Heute, am 3. März, ist der internationale Tag des Artenschutzes. Aber nicht nur die vom Aussterben bedrohte Europäische Sumpfschildkröte, oder das Moorveilchen verdienen Aufmerksamkeit, sondern auch Organismen außerhalb der Tier-und Pflanzenwelt.
Flechten und Moose mögen zwar einerseits an jeder Ecke wachsen (buchstäblich!) und uns manchmal im Alltag kaum auffallen, doch beide Gruppen sind aus drei Gründen wichtig für den Artenschutz. Welche davon kanntest du noch nicht?
Was sind Flechten?
Wenn du dir eine Baumrinde, oder auch einen Felsen einmal genauer angeschaut hast, werden dir bestimmt einige ‚bunte Gewächse‘ ins Auge gefallen sein. Flechten leben auf verschiedensten Untergründen: Auf Bäumen, Felsen, Hauswänden, auf Holzbänken und Steintreppen. Sie können sich selbst in den schwierigste Bedingungen etablieren, zum Beispiel in Wüsten, in hohen Gebirgen, und sogar in der Antarktis. Das ist möglich, weil Flechten eine Art ‚Doppellebewesen‘ sind. In Wirklichkeit ist jede Flechte nämlich eine Verbindung, eine Symbiose, aus zwei Organismen. Was wir mit bloßem Auge sehen, ist der Thallus, welcher von einem Pilz gebildet wird. Der andere Symbiosepartner ist meist eine Grünalge, manchmal auch eine Blauaulge. Diese sind in der Lage, Photosynthese zu betreiben und so beide Organismen mit Nährstoffen zu versorgen. Eine perfekte Partnerschaft, aus der eine riesige Vielfalt hervorgeht. Flechten sind als Extragruppe im Pilzreich klassifiziert.



Was sind Moose?
Auch Moose begegnen uns im Alltag häufig. Genau wie Flechten können sie in den verschiedensten und extremsten Ökosystemen und Landschaften überleben, von feuchten Wäldern über trockene Canyons bis zu wechselhaften Städten. Moose gehören zum Pflanzenreich, obwohl sie etwas anders aufgebaut sind als Blütenpflanzen, Bäume, oder Büsche. Moosarten haben nämlich keine leitfähigen Wurzeln, sondern lediglich ein Festhalteorgan, genannt Rhizoide, mit welchem sie sich an nackten Felsen, Wurzeln, oder auch Faultierfell klammern. Auch können Moose kein Lignin bilden, weshalb sie kein Gehölz entwickeln, wie es Bäume oder Sträucher tun. Anstatt, wie andere Pflanzen, Wasser und Nährstoffe in einem Leitungssystem zu transportieren, nehmen Moose alles, was sie brauchen, mit ihrer Oberfläche auf und nutzen den Platz ihrer flexiblen Zellen. Manche Moosarten (zum Beispiel die der Gattung Torfmoose) können die 20-fache Menge ihres eigenen Gewichts an Wasser aufnehmen. Damit sind sie ein unverzichtbarer Wasserspeicher für ihre Umgebung.


Tragende Rolle in Ökosystemen und Klima
Wegen ihrer Fähigkeit, auf verschiedensten Substanzen zu gedeihen, bilden Flechten und Moose als Pioniergruppen regelrecht den Anfang, bevor schließlich Gräser, Büsche, Bäume sowie verschiedenste Tiere dazukommen und über Jahrzehnte und Jahrhunderte ein vielfältiges Ökosystem entsteht. Doch auch wenn die Landschaften etabliert sind, übernehmen Flechte und Moose wichtige Aufgaben. Ihre Struktur ermöglicht ihnen, Wasser aufzunehmen, zu speichern, und an den Boden abgeben. Dies bietet nicht nur Überflutungsschutz, sondern sorgt auch für ein kühles lokales Klima im Ökosystems. Apropos abkühlen – manche Flechten helfen dank ihrer hellen Farbe dabei, Sonnenlicht zu reflektieren. Der daraus resultierende Albedo-Effekt ist ein wichtiger Mechanismus zur Regulierung des globalen Klimas. Dies ist besonders der Fall in Gebirgen in der nördlichen Hemisphere, wo riesige Mengen Cladonia wachsen – Rentierflechten. Sie heißen zurecht so, denn Flechten und Moose sind Hauptnahrungsquellen im Winter. Auch bieten sie Lebensraum für zahlreiche Insekten und Pilze. Als Wasserspeicher, Klimaregulator, Futterquelle, und Habitat tragen Flechten und Moose also erheblich zu Artenvielfalt bei.
Bioindikatoren
Flechten und Moose helfen uns, den Zustand von Ökosystemen und von ihrer Umgebung besser zu verstehen. Da beide Gruppen keine Wurzeln besitzen, sondern Nährstoffe und Wasser über ihre Oberfläche aus der Luft aufnehmen, sind sie sehr sensibel gegenüber Luft- und Wasserverschmutzungen. Flechten dienen daher als Indikator, um die Luftqualität ihrer Umgebung zu untersuchen. Anhand der Präsenz oder Abwesenheit von Flechtenarten, sowie des Zustands der gefundenen Individuen lässt sich ablesen, wie belasted ihre Umgebung von Schwefeldioxid, Feinstaub, und Stickoxiden ist. Andersherum deuten empfindsame und hoch spezialisierte Arten daraufhin, dass ein Ökosystem sich in einem sehr guten Zustand befindet – zum Beispiel die hängende Alectorie (Alectoria sarmentosa) oder die Bartflechten der Usnea-Gattung.
Moose hingegen sind gut geeignet, um Belastungen durch Schwermetalle zu untersuchen, da sich diese in ihren kleinen Körpern anreichen, wenn sie Niederschlag in sich aufnehmen. Das Gemeine Grünstängelmoos (Scleropodium purum) wird hierfür zum Beispiel häufig genutzt, da es sehr weit verbreitet und gewöhnlich ist, sodass sich die Werte verschiedener Untersuchungsflächen gut vergleichen lassen.
Seltene und Bedrohte Flechten und Moose
Etwa 37% der Flechtenarten und ein Viertel der Moosarten in Deutschland sind bedroht. Ausweitung von Kulturlandschaften und Schwinden alter Wälder, sowie Schadstoffbelastungen in Luft und Wasser sorgen dafür, dass sensiblen und spezialisierten Arten geeignete Lebensräume ausgehen. Der Schutz von Mischwäldern mit sehr alten Bäumen sowie Ökosystemen, die weniger Schadstoffen in Luft und Wasser ausgesetzt sind, trägt zum Erhalt der fasizinierenden Flechten- und Moosvielfalt bei. Damit ist auch Tier- und Pflanzenarten geholfen, deren Lebensweise mit Flechten und Moosen verflochten ist.
Auf der roten Liste in Deutschland steht zum Beispiel das Zwerg-Filzmützenmoos (Pogonatum nanum).Es braucht nährstoffarme, saure Böden und ist sensibel gegenüber Luftverschmutzung durch erhöhte Mengen an Stickstoff.
Ramalina fraxinea reagiert ebenfalls sensibel auf verunreinigte Luft. Die Flechte lebt in Baumrinden und ist in Deutschland stark gefährdet.
Allerdings gibt es auch gute Nachrichten hinsichtlich der Flechten- und Moosartenvielfalt.
Quellen
https://naturschutzbund.at/neuigkeiten-liste-312/items/moose-perfekte-schadstoffsammler.html






