In Deutschland galt der Wolf (Canis lupus) über viele Jahrzehnte als ausgerottet, nachdem er im 18. und 19. Jahrhundert intensiv verfolgt und schließlich vollständig verdrängt worden war. Seit Beginn des 21. Jahrhunderts ist der Wolf jedoch wieder dauerhaft nach Deutschland zurückgekehrt! Diese Wiederbesiedlung stellt aus naturschutzfachlicher Sicht einen großen Erfolg dar und zeigt, dass konsequente Schutzmaßnahmen wirken können. Gleichzeitig ist die Rückkehr des Wolfs eng mit gesellschaftlichen Diskussionen verbunden. Diese Story soll einen kleinen Überblick über die historische und heutige Verbreitung des Wolfs in Deutschland geben sowie über die Faktoren, die seine Ausbreitung beeinflussen.
Historische Verbreitung und Ausrottung
Früher war der Wolf neben dem Menschen eines der am weitesten verbreiteten Säugetiere der Erde. Bis zur Jungsteinzeit besiedelte er nahezu die gesamte Nordhalbkugel. Auch in Europa und Deutschland war der Wolf ursprünglich flächendeckend verbreitet. Mit der zunehmenden Besiedlung durch den Menschen, der Ausdehnung von Landwirtschaft sowie intensiver Bejagung wurde der Lebensraum des Wolfs jedoch immer stärker eingeschränkt.
In Deutschland verschwand der Wolf im Laufe des 19. Jahrhunderts vollständig. Die letzten Hinweise auf freilebende Wolfsrudel stammen aus der Mitte des Jahrhunderts, unter anderem aus Brandenburg um das Jahr 1850. Über rund 150 Jahre galt der Wolf damit in Deutschland als ausgerottet.
Voraussetzungen für die Rückkehr
Ein entscheidender Wendepunkt war die gesetzliche Unterschutzstellung des Wolfs im Jahr 1990. Dadurch wurde die gezielte Verfolgung verboten und der Grundstein für eine natürliche Wiederbesiedlung gelegt. Wölfe wanderten vor allem aus osteuropäischen Populationen, insbesondere aus Polen, nach Deutschland ein.
1998 wurden in Sachsen erstmals wieder einzelne Wölfe nachgewiesen. Im Jahr 2000 folgte ein Meilenstein! In der sächsischen Oberlausitz wurden die ersten Wolfswelpen in freier Wildbahn geboren. Seitdem breitet sich der Wolf Schritt für Schritt wieder in Deutschland aus und zieht regelmäßig Nachwuchs auf.
Heutige Verbreitung in Deutschland
Die aktuelle Verbreitung des Wolfs wird im Rahmen eines bundesweit abgestimmten Monitorings erfasst. Dieses sogenannte Wolfsjahr umfasst jeweils den Zeitraum vom 1. Mai bis zum 30. April des Folgejahres. Grundlage sind eindeutig belegte Nachweise wie genetische Proben, Fotos oder Totfunde.
Im Monitoringjahr 2024/2025 wurden in Deutschland insgesamt 219 Wolfsrudel, 43 Wolfspaare und 14 sesshafte Einzelwölfe bestätigt. Damit zeigte sich erstmals eine Stagnation der Bestandsentwicklung, nachdem das Wachstum der Population in den vergangenen Jahren bereits deutlich langsamer geworden war.
Räumlich konzentriert sich das Wolfsvorkommen weiterhin auf den Osten und Nordosten Deutschlands. Einen Schwerpunkt bildet Sachsen, von wo aus sich die Population in nordwestlicher Richtung über Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern bis nach Niedersachsen ausgedehnt hat. Die meisten Wolfsrudel leben derzeit in Niedersachsen (63) und Brandenburg (60), gefolgt von Sachsen (46). In südlichen und westlichen Bundesländern treten bisher vor allem durchziehende Einzelwölfe auf, die noch keine dauerhaften Territorien gebildet haben.
Geeignete Lebensräume und Verbreitungsmuster
Entgegen der weit verbreiteten Annahme sind Wölfe nicht auf unberührte Wildnis angewiesen. Sie können in sehr unterschiedlichen Landschaften leben, solange ausreichend Nahrung vorhanden ist und sie vom Menschen toleriert werden. Beispiele aus anderen europäischen Ländern zeigen, dass Wölfe sogar in Agrarlandschaften oder in der Nähe großer Städte vorkommen können.
In Deutschland gibt es laut Studien des Bundesamtes für Naturschutz in nahezu allen Flächenbundesländern potenziell geeignete Lebensräume für Wölfe. Ausgenommen sind lediglich die drei Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen. Dennoch ist nicht davon auszugehen, dass Deutschland jemals flächendeckend von Wölfen besiedelt sein wird. Hohe Verkehrsdichte, zerschnittene Landschaften und mangelndes Nahrungsangebot führen dazu, dass sich die Verbreitung eher mosaikartig, also wie ein Flickenteppich, entwickelt.
Durchziehende Wölfe legen oft weite Strecken zurück und müssen dabei zahlreiche Straßen überqueren. Verkehrsunfälle stellen daher eine der häufigsten Todesursachen dar. Auch illegale Tötungen tragen dazu bei, dass nicht alle Tiere dauerhaft überleben.
Bedeutung des Monitorings für die Verbreitung
Um die Ausbreitung des Wolfs wissenschaftlich fundiert zu begleiten, werden die Daten der Bundesländer von der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) zusammengeführt und ausgewertet. Die bundesweiten Verbreitungskarten basieren auf einem standardisierten Raster von 10 x 10 Kilometern. Nur überprüfte und bestätigte Hinweise fließen in die Kartendarstellung ein.
Dieses systematische Monitoring ermöglicht es, Veränderungen in der Verbreitung frühzeitig zu erkennen und dient als wichtige Grundlage für Naturschutz, Management und politische Entscheidungen.
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