Artenportrait: Wapiti

Der Wapiti gehört zu den größten und beeindruckendsten Wildtieren der nördlichen Erdhalbkugel! Mit seiner Größe, den Geweihen der Männchen und den weithin hörbaren Brunftrufen ist er ein Symbol für die Weite Nordamerikas. Trotz seiner Ähnlichkeit mit dem europäischen Rothirsch stellt der Wapiti eine eigenständige Art dar, die sich im Laufe der Evolution an sehr unterschiedliche Lebensräume angepasst hat.

Stellung im Stammbaum der Tiere

Der Wapiti trägt den wissenschaftlichen Namen Cervus canadensis und gehört zur Familie der Hirsche (Cervidae). Lange Zeit galt er als Unterart des Rothirsches, genetische Untersuchungen zeigten jedoch, dass er eine eigenständige Art ist. In Nordamerika wird er meist „Elk“ genannt, was im britischen Englisch allerdings den Elch bezeichnet. Der Name „Wapiti“ stammt aus der Sprache der Shawnee-Indianer und bedeutet sinngemäß „weißes Hinterteil“, was auf den hellen Fellfleck am Hinterteil der Tiere hinweist.

So erkennst du ein Wapiti

Wapitis zählen zu den größten Hirscharten der Welt. Nur der Elch übertrifft sie in der Größe. Ausgewachsene Männchen erreichen eine Schulterhöhe von bis zu 1,5 Metern und ein Gewicht von 230 bis 450 Kilogramm, während Weibchen deutlich leichter sind. Der Körperbau ist kräftig, mit langen Beinen, kurzem Schwanz und einem massigen Hals. Besonders auffällig sind die großen Geweihe der männlichen Tiere, die eine Spannweite von bis zu 1,5 Metern erreichen können! Jedes Jahr wird das Geweih abgeworfen und neu gebildet.

Das Fell wechselt je nach Jahreszeit seine Farbe. Im Sommer ist es rötlich-braun, im Winter eher graubraun. Charakteristisch ist außerdem die dunkle Mähne am Hals der Männchen sowie der helle Spiegel am Hinterteil. Während der Brunft sind die Wapitis für ihre lauten, trompetenartigen Rufe bekannt, die über weite Entfernungen zu hören sind.

Lebensweise und Sozialverhalten

Wapitis sind sehr soziale Tiere und leben die meiste Zeit des Jahres in Herden. Weibchen schließen sich mit ihren Kälbern zu Gruppen zusammen, die oft von einer erfahrenen Leitkuh geführt werden. Männliche Tiere leben außerhalb der Paarungszeit meist in eigenen Junggesellengruppen oder einzeln. Zur Brunft im Herbst lösen sich diese Strukturen auf. Die Männchen ziehen dann teilweise über weite Strecken zu ihren Brunftplätzen, wo sie um die Weibchen konkurrieren.

In dieser Zeit kommt es häufig zu beeindruckenden, aber auch gefährlichen Kämpfen zwischen rivalisierenden Hirschen. Die stärksten Männchen sammeln sogenannte Harems aus mehreren Weibchen um sich, die sie verteidigen. Die Brunft ist für die Männchen extrem kräftezehrend und erhöht ihre Sterblichkeit deutlich.

Fortpflanzung und Entwicklung

Nach einer Tragzeit von etwa 260 Tagen bringt das Weibchen in der Regel ein einzelnes Kalb zur Welt. Das Neugeborene wiegt rund 15 Kilogramm und ist zunächst gefleckt, was ihm Tarnung vor Fressfeinden bietet. Die Flecken verschwinden nach wenigen Monaten. Etwa ein halbes Jahr wird das Kalb gesäugt, wächst aber sehr schnell und kann schon bald der Herde folgen.

In freier Wildbahn erreichen Wapitis meist ein Alter von zehn bis fünfzehn Jahren. In Gefangenschaft können sie deutlich älter werden. Männchen haben aufgrund von Kämpfen, höherem Energieverbrauch und Jagd eine geringere Lebenserwartung als Weibchen.

Das fressen Wapitis

Wapitis sind vor allem Grasfresser, passen ihre Nahrung jedoch flexibel an das jeweilige Angebot an. Im Frühjahr und Sommer fressen sie hauptsächlich Gräser, Kräuter und Blütenpflanzen. Im Herbst und Winter erweitern sie ihren Speiseplan um Knospen, Zweige, Rinde, Moose und Flechten. Als Wiederkäuer verfügen sie über ein mehrteiliges Verdauungssystem, das es ihnen ermöglicht auch schwer verdauliche Pflanzen effizient zu verwerten.

Verbreitung und Lebensraum

Ursprünglich waren Wapitis in weiten Teilen Nordamerikas verbreitet, besonders in der Region der Rocky Mountains. Heute leben die meisten Bestände im Westen der USA und Kanadas. Kleine Populationen existieren auch östlich des Mississippi. Darüber hinaus kommen Wapitis in Teilen Asiens vor, etwa in Sibirien, der Mongolei und im Hochgebirge Zentralasiens.

Ihr Lebensraum umfasst offene Wälder, Bergregionen, Graslandschaften und Waldlichtungen. Viele Populationen unternehmen jahreszeitliche Wanderungen zwischen Sommer- und Winterlebensräumen, wobei sie im Winter geschützte, tiefer gelegene Gebiete bevorzugen.

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Natürliche Feinde

Ausgewachsene Wapitis haben aufgrund ihrer Größe nur wenige natürliche Feinde. Dazu zählen große Raubtiere wie Wölfe, Pumas, Braunbären oder in Asien auch Tiger. Kälber sind deutlich stärker gefährdet und können auch kleineren Raubtieren zum Opfer fallen. Zusätzlich bedrohen Krankheiten wie die Chronic Wasting Disease einige Populationen.

Als große Pflanzenfresser spielen Wapitis eine wichtige Rolle im Ökosystem. Durch ihr Fressverhalten beeinflussen sie die Vegetation, fördern die Erneuerung von Pflanzenbeständen und schaffen Lebensräume für andere Tierarten. Gleichzeitig sind sie eine zentrale Beute für große Raubtiere und damit ein wichtiger Bestandteil der Nahrungsketten.

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

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