Lurch des Jahres bringt seinen Nachwuchs lebend zur Welt (Fantastischer Fakt)

Bestimmt hast du schon einmal vom Vogel des Jahres gehört? Den diesjährigen (das Rebhuhn) vielleicht sogar mit gewählt? Aber kennst du auch den „Lurch des Jahres„? Auch diese Auszeichnung gibt es. Sie wird seit 2006 von der Deutschen Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde e. V. (DGHT) abwechselnd mit der Bezeichnung „Reptil des Jahres“ vergeben und soll auf die Gefährdung von Amphibien aufmerksam machen. Letztes Jahr war der Moorfrosch dran. Um den diesjährigen „Titelträger“ – den Alpensalamander – geht es heute.

Woran erkennt man den Alpensalamander?

Bekannter ist wohl sein Verwandter mit dem gelb-schwarzen Muster, der Feuersalamander (Salamandra salamandra). Aber wenn du schon einmal in den Alpen wandern warst, ist dir vielleicht auch schon der komplett schwarze Alpensalamander (Salamandra atra) begegnet. Der „Lurch des Jahres 2026“ wird ca. 12 bis 15 cm groß und ist einheitlich „lackschwarz“ gefärbt. Entlang des Rückens haben die Tiere zwei knopfartige Leisten. Andere Namen für den Alpensalamander in Bayern sind Wegnox, Wegnarr, Bergnarr oder Wegmandl.

Das Bild zeigt einen schwarzen Alpensalamander auf Kieselsteinen.
Alpensalamander sind einfarbig schwarz. Bild von Dany auf Pixabay.

Wo und wie lebt der Alpensalamander?

Tatsächlich ist der deutsche Name der Art hier sehr aussagekräftig: Der Alpensalamander lebt in Deutschland wirklich nur im Alpenraum. Um ihn zu sehen, musst du also nach Bayern oder in den Südosten Baden-Württembergs fahren. Die Art bewohnt strukturreiche Bergwälder wie lichte Buchen- und Laubmischwälder in den mittleren und höheren Lagen der Alpen, meist über 800 m. In höheren Lagen können auch Strauchheiden, Alpenweiden, Felsfluren und Schutthalden zu ihrem Lebensraum gehören. Tagsüber sind die Tiere meistens versteckt. Am besten zu sehen sind sie bei leichtem Regen oder am frühen Morgen. Im Gegensatz zu den anderen einheimischen Amphibienarten ist der Alpensalamander ausschließlich landlebend. Das bedeutet, er ist nicht von Oberflächengewässern abhängig – und das hat einen Grund:

Das Bild zeigt eine Berglandschaft im Allgäu: Weiter unten wachsen Nadelbäume, im Vordergrund sind Bergwiesen zu sehen. Aus dem Tal steigen Wolken auf und der Himmel oben ist ebenfalls bewölkt.
Wie der Name schon sagt, lebt der Alpensalamander in Deutschland
nur im Alpenraum, zum Beispiel im Allgäu. ©Johanna Kaucher

Wie war das jetzt mit „lebendgebärend“?

Der Grund dafür, dass der Alpensalamander nicht auf Gewässer angewiesen ist, ist seine Fortpflanzungweise. Die meisten Amphibien legen ihren Laich (die Eier) im Wasser ab, wo die Larven schlüpfen und den ersten Teil ihres Lebens mit Kiemen atmen. So machen es auch fast alle unsere heimischen Amphibien. Eine Ausnahme bilden die Salamander. Während weibliche Feuersalamander fertige Larven ins Wasser setzten, geht der Alpensalamander noch einen Schritt weiter und bringt direkt 1- 2 voll entwickelte Jungtiere zur Welt. Das nennt man Viviparie. Die komplette Entwicklung der Eier bis zur Metamorphose findet im Uterus des Muttertiers statt. Ein Gewässer als Zwischen-Lebensraum ist daher nicht nötig.

Und wie lange dauert so eine „Alpensalamander-Schwangerschaft“? Bei so einem kleinen Tier könnte man denken, dass das ganze nicht lange dauert. Tatsächlich ist die Tragzeit aber deutlich länger als eine menschliche Schwangerschaft! Sie hängt von der Höhenlage ab und beträgt ca. 2 Jahre. In höheren Lagen können es sogar bis zu 5 Jahre sein. Die Jungtiere sind ca. 4 bis 5 cm groß, wachsen also noch. Sie können ca. 15 Jahre alt werden.

Hast du schon mal einen Alpensalamander gesehen?

Ist der Alpensalamander gefährdet?

Die Art gilt momentan in der Roten Liste Deutschlands als ungefährdet. Der Alpensalamander ist durch sein beschränktes Vorkommen zwar selten, dort wo er vorkommt, aber meist sogar häufig anzutreffen. Er ist europaweit durch die FFH-Richtlinie geschützt und auch in Deutschland nach dem Bundesnaturschutzgesetz „streng geschützt„. Lokale Vorkommen des Alpensalamanders können durch Lebensraumverluste wie den Bau von Skipisten oder die Umwandlung von Bergmischwäldern in Fichtenmonokulturen gefährdet sein. Die Art gilt außerdem als klimasensibel. Deshalb könnte der Klimawandel für den Alpensalamander zum Problem werden, wenn dadurch sein Verbreitungsgebiet schrumpft.

Amphibienschützer:innen bereitet auch noch etwas anderes Sorgen: Der Feuersalamander wird aktuell durch einen eingeschleppten Hautpilz (Bsal) bedroht. Was es damit genau auf sich hat und wie du durch Schuhe putzen dazu beitragen kannst, den Hautpilz nicht zu verbreiten, erfährst du hier. Zwar wurde der Pilz bisher im Freiland bei Alpensalamandern noch nicht festgestellt, aber im Labor erkrankten bereits Tiere. Außerdem hat es der Pilz bereits bis ins Allgäu geschafft – gar nicht weit entfernt von einigen Alpensalamandervorkommen.

Das Bild zeigt einen Feuersalamander auf einem Wanderweg in Nahaufnahme.
Etwas besser bekannt als der Alpensalamander ist sein Verwandter der Feuersalamander, der von einem eingeschleppten Hautpilz betroffen ist. ©Johanna Kaucher

Wenn du etwas zum Schutz des Alpensalamanders beitragen möchtest, kannst du dich also für Klimaschutz und den Erhalt seines Lebensraums einsetzen. Wenn du zum Wandern in die Alpen fährst, kannst du vor deiner Abfahrt außerdem deine Schuhe gründlich säubern sowie warm und trocken lagern, um keine Erde mit Sporen des Pilzes in die Alpen zu tragen. Auf dieser Karte kannst du nachschauen, ob Bsal bei dir in der Nähe bereits nachgewiesen wurde (sie zeigt allerdings den Stand von 2020).

Mehr über Amphibien erfahren

Du möchtest mehr über heimische Amphibienarten erfahren? Mehr über einen Verwandten des Alpensalamanders, den Feuersalamander, gibt es hier. Wie du selbst ganz einfach zum Schutz der beiden Arten beitragen kannst, erfährst du in diesem Tipp der Woche. Wenn du etwas über die Erdkröte erfahren möchtest, lies diese Story. Und hier erfährst du, wie eine Amphibienschutzaktion im Straßenverkehr abläuft.

Wusstest du, dass es in Deutschland nur 20 Amphibienarten gibt? Viele davon sind auch für Laien einfach zu bestimmen. Diese Tiergruppe eignet sich deshalb sehr gut, wenn du deine Artkenntnisse verbessern möchtest für den Einstieg. Einen sehr übersichtlichen Bestimmungsschlüssel zum Ausdrucken gibt es zum Beispiel vom BUND Naturschutz. Wenn du mehr willst, ist vielleicht einer der Amphibien-Kurse der NABU Naturgucker Akademie etwas für dich.

Quellen (zum Nachlesen)

Johanna Kaucher am Strand

Johanna Kaucher

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