Helfen am Amphibienzaun (Tipp der Woche)

Liegt bei dir zuhause auch der Frühling in der Luft und du hast richtig Lust eine Aktion zu starten oder irgendwo anzupacken? Dann ist der heutige Tipp der Woche etwas für dich! Wie wäre es denn mit einer Beteiligung an einem Naturschutzeinsatz? Das frühe Frühjahr bietet dazu nämlich viele Gelegenheiten: Denn wenn die Temperaturen steigen, beginnt in Deutschland die Amphibienwanderung.

Warum ist Straßenverkehr ein Problem für Amphibien?

Vor allem Erdkröten (Bufo bufo), aber auch Gras- und Springfrösche und die heimischen Molcharten wandern im Frühling von ihrem Landlebensraum zu ihren Laichgewässern. Ein häufiges Problem: Straßen, die die Wanderstrecken der Tiere kreuzen und für diese zur Gefahr werden. Vielleicht hast du selbst an manchen Stellen schon einmal das Achtung-Kröten-Schild gesehen? Um an besonders sensiblen Stellen zu verhindern, dass große Teile der lokalen Population überfahren werden, gibt es an vielen Orten in Deutschland Aktionen von Naturschutzverbänden.

Das Bild zeigt ein Erdkrötenpaar. Das Männchen klammert sich auf den Rücken des größeren Weibchens und lässt sich tragen.
Vor allem Erdkröten werden häufig auf Straßen überfahren. Bild: eigene Aufnahme.

Was passiert bei einer Amphibienschutzaktion?

An Orten, an denen ansonsten viele Tiere überfahren werden würden, stellen Aktive von Verbänden wie NABU oder BUND – oft zusammen mit den Behörden – einen Amphibienzaun auf. Diese dunkelgrünen, etwa einen halben Meter hohen Zäune hast du vielleicht schon mal gesehen. Sie werden zum Beispiel auch an Baustellen verwendet, um zu verhindern, dass kleinere Tiere in den Baubereich gelangen. Entlang des Zauns werden meist Eimer in den Boden eingelassen. Wandernde Amphibien laufen entlang des Zauns und fallen in den Eimer, wo sie morgens von den Ehrenamtlichen bei Kontrollgängen eingesammelt und in in einem Transporteimer sicher über die Straße gebracht werden. Manchmal ist es auch nicht möglich einen Zaun aufzustellen, beispielsweise wenn die betreffende Straße durch ein Wohngebiet führt. Dann sind Menschen in den Abendstunden mit Eimern unterwegs und sammeln die Tiere direkt von der Straße ein.

Wegen Überfüllung geschlossen. In einem Eimer am Amphibienzaun kann es an manchen Tagen ganz schön voll werden. Bild: eigene Aufnahme

Wie kann man mitmachen?

Wie du dir vielleicht vorstellen kannst, benötigen solche Aktionen oft viele Menschen. Denn steht irgendwo erst mal ein Amphibienzaun, muss dieser jeden Tag kontrolliert werden, damit die Tiere nicht zu lange in den Eimern festsitzen. Daher freuen sich viele Gruppen, wenn neue Aktive hinzukommen. Oft gibt es anfangs eine kleine Einführung und man muss kein Experte sein oder großes Vorwissen besitzen, um zu helfen. Sowohl der NABU als auch der BUND sind in vielen Orten Deutschlands mit Amphibienaktionen aktiv. Schau doch einfach mal, ob es in deiner Nähe eine Aktion gibt! Eine Übersicht über bestehende Schutzzäune gibt es in dieser Datenbank. Manchmal wird auch aktiv in der Zeitung nach helfenden Händen gesucht. Zwar kann es sein, dass die Aktionen an einigen Orten schon seit Februar laufen, so richtig los geht es aber erst jetzt im März. Wichtig für die Amphibien ist nämlich nicht die Temperatur tagsüber, sondern dass die Temperaturen abends deutlich über dem Gefrierpunkt (ca. 6-8° C mindestens) liegen. Am besten sind außerdem Abende mit Regen – leider ein kleiner Nachteil für die menschlichen Helfer. Bei normalen Witterungsbedingungen ist der Höhepunkt der Wanderungen Mitte März. Je nachdem in welcher Region und Höhenlage du wohnst, kann sich die Wanderung sogar auch noch in den April verschieben.

Das Bild zeigt einen Grasfrosch, der sich hinter einen Stein auf einem Wanderweg duckt.
Nicht nur Erdkröten auch Grasfrösche (Rana temporaria) wandern im Frühjahr zu ihren Laichgewässern und können bei Amphibienaktionen in eurem Eimer landen. Bild: eigene Aufnahme

Was braucht man, wenn man mitmachen will?

Je nach Gruppe kann es sein, dass das Material gestellt wird oder du selbst etwas mitbringen muss. Für die Sicherheit der Helfer an der Straße ist es gut und teils vorgeschrieben eine Warnweste zu tragen. Generell sollte man immer auch auf die eigene Sicherheit achten. Es bringt zum Beispiel eher wenig, spontan nachts auf der Landstraße Tiere einzusammeln, ohne eine geplante Aktion und Sicherheitsvorkehrungen. Zum Transport der Tiere werden meist Eimer benutzt. Diese sollten nicht zu niedrig sein, weil zum Beispiel Frösche sonst herausspringen könnten. Da die Aktionen in der Dämmerung stattfinden, ist eine Taschenlampe wichtig. Am besten sind Stirnlampen, um die Hände freizuhaben und weitere Lampen, um gezielt zu leuchten. Oft sind auch Handschuhe – am besten Einweghandschuhe aus Nitril – vorgeschrieben, um der Übertragung von Amphibienkrankheiten auf weitere Tiere vorzubeugen (für Menschen sind diese nicht gefährlich). Mehr zu Amphibienkrankheiten und dem Thema Hygiene erfahrt ihr in dieser Story.

Das Bild zeigt ein Erdkrötenpaar im Lichtkegel einer Taschenlampe auf einer Straße.
Da Amphibien vor allem nachts und in der Dämmerung unterwegs sind, benötigen Helder bei Sammelaktionen eine Taschenlampe. Außerdem sollte immer auf die eigene Sicherheit im Dunkeln am Straßenrand geachtet werden. Meistens wird dafür eine Warnweste empfohlen oder ist sogar verpflichtend. Bild: eigene Aufnahme

Was ist noch wichtig für den Amphibienschutz?

Natürlich ist der Straßenverkehr nur eine von vielen Ursachen für die Gefährdung von Amphibien. Auch gibt es Arten, die nicht in eurem Eimer landen werden, weil sie beispielsweise zu den Spätlaichern gehören und erst später im Jahr und nicht in Massen wandern. Am wichtigsten für den Schutz unserer heimischen Amphibienarten ist der Schutz der Lebensräume. Da Amphibien sowohl einen Wasser- als auch einen Landlebensraum und teils noch einen eigenen Überwinterungslebensraum benötigen, sind sie besonders sensibel gegenüber Veränderungen in der Landschaft. Ein Grund dafür, dass viele Amphibienarten heute bedroht sind, ist der Verlust ihrer natürlichen Lebensräume. Die meisten Arten waren nämlich eigentlich Bewohner natürlicher Flussauen, wie es sie heute in Mitteleuropa kaum noch gibt. Durch die Dynamik des Flusses wurden passende Lebensräume immer wieder neu gebildet. Neben dem Einsatz an Straßen hilft es Amphibien also auch, wenn du dich für eine reich strukturierte Kulturlandschaft und für Klimaschutz einsetzt. Denn auch der Klimawandel ist ein Bedrohungsfaktor für Amphibien, weil beispielsweise Laichgewässer zu oft austrocknen oder die Tiere zu früh aus der Winterstarre kommen. Wie du dich auch im eigenen Garten für Amphibienschutz einsetzten kannst, erfährst du zum Beispiel hier.

Das Bild zeigt zwei Bergmolche - ein Männchen und ein Weibchen - im Wasser.
Nicht nur Kröten und Frösche, auch Molche (wie diese beiden Bergmolche) wandern im Frühjahr zu ihren Laichgewässern und können vom Straßenverkehr betroffen sein.

Warum es sich lohnt mitzumachen

Wenn es doch noch so viele andere Bedrohungen für Amphibien gibt, lohnt es sich dann überhaupt die Tiere mit so großem Aufwand an den Straßen einzusammeln? Die Antwort lautet ja! Zum einen kann zumindest einigen Arten an sensiblen Stellen geholfen werden, zum ist es nicht nur aus Naturschutz-, sondern auch aus Tierschutzgründen sinnvoll. Außerdem sind die jährlichen Aktionen über Deutschland verteilt zusammengenommen die größte Artenschutzaktion bei uns überhaupt! Es ist ein tolles Gefühl, ein Teil davon zu sein und etwas so Konkretes für den Naturschutz beitragen zu können. Also schnappt euch doch einfach einen Freund oder eine Freundin und sucht die nächste Aktion in eurer Region raus. Es lohnt sich! 😉

Hier gibt es noch mehr Fakten über die Erdkröte. Hier erfahrt ihr mehr über den Feuersalamander und hier, wie ihr ihm mit Schuhe putzen helfen könnt. Den letzten (leckeren) Tipp der Woche findet ihr hier.

Johanna Kaucher am Strand

Johanna Kaucher

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