer mehr Tiere zieht es mitten in die Städte. Begegnungen mit Füchsen, Waschbären oder Wildschweinen sind längst keine Seltenheit mehr. Parks, Gärten, Friedhöfe und sogar Wohnhäuser bieten vielen Tierarten neue Lebensräume. Die Entwicklung zeigt, dass sich Wildtiere erstaunlich gut an die veränderten Bedingungen angepasst haben. Gleichzeitig stellt das Zusammenleben von Mensch und Tier neue Herausforderungen dar, die aber unter bestimmten Bedingungen gut verhindert werden können.
Warum Wildtiere in die Stadt ziehen
Ein wichtiger Grund für die zunehmende Zahl von Wildtieren in Städten ist der Verlust natürlicher Lebensräume. Durch Städtebau, Landwirtschaft und Straßenbau werden Wälder, Wiesen und andere Naturräume immer weiter verkleinert oder zerstört. Viele Tiere werden dadurch aus ihren ursprünglichen Lebensgebieten verdrängt und suchen nach neuen Möglichkeiten zum Überleben.
Städte bieten dafür überraschend gute Bedingungen! Sie verfügen über ein großes Nahrungsangebot, das durch Essensreste, Müll, Kompost oder Nutzpflanzen entsteht. Außerdem finden Wildtiere zahlreiche Versteckmöglichkeiten, beispielsweise in Parks, Kleingärten, Dachböden oder stillgelegten Industrieanlagen. Ein weiterer Vorteil sind die meist höheren Temperaturen in Städten, die besonders in den Wintermonaten das Überleben erleichtern. Zudem gibt es in urbanen Gebieten häufig weniger natürliche Feinde und teilweise auch weniger Jagd.

Typische Wildtiere, die du in deiner Stadt sehen kannst
In deutschen Städten leben mittlerweile hunderte verschiedene Tierarten! Besonders häufig sind kleinere Tiere wie Vögel, Igel, Eichhörnchen oder Wildkaninchen anzutreffen. Aber auch größere Säugetiere haben sich an das Leben in der Stadt angepasst.
Füchse gehören zu den bekanntesten Stadtbewohnern. Sie sind äußerst anpassungsfähig und nutzen Müll, Essensreste oder Kleintiere als Nahrungsquelle. Oft bauen sie ihre Nester in Mauerspalten, Wasserrohren oder ruhigen Grünanlagen. Viele Menschen haben Angst vor Füchsen, doch diese ist meist unbegründet, da Deutschland seit vielen Jahren als tollwutfrei gilt.
Auch Waschbären breiten sich in vielen Städten stark aus. Sie sind geschickte Kletterer und nutzen Dachböden oder Gebäude als Schlafplätze. Nachts suchen sie häufig Mülltonnen oder Gärten nach Nahrung ab. Ähnlich verhält sich der Steinmarder, der gerne Autos oder Dachböden als Unterschlupf nutzt.
Wildschweine sind vor allem in städtischen Randgebieten verbreitet. Sie durchwühlen Gärten auf der Suche nach Würmern, Wurzeln oder Fallobst und können dabei große Schäden anrichten. Dennoch sind sie normalerweise scheu und greifen Menschen nur an, wenn sie sich bedroht fühlen oder ihre Jungen schützen wollen.
Neben diesen größeren Arten leben auch viele andere Tiere in Städten, etwa Turmfalken, Dachse oder Nutrias. Selbst ungewöhnliche Anpassungen wurden beobachtet, zum Beispiel Vögel, die Zigarettenkippen in ihre Nester einbauen, um Parasiten fernzuhalten.

Anpassungsfähigkeit der Tiere
Wildtiere zeigen eine bemerkenswerte Fähigkeit, sich an das Stadtleben anzupassen. Viele Arten verändern ihr Verhalten, um mit Lärm, Licht und menschlicher Aktivität zurechtzukommen. Einige Tiere sind stärker nachtaktiv geworden, um Begegnungen mit Menschen zu vermeiden. Andere nutzen ungewöhnliche Orte als Lebensraum, etwa Balkone, Verkehrsinseln oder Gebäude.
Die Stadt bietet dabei eine große Vielfalt an Lebensräumen auf engem Raum. Parks, Friedhöfe, Gärten und Gewässer ermöglichen vielen Arten das Überleben. Manche Tierpopulationen wachsen dadurch sogar an. So leben in einigen Städten deutlich mehr Igel oder Füchse als im umliegenden Umland.
Herausforderungen im Zusammenleben von Mensch und Tier
Das Zusammenleben mit Wildtieren bringt jedoch auch Konflikte mit sich. Tiere können Schäden an Gebäuden verursachen, Mülltonnen plündern oder Gärten verwüsten. Besonders Waschbären, Marder und Wildschweine sorgen gelegentlich für Probleme.
Umgekehrt sind Städte für Wildtiere ebenfalls gefährlich. Straßenverkehr, Glasfassaden, Umweltverschmutzung und Haustiere führen häufig zu Verletzungen oder zum Tod der Tiere. Zudem verändert das Füttern von Wildtieren deren Verhalten. Sie verlieren ihre Scheu vor Menschen und können krank werden, wenn sie ungeeignete Nahrung aufnehmen.
Wie ein harmonisches Zusammenleben gelingen kann
Damit das Zusammenleben zwischen Menschen und Wildtieren möglichst konfliktarm bleibt, sind einige Verhaltensregeln wichtig. Wildtiere sollten grundsätzlich nicht gefüttert werden, da sie dadurch abhängig werden und ihre natürlichen Fähigkeiten verlieren können. Ebenso sollten Müll und Essensreste sicher verstaut werden, um Tiere nicht anzulocken.
Bei Begegnungen mit Wildtieren ist Ruhe und Abstand entscheidend. Hektische Bewegungen oder Annäherungsversuche können Tiere erschrecken oder aggressiv machen. Hunde sollten in Gebieten mit Wildtieren angeleint werden, um Konflikte zu vermeiden. Außerdem ist es wichtig, Gebäude so zu sichern, dass Tiere nicht auf Dachböden oder in Häuser eindringen können.
Wenn verletzte oder hilfsbedürftige Tiere entdeckt werden, sollten Fachstellen wie Wildtierstationen, Naturschutzbehörden oder die Polizei informiert werden. Eigenständige Rettungsversuche sind oft gefährlich und können dem Tier zusätzlich schaden.

Bedeutung der Wildtiere für die Stadt
Wildtiere erfüllen auch wichtige ökologische Aufgaben. Sie regulieren beispielsweise Populationen von Mäusen oder Insekten und tragen zur Verbreitung von Pflanzen bei. Gleichzeitig bereichern sie das Leben vieler Menschen, da sie Naturerlebnisse mitten in der Stadt ermöglichen.
Das Auftreten von Wildtieren zeigt außerdem, wie eng Stadt und Natur miteinander verbunden sind. Städte können wichtige Rückzugsorte für bedrohte Arten sein, wenn sie naturnah gestaltet werden und ausreichend Grünflächen bieten.
Quellen
- Deutscher Tierschutzbund – Wildtiere erobern die Stadt
- Stadt Leipzig – Wildtiere in der Stadt
- GEO – Wildtiere erobern die Stadt
- Tierschutzverein Dresden – Zwischen Beton und Biodiversität: Die Welt der Wildtiere in der Stadt
- BUND Landesverband Berlin – Auf gute Nachbarschaft!
- Wildtierportal Baden-Württemberg – Wildtiere in der Stadt






