Wie überwintern Schmetterlinge? (Fantastische Fakten)

Gerade zieht eine Kältewelle über Deutschland. Fragst du dich da auch manchmal: Wie überwintern eigentlich Tiere? Besonders diejenigen, die eher zerbrechlich wirken?

In dieser Folge der Fantastischen Fakten erfährst du, wie Schmetterlinge überwintern. Einige haben ganz erstaunliche Taktiken entwickelt und es gibt auch nicht die eine, einheitliche Strategie. Aber lies selbst!

Fünf Strategien, den Winter zu überstehen

Zunächst einmal muss man festhalten: Nicht alle Schmetterlinge überwintern mit der gleichen Strategie. Vielmehr ist es von Art zu Art verschieden, wie die Schmetterlinge durch die kalte Jahreszeit kommen.

Ein paar Arten, sogenannte Wanderfalter wie z.B. den Distelfalter, zieht es im Winter in den wärmeren Süden. Um diese Arten soll es in dieser Story nicht gehen, wir konzentrieren uns auf die Schmetterlingsarten, die bei uns überwintern.

Denn auch hier lassen sich noch unterschiedliche Formen entdecken, wie die Schmetterlinge überwintern. Entweder kommen sie als Ei, Raupe, Puppe oder als Falter durch die kalte Jahreszeit. Bemerkenswert ist, dass jede Schmetterlingsart in der Regel nur in einem bestimmten Stadium überwintern kann. D.h., Tiere einer Art können nicht als Ei ODER als Puppe überwintern, sie sind auf eine Strategie festgelegt.

In Deutschland überwintern sieben Arten als Falter. Dazu bereiten sie sich aber vor: Im Spätherbst suchen sie Schutz in Holzschuppen, Scheunen, Kellern oder natürlichen Höhlen.

Arten, die als „fertige“ Falter überwintern, haben einen Vorteil: Sie können im Frühling zeitig die ersten Nektarquellen besuchen.

eine verschneite Landschaft mit Bäumen, im Hintergrund blauer Himmel
Es ist ganz unterschiedlich, wie Schmetterlinge den Winter überstehen. / © Ian Schneider, unsplash.com

Wer überwintert wie?

Hier nun einige Schmetterlingsarten und ihre Überwinterungsstrategien:

  • Kleiner Schillerfalter: überwintert als Raupe, wobei sich die Raupe eng an eine Zweigspitze anschmiegt und die Färbung der Rinde nachahmt. Je nach Klima gibt es bei uns im Sommer eine oder zwei Generationen des Kleinen Schillerfalters.
  • Schwalbenschwanz: überwintert als Puppe. Als einer der größten Falter in Mitteleuropa lebt der Schwalbenschwanz bis zu einem halben Jahr als Raupe oder Puppe und nur einen Monat als Schmetterling. In Mitteleuropa gibt es bis zu drei Generationen pro Jahr, abhängig vom lokalen Klima.
  • Distelfalter: Wanderfalter, der keinen Frost verträgt und in wärmeren Gebieten in Afrika überwintert. Die Reise vom tropischen Afrika nach Europa erstreckt sich über mehrere Generationen, d.h. ein Tier fliegt los, und am Ziel kommen seine Nachkommen an! Anders bei der Rückreise von Europa nach Afrika: Im Herbst wird die ganze Reise von nur einer Generation absolviert. Das sind 4.000 km pro Falter und damit die längste Nonstop-Insektenwanderung der Welt.
  • Nierenfleck-Zipfelfalter: überwintert als Ei. Die Weibchen legen am August Eier an Steinobstgewächsen ab. Die Eier überwintern dort, bis im April des nächsten Jahres Raupen aus ihnen schlüpfen.
eine Schmetterlingsraupe auf einem grünen Ast
Manche Arten überwintern als Raupe, andere als Puppe, Ei oder Falter. / © Yiju Cheng, unsplash.com
  • Dunkler Wiesenknopf-Ameisenbläuling: überwintert als Raupe. Die Puppe wird von der Rotgelben Knotenameise in ihren Bau getragen und überwintert dort. Nachdem die Puppe innerhalb von 10 Monaten etwa 600 Ameisenlarven verspeist hat, schlüpft sie noch im Ameisenbau – um ihn dann aber schnell zu verlassen.
  • Weißbindiger Mohrenfalter: Dieser Falter überwintert gleich mehrmals – und jedesmal in einer anderen Form. Zunächst überwintert er als Ei, im Jahr darauf dann als Raupe. Und erst im übernächsten Jahr schlüpft der Falter. Es gibt nur sehr wenige Arten, die während ihrer Entwicklung zum Falter mehrmals überwintern.
  • Admiral: Dieser Falter bildet eine Ausnahme. Denn er kann in unterschiedlichen Formen überwintern. Welche Strategie er nutzt, hängt von der Region ab, in der er lebt. Ursprünglich war der Admiral ein Wanderfalter, der zwischen Mitteleuropa und Nordafrika/Südeuropa gependelt ist. Doch durch die Klimaerwärmung gibt es inzwischen eine Population in Mitteleuropa, die eigenständig ist und zum Überwintern nicht mehr umherzieht. Einige Admirale überwintern an geschützten Orten als Falter, andere als Raupe.
ein rot-schwarzer Schmetterling sitzt auf einer lila Blume
Der Admiral hat sich an den Klimawandel angepasst und neue Überwinterungsstrategien erprobt. / © Ian Kelsall, unsplash.com

Der Zitronenfalter – Meister des Überwinterns

Eine ganz außergewöhnliche Überwinterungsstrategie hat der Zitronenfalter. Er überwintert bei uns als Falter – und kann dabei Temperaturen von bis zu Minus 20°C überstehen! Möglich macht das eine ganz besondere Methode: Der Zitronenfalter scheidet dazu einen Teil seiner Körperflüssigkeit aus. Die verbleibende Körperflüssigkeit wird parallel durch Glyzerin, sozusagen ein körpereigenes Frostschutzmittel, vor dem Gefrieren geschützt. Kein anderer Schmetterling ist so winterhart wie der Zitronenfalter!

Für den Winter macht es sich der Falter gerne in Spalten, an Zweigen und Gräsern gemütlich und harrt dort aus. Sobald die Temperaturen wieder wärmer werden, wird auch der Zitronenfalter wieder aktiv. Oft kann man ihn schon Ende Februar an den ersten Frühblühern beobachten.

ein zitronengelber Sschmetterling sitzt auf Gehölz
Der Zitronenfalter ist ein wahrer Meister im Überwintern. / © Thomas Elliott, unsplash.com

Quelle

Südkurier: „Grafik des Monats: Wie überwintern Schmettterlinge?“, vom 31.10.2025

Stephanie Steppacher auf einem Trike

Stephanie

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