Abholzung im Auftrag des Osterhasen?

Schoko-Osterhasen, Schoko-Eier, Pralinen – nicht nur, aber besonders an Ostern ist vieles aus Schokolade.

In dieser Story schauen wir einmal genauer hin: Was bringt unsere Lust auf Schokolade mit sich? Geschieht gar Abholzung im Auftrag des Osterhasen? Und: Wie kann man es besser machen?

Unstillbarer Schokoladenhunger

Für viele Menschen in den Industrieländern gehört Schokolade zum Alltag.

Wir Menschen in Deutschland sind dabei so etwas wie Weltmeister: Über 9 Kilogramm Schokolade pro Person/Jahr werden bei uns gegessen. Nur wenige Länder toppen diesen Wert. Die größten Mengen davon werden an Ostern und Weihnachten gekauft.

Doch das hat auch einen bitteren Beigeschmack: Unser Appetit auf Schokolade hat Auswirkungen auf Menschen, Tiere und ganze Ökosysteme.

Dabei macht es einen Unterschied, wo der Kakao für unsere Schokolade herkommt und wie er angebaut wird.

Ein Mann pflückt eine gelbliche Kakao-Frucht vom Baum
Was weißt du über den Kakao-Anbau? / © Elias Shariff Falla Mardini, pixabay.com

Fakten zum Kakao-Anbau

Hier die wichtigsten Fakten zum Kakao-Anbau:

  • Kakao wird hauptsächlich in den tropischen Ländern am Äquator angebaut, d.h. in Westafrika, Südamerika und Südostasien. 2/3 der weltweiten Kakao-Ernte kommen aus Westafrika.
  • In der Elfenbeinküste und in Ghana ist der Kakao-Anbau für über 60% der Entwaldung in der Landwirtschaft verantwortlich. In der Elfenbeinküste wurden bereits über 94% der Wälder für die Landwirtschaft zerstört, in Ghana 80% der Wälder – der größte Teil davon für den Anbau von Kakao.
  • Jede Kakao-Frucht enthält bis zu 50 Samen, die nach der Ernte aus dem Fruchtfleisch gelöst und getrocknet werden.
  • Kakaopflanzen werden hauptsächlich von Kleinbauern und Kleinbäuerinnen angebaut. Weltweit sind über 5 Millionen Menschen im Kakao-Anbau tätig.
Mehrere gefüllte Jutesäcke liegen auf- und nebeneinander
Der Großteil der weltweiten Kakao-Ernte stammt aus Ghana und der Elfenbeinküste. / © pixabay.com

Auswirkungen des Kakao-Konsums auf die Natur

Unser Schokoladenkonsum hat also Auswirkungen auf die Umwelt.

Kakao gehört zu den größten Treibern der Entwaldung in der Landwirtschaft. Riesige Flächen werden für den Anbau gerodet, und dabei verlieren Tiere und Pflanzen ihren Lebensraum.

Da Kakao in der Regel in Monokulturen angebaut wird, ist die Artenvielfalt in den Plantagen gering und die Pflanzen sind anfälliger für Krankheiten. Pestizide sollen dies lösen, verschlechtern aber die Boden- und Wasserqualität zusätzlich und verringern die Artenvielfalt weiter.

Bei zu geringem Ertrag sind die Kleinbäuer:innen gezwungen, weiterzuziehen und durch Brandrodungen neue Flächen zu erschließen. Nachhaltiger Anbau lohnt sich für viele nicht, da sie keine Landrechte besitzen.

Wird beim Anbau also nicht auf umweltschonende Methoden geachtet, treibt der Anbau von Kakao die Entwaldung voran und verringert die Biodiversität.

Neben Abholzung gibt es jedoch noch ein weiteres Problem: Der Klimawandel. Dürren, Starkregen und Überschwemmungen zerstören Ernten, gleichzeitig breiten sich neue Pflanzenkrankheiten aus. Denn Kakaopflanzen sind sehr empfindlich und reagieren bereits auf geringe Temperaturschwankungen.

Dadurch wird Kakao knapper, die Qualität leidet und der Preis steigt.

Um die Menge halten zu können, werden immer mehr Ressourcen und Waldflächen gebraucht – ein Teufelskreis.

Zwei ausgebreitete Hände halten geröstete Kakaobohnen
Immer größere Flächen werden für den Kakao-Anbau benötigt, da Klimaveränderungen den Ertrag reduzieren. / © pixabay.com

Soziale Auswirkungen

Nicht nur die Natur, auch die Menschen sind von den Folgen unseres Kakaohungers betroffen: Kakao ist ein sehr beliebter Rohstoff und die Lieferketten sind meist komplex und wenig transparent. Sie sind von ungleichen Machtverhältnissen geprägt: große Konzerne auf der einen Seite, Kleinbauern und -bäuerinnen auf der anderen Seite. Von dem, was wir für eine Tafel Schokolade bezahlen, erhalten die Kleinbauern nur wenige Cent. Oft arbeiten deswegen Kinder auf den Plantagen mit, um das Einkommen der Familie zu sichern. Und da Kakao meist in Monokultur angebaut wird, ist der Kakao-Anbau oft die einzige Einkommensquelle. Zudem werden die Kakaobohnen zur Verarbeitung in andere Länder exportiert, so dass in den Anbauländern nur wenig Geld verbleibt.

Eine Frau sitzt auf einer Holzbank, auf ihrem Schoß mehrere gelbliche Kakaofrüchte, im Hintergrund Kakaobäume
Nachhaltiger Kakao-Anbau verbessert die ökologische und soziale Situation in den Anbauländern. / © Tobias Nii Kwatei Quartey, unsplash.com

Lösungen: So kann Kakao-Anbau zum Naturschutz beitragen

Doch es muss nicht so sein. Kakao-Anbau kann auch natur- und sozialverträglich erfolgen.

Mögliche Lösungen sind z.B.:

  • Agroforstsysteme statt Monokulturen: Kakaobäume werden gemeinsam mit anderen Pflanzen angebaut, die sich gegenseitig unterstützen und Schatten spenden. So entstehen widerstandsfähigere Ökosysteme, die Artenvielfalt steigt, Erntemengen werden stabilisiert und das Einkommen der Kleinbauern gesichert.
  • Kleinbauern und -bäuerinnen stärken: Kleinbauern brauchen gesicherte Landrechte, langfristige Verträge und ein existenzsicherndes Einkommen. Der Umbau hin zu Agroforstsystemen ohne Entwaldung benötigt finanzielle Unterstützung und landwirtschaftliche Schulungen. So können sie in nachhaltige Anbaumethoden investieren und indigenes Wissen aktivieren.
  • Nachhaltige Lieferketten und Verantwortung der Konsument:innen: Alle Unternehmen müssen ihre Lieferketten auf Nachhaltigkeit und Transparenz prüfen. Dazu zählen Entwaldungsfreiheit und die Einhaltung der Menschenrechte. Ein Beitrag ist hier die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Konsument:innen sollten auf Bio-Anbau sowie fairen Handel achten.
Ein Mann steht in einem Wald.
Agroforstsysteme bringen Vorteile für die Natur und die Menschen. / © Kawe Rodrigues, unsplash.com

Das kannst du tun

  • Achte auf Bio-Qualität und fairen Handel. Die entsprechenden Siegel (z.B. Fairtrade, GEPA, Rainforest Alliance) sind dabei eine gute Hilfe.
  • Unterstütze Unternehmen, bei denen ein Großteil der Verarbeitung und Wertschöpfung vor Ort in den Anbauländern stattfindet, z.B. Fairafric (Ghana) oder Paccari (Ecuador).
  • Mache dir bewusst, wo überall Kakao enthalten ist. Genieße Schokolade und Kakao bewusst und reduziere deinen Konsum.
  • Informiere dich über verschiedene Schokoladenhersteller: Welche sind vorbildlich, welche sollte man besser meiden? Das hat der WWF in der Schokoladen-Scorecard ermittelt.
  • Teile dein Wissen mit anderen.
  • Die EU-Entwaldungsverordnung ist, wie mehrere andere Naturschutzrichtlinien, derzeit in Gefahr. Unterstütze die Hands-off-Nature-Kampagne und setze dich für starke Naturschutzgesetze ein.
Ein Mann sitzt auf einem Holstamm, vor sich einen Korb mit geblichen Kakaofrüchten, in den Händen hält er ebenfalls Kakaofrüchte. Im Hintergrund Kakaobäume.
Auch der WWF setzt sich für nachhaltigen Kakao-Anbau ein. / © Tobias Nii Kwatei Quartey, unsplash.com

Das tut der WWF

Der WWF unterstützt verschiedene Projekte, die nachhaltigen Kakao-Anbau fördern. Der WWF setzt sich dafür ein, dass kein weiterer Regenwald für den Kakao-Anbau gerodet wird und der Anbau naturverträglich erfolgt. In mehreren Projekten werden z.B. Bäuerinnen und Bauern geschult und vielfältigere Einkommensquellen erarbeitet. Zudem tritt der WWF für faire Arbeitsbedingungen und Entlohnung sowie transparente Lieferketten ein.

Quellen

WWF Deutschland: „Süß für uns, bitter für den Wald. Warum unser Schokoladenhunger die Wälder bedroht“ vom 20.3.2026, unter https://www.wwf.de/themen-projekte/landwirtschaft/produkte-aus-der-landwirtschaft/kakao/suess-fuer-uns-bitter-fuer-den-wald (Zugriff am 28.3.2026)

WWF Österreich: „Kakao und Schokolade: Wie der Kakao-Anbau unserer Umwelt schadet“, unter https://www.wwf.at/nachhaltig-leben/ernaehrung-und-klimaschutz/kakao/ (Zugriff am 28.3.2026)

Statistisches Bundesamt Deutschland: „Schokolade – Daten und Fakten“, unter https://de.statista.com/themen/4241/schokoladenwaren/.#editorsPicks (Zugriff am 28.3.2026)

Stephanie Steppacher auf einem Trike

Stephanie

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