Illustration: Microsoft Stock

Vampire (Fantastische Fakten)

Das geheime Leben

In Südamerika treibt ein kleiner Jäger sein Unwesen. Er kommt, wenn die Nacht anbricht, ist hungrig und ungehalten. Auf lautlosen Schwingen gleitet er durch die stockfinstere Dunkelheit, die Beute im Visier. Der Vampir des Tierreichs ist die Vampirfledermaus (Desmodontinae). Sie umfasst drei Arten: den Gemeine Vampir (Desmodus rotundus), den Kammzahnvampir (Diphylla ecaudata) und den Weißflügelvampir (Diaemus youngi). Die durchschnittlich etwa handgroßen Flugkünstler machen ihrem Namen alle Ehre. Sie sind die einzigen Fledermäuse, die sich ausschließlich von Blut ernähren und werden in der Fachwelt deswegen auch als hämatophag bezeichnet.

Auf dem Speiseplan steht artabhängig Vogel- oder Säugerblut. Der Gemeine Vampir ernährt sich hauptsächlich von Säugetierblut und wird daher im besonderen Fokus dieses Fantastischen Faktes stehen. Prinzipiell kann jedes Tier als Wirt dienen, bevorzugt werden aber größere Säugetiere, darunter auch Nutztiere, wie Rinder, die auf Weideland freilaufen und nachts ungeschützt sind. Jetzt haben wir sofort ein Bild im Kopf: Im Schutze der Dunkelheit stößt die Fledermaus auf seine Beute nieder und beißt sich fest. Tatsächlich beherrscht der Gemeine Vampir die unter Fledermäusen seltene Begabung zu hüpfen.

Zwei Gemeine Vampir-Fledermäuse (Desmodus rotundus) trinken Blut am Huf eines Rindes.
© IMAGO Ardea. Gemeiner Vampir (Desmodus rotundus) auf Streifzug. Vom Boden aus sind Rinderhufe gut zu erreichen. Aus einer kleinen Ritzwunde trinkt der Gemeine Vampir frisches Blut.

So kann er in der Nähe des Wirts landen und sich auf dem Boden annähern, wie auf dem Bild zu sehen. Da Blut keine sonderlich energiereiche Nahrung ist, muss der Kleinsäuger mindestens jede dritte Nacht trinken. Menschen attackieren Vampirfledermäuse dennoch äußerst selten. Am entstehenden Blutverlust in diesen geringen Mengen stirbt kein Wirt, wohl aber an der vom Angreifer übertragenen Tollwut. Ist nachts nicht einmal ein Mensch in Sicht, kann der Nahrungsdefizit schnell zum existenziellen Problem werden. Allerdings sind Vampirfledermäuse ausgesprochen soziale Tiere und wurden sogar schon dabei beobachtet, wie sie hungrige Artgenossen füttern, indem sie ihren Mageninhalt ausspeien.

Bedeutung für die Medizin

Aber kann man Blut eigentlich trinken? Alle, die schon mal eine Schnittwunde hatten, wissen, dass Blut nach kurzer Zeit gerinnt. Was ist also der Trick der Vampirfledermäuse? Im Speichel der Fledermäuse sind spezielle Proteine enthalten, die blutgerinnungshemmende Eigenschaften haben. Nur dadurch ist es ihnen ermöglicht, ungehindert Blut zu saugen. Diese evolutionäre Anpassung der Vampirfledermäuse an ihre Daseinsnische blieb nicht lang unbemerkt. Mediziner und Humanbiologen entdeckten in den Proteinen schnell eine grandiose Anwendung für die Medizin: Innere Blutgerinnsel stellen gerade in der älteren Bevölkerung ein großes Problem dar. Diese entstehen im Inneren eines Blutgefäßes, obwohl keine äußere Verletzung vorliegt, und wird durch Fehlregulation des Blutgerinnungssystems verursacht.

Die im Fledermausspeichel gefundenen Substanzen inspirierten Forscher und halfen bei der Entwicklung des sogenannten Plasminogen-Aktivators, der klinisch vor allem bei der Behandlung von Schlaganfällen Einsatz findet. Hierbei handelt es sich zwar um ein vollsynthetisches Medikament, das also nicht durch zum Beispiel Extraktion aus dem Fledermausspeichel gewonnen wird, aber das maßgeblich nach dem Vorbild des Fledermausspeichels entwickelt wurde.


Quellen:

Vampirfledermäuse – Vorbild für die Medizin: https://www.esanum.de/today/posts/vampirfledermaeuse-in-der-medizin (02.01.2026)

Gemeiner Vampir: https://de.wikipedia.org/wiki/Gemeiner_Vampir (02.01.2026)

Vampirfledermäuse: https://de.wikipedia.org/wiki/Vampirflederm%C3%A4use (02.01.2026)

Helen Hauck im Porträt

Helen Hauck

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