Rettet die Oder – WWF Jugend Kanu-Demos
Die Oder ist so schön, dass man vergisst, dass sie verteidigt werden muss. Die Idylle passt so gar nicht zu dem, was geplant ist. Wir stehen vor der Frage: Wunderschöner Wildfluss – oder Ausbau?
Foto © Gauthier Saillard / WWF
Zwei Wochen auf dem Fluss. Zwei große Kanu-Demos. Ein klares Signal.

Warum eine Kanutour?
Die WWF Jugend Kanutour 2026 auf der Oder ist unser Versuch, diesen Fluss zu schützen: mit Paddeln, mit Jugendprotest und mit Mitmachaktionen direkt am Wasser. Das wird sportlich, politisch, wunderschön, wirksam – und ein Erlebnis, das wir nicht vergessen werden.
Wir sind ca. zwei Wochen auf der Oder unterwegs – von Frankfurt (Oder) bis Stettin (Szczecin). In diesem internationalen Projekt können Menschen aus Deutschland, Polen und Tschechien sowie auch allen anderen Ländern mitmachen. Zwei große Demos sind geplant.
Worum geht’s?
Wir wollen die geplanten Wasserbaumaßnahmen an der Oder im unteren Abschnitt kritisch hinterfragen und wenn nötig stoppen helfen, weil sie massive Risiken für Biodiversität, Auenlandschaften und Wanderkorridore mitbringen. Die Natur steht massiv unter Druck.
Was macht diese Aktion so besonders?
Bei diesem Projekt kannnst du auf vielfältige Weise mitmachen: im Boot, am Ufer, im Orga-Team, in der Pressearbeit – egal wo, wir brauchen alle Hände und Köpfe, die Veränderung schaffen wollen.
„Macht entsteht, wenn Menschen zusammen handeln.“
– Hannah Arendt
Ich will dabei sein!
Perfekt! So kannst du starten:
- Melde dich hier an für unser Oder-Team!
- Druck unser Poster auf und hänge es in deiner Schule oder Uni aus. Es gibt hier das Poster auf deutsch und auf englisch.
- Bei Fragen wende dich an unser Projektteam.

© Peter Jelinek / WWF Jugend
Und YES: Teile diesen Artikel. In der Freundesgruppe. Im Verein. Im Paddel-Chat. In deinem Kurs. In deiner Uni. Diese Tour wird so groß, wie wir sie machen!
Wo, wann, wie: Die Route und der Plan
Route: Frankfurt (Oder) → Stettin (Szczecin)
Dauer: ca. 2 Wochen
Zeitraum: 22.08.–05.09.2026
Demos: Auf dem Wasser sowie am Ufer


Kanudemos – unsere sichtbaren „Ankerpunkte“
Wir planen zwei große Kajakdemos mit klarem Fokus: Schutz der Oder, Stopp problematischer Wasserbaumaßnahmen.
Frankfurt (Oder) 22.08 – Auftakt
Stettin (Szczecin) 05.09 – Abschluss
Für die Demos laden wir breit ein: Zivilgesellschaft (d.h. Alle!), Paddel-Community, Bündnispartner. Wir wollen versuchen rund 100 Kajaks / Kanus / Boote auf dem Wasser zu haben.
Warum machen wir das?
Die Oder ist nicht nur ein Fluss. Sie ist ein einzigartiger Lebensraum. Jetzt ist die Oder noch einer der letzten großen Flüsse in Mitteleuropa, die noch nicht komplett „durchdesignt“/„zerbaut“ wurden. Und genau da setzt das Problem an: Es gibt Pläne, die Oder im Grenzabschnitt Polen/Deutschland so zu verändern, dass sie verlässlicher als Wasserstraße funktioniert. Technisch gesprochen: durch eine Stromregelung, die eine Mindestwassertiefe von 1,80 Metern über große Teile des Jahres absichern soll.
Die Realität dahinter ist simpel: Damit ein Fluss dauerhaft tiefer und berechenbarer wird, muss er in Form gebracht werden. Genau diese Richtung kritisieren wir, weil die Folgen für Natur dabei nicht berücksichtigt werden. Und auch wir Menschen werden die Folgen zu spüren bekommen.

Was ist eine Aue – und warum ist sie so wichtig?
Eine Aue ist die natürliche Überschwemmungs- und Uferlandschaft neben einem Fluss: Wiesen, Wälder, Altarme, Feuchtflächen. Es sind Gebiete die bei Hochwasser Wasser aufnehmen (Retentionsraum) und später wieder abgeben.
Auen sind damit gleichzeitig Lebensraum, Wasserfilter und Schwamm: Sie puffern Extreme (Hochwasser/Dürre) und halten das natürliche System stabil. Wenn dieser Raum kleiner wird, wird Hochwasser steiler und gefährlicher wie in einer Rinne statt auf einer Fläche.

Was bedeutet „Ausbau“ hier konkret?
In der Debatte zur Oder wird „Ausbau“ oft weichgespült. In der Praxis geht es (verkürzt) um genau diese Logik:
- Fahrrinne tiefer machen (Vertiefung) → damit die gewünschte Wassertiefe häufiger erreicht wird.
- Flussführung stabilisieren (Stromregelung) → damit die Strömung sich nicht ständig „selbst neu sortiert“.
- Querschnitt verengen / führen → damit Wasser schneller und zielgerichteter durchläuft (was für Schifffahrt/Technik attraktiv wirkt, ökologisch aber gefährlich sein kann).
Ein Fluss ist nicht nur Wasser in einer Erdrinne. Ein Fluss ist auch das Wasser im Boden daneben also Grundwasser, Quellen, Feuchtgebiete, Landwirtschaft, Trinkwasserräume.
Die drei großen Nachteile:
Grundwasser runter = Auen trocken
(und dann stirbt das System von innen)
Wenn die Fahrrinne tiefer wird, kann der Fluss wie ein Abfluss wirken: Wasser zieht aus dem Umland Richtung Fluss. Ergebnis: Grundwasserspiegel sinkt und die Auen verlieren ihren „Schwammeffekt“.
Konkret bedeutet das:
- Austrocknung von Auen-/Sumpfgebieten (auch mehrere Kilometer vom Fluss entfernt)
- Quellen und Bäche können versiegen, Seen können sich absenken
- Landwirtschaft leidet: Bewässerung schwieriger, Brunnen müssen tiefer gebohrt werden
- betroffen wären u. a. das Untere Odertal / Nationalpark Unteres Odertal sowie Wasserversorgungsräume (z. B. Raum Frankfurt/Oder, Schwedt)
Wir sehen es ist nicht nur „Naturschutz“ sondern auch essenzielle Wasserpolitik.
„Hochwasserschutz“ kann sich ins Gegenteil drehen
Paradox ist vor allem: Das Projekt wird politisch u. a. mit Hochwasserschutz begründet, aber Fachmenschen erwarten genau das Gegenteil!
Verengung und verringerte Auenbreite können das Sommerhochwasser-Risiko erhöhen, weil dem Wasser Ausweichfläche fehlt.
Bringen wir es auf den Punkt:
- engerer Fluss = weniger Platz = Wasserstände steigen schneller/höher
- Auen als Speicher verlieren ihre Funktion → Wasserhochstände werden gefährlicher
- besonders sensibel ist eine Region: Oderbruch (teils unter Meeresspiegel, abhängig von Deichen/Poldern)
Wenn du den Fluss „optimierst“, zerstörst du das, was ihn einzigartig macht
Die Oder sie ist eine Verbindungslinie.
Wie ein grüner Korridor, der Tiere, Pflanzen und ganze Lebensräume miteinander verknüpft. In Mitteleuropa sind solche Linien fast überall weggefallen. Flüsse wurden zu Kanälen gemacht, Ufer wurden betoniert, die Naturdynamik wurde rausgebaut.
Was dann fehlt, ist nicht einfach nur die „Idylle“. Es fehlt die Funktion: Orte für Lebewesen zum Laichen, zum Brüten, zum Überleben in Dürre und Hochwasser. All das geht verloren. Denn genau das leisten naturnahe Ufer, wechselnde Wasserstände und Auen.
2022: der tragische Weckruf
Der zentrale Mechanismus war die Goldalge (Prymnesium parvum) im Zusammenspiel mit Salzbelastung, Hitze/Dürre und Niedrigwasser. Ausbauarbeiten der Oder durch Uferverlust/Sohlumlagerungen würden die Resilienz (Widerstandsfähigkeit) des Flusses zusätzlich schwächen.
Kurz: Wenn ein System so kippen kann, ist die logische Reaktion Schutz und Stabilisierung und es ist absolut verrückt weitere Eingriffe zu planen, welche die Oder noch empfindlicher machen.
Foto © Jennifer Janski / WWF
Woher das Projekt kommt:
die WWF Jugend Fahrradtour 2025
Die Kajaktour ist kein spontaner Einfall. Sie ist die Fortsetzung. 2025 sind wir als WWF Jugend in einer großen Fahrradtour von der Neißequelle (Liberec, Tschechien) bis zur Odermündung (Stettin, Polen) gefahren. Unterwegs hatten wir Naturschutzeinsätze und Gespräche mit Rangern, Wissenschaftlern, Fischern und Menschen, die von der Oder-Katastrophe 2022 direkt betroffen waren.
Außerdem waren wir im Naturschutzgebiet Unteres Odertal und konnten dort mit der Gebietsleitung sprechen. Wir haben ebenso Eindrücke von Industrie- und Wirtschaftsstandorten entlang der Oder bekommen, bis hin zur Tagebau-Realität und Unternehmensstandorten in der Region. So ist für uns aus „einem Fluss auf der Karte“ ein sehr konkreter erster Eindruck geworden.
Das Ergebnis: mehr Klarheit.
Wenn man am Fluss steht und versteht, wie so ein System funktioniert, dann klingt „Ausbau“ plötzlich nicht mehr nach Fortschritt sondern nach einem ziemlich großem Risiko. Und noch etwas ist passiert: Durch die Arbeit 2025 ist die WWF Jugend Bündnispartner der internationalen Koalition „Zeit für die Oder“ geworden. Das heißt: Wir sind nicht allein. Wir bauen Mobilisierung nicht aus dem Nichts, wir knüpfen an Netzwerke an, die schon da sind. Wir alle wollen die Oder als natürlich Fluss erhalten.

Das Team hinter der Kanutour

Justin: „Ich studiere Politikwissenschaft (B.A.) an der Leibniz Universität Hannover und ich bin mit zwei Dingen in LOVE: Menschen kennenlernen und Projekte organisieren. Genau deshalb freue ich mich ehrlich darauf, dich bei diesem Projekt kennenzulernen.“

Vroni: „Ich bin die Vroni, und ich liebe Bewegung, Kunst und die Natur! Seit der Fahrradtour nimmt die Oder einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen ein, und sie zu schützen ist mir ein Anliegen. Du bist auch dabei, oder? 🙂“

Lea: „Ich bin Lea, mache im Moment ein freiwilliges ökologisches Jahr beim WWF und plane jetzt auch die Kanu-Tour mit. Naturschutz ist mir ein sehr wichtiges Anliegen, und ich freue mich auf Gespräche mit euch über verschiedene Naturschutz-Themen!“


