Smartphones, Küchengeräte, Fernseher, Laptop – in unserem Alltag nutzen wir eine Fülle an Elektrogeräten. Damit wächst gleichzeitig der Berg an Elektroschrott, den wir verursachen. Gut 12 Kilogramm sind es in Deutschland. Pro Jahr und pro Person. Das ist eine ganze Menge.
In diesem Tipp der Woche erfährst du, wie du Elektroschrott vermeiden oder zumindest verringern kannst – und warum das überhaupt einen Unterschied macht.

Das Problem hinter dem Problem
Man könnte meinen, was ist denn so schlimm daran, wenn wir Elektrogeräte wegwerfen? Andere Dinge werfen wir doch auch weg. Die Müllabfuhr kommt, der Müll ist weg. Erledigt.
Aber… so einfach ist es natürlich nicht.
Wie alle anderen Gegenstände haben Elektrogeräte in ihrer Herstellung eine beachtliche Menge an Ressourcen verbraucht. Metalle, Kunststoffe, seltene Erden, natürlich eine Menge an Energie für die Förderung der Rohstoffe und deren Verarbeitung. Hinzu kommt gerade bei Rohstoffen, die in Elektrogeräten verarbeitet sind, dass viele der Stoffe mit hohen Umweltbelastungen gewonnen werden und teils unter menschenrechtlich fragwürdigen Bedingungen abgebaut werden.
Du siehst: Schon bevor ein Gerät im Laden oder bei dir zu Hause landet, hat es einen beachtlichen ökologischen Rucksack auf.
Bei den allermeisten Geräten gilt: Der Energieverbrauch bei der Herstellung ist größer als bei der Nutzung.
Springen wir direkt von der Herstellung zur Entsorgung: Die entsorgten Elektrogeräte enthalten potentiell schädliche Materialien. Diese können die Umwelt verschmutzen und/oder bergen Gesundheitsgefahren für Menschen.

Ein wachsender Berg
Ein Blick in die Statistik verrät uns, dass die Menge an Elektroschrott stetig wächst. 2012 wurden in der EU 3 Millionen Tonnen alte Geräte gesammelt, 2021 waren es 4,9 Millionen Tonnen.
Damit ist Elektroschrott der am stärksten zunehmende Abfallbereich in der EU. Und weniger als 40% davon werden recycelt!
In Deutschland wurden 2021 12,1 kg Elektro- und Elektronikgeräte pro Person entsorgt. Vom kleinen Baby bis zur Oma: 12,1 kg pro Person. Den Rekord hält Österreich (15,5 kg), auf Zypern ist es am wenigsten (4 kg).
Und das ist immer noch nur ein Teil der Wahrheit. In Deutschland werden nur etwa 50% der Geräte, die verkauft werden, später auch wieder eingesammelt. Das heißt, die Hälfte „verschwindet“.

Das kannst du tun
Du hast gesehen: Elektroschrott ist ein Problem für die Umwelt und fällt in großen Mengen an. Doch wir können dem entgegenwirken. Mit ein paar Tricks ist es gar nicht so schwer, den Berg an Elektroschrott zu verkleinern. Mach mit und bringe auch dein Umfeld dazu, einen Beitrag zu leisten!
- Länger nutzen: Ein Gerät ist zwar „out“, aber eigentlich noch voll funktionsfähig? Kein Grund, es wegzuwerfen! Nutze es weiter und befreie dich von dem Gedanken, dass es ein schlechtes Gerät ist, nur weil es neuere gibt. Setze ganz bewusst ein Statement und steh zu Nachhaltigkeit. Vielleicht bringt das ja auch Menschen aus deinem Umfeld zum Nachdenken?
- Reparieren statt entsorgen: Bringe kaputte Geräte zur Reparatur. Oder frage versierte Menschen in deinem Umfeld, ob sie das Gerät reparieren können. Eine sehr gute Anlaufstelle sind auch Repair-Cafes. Dort reparieren Ehrenamtliche kaputte Dinge, oft auf Spendenbasis und immer mit dem Ziel, Müll zu vermeiden. Ich habe dort z.B. einen CD-Player reparieren können. Das Ersatzteil hat 2 € gekostet und das Gerät wurde vor dem Müll gerettet.
Manchmal ist ein Gerät nur „Schrott“, weil es dafür kein Update mehr gibt. Bei PCs kann dann ggf. ein Wechsel auf ein anderes Betriebssystem helfen. z.B. von Windows zu Linux. Ich habe damit meinen Laptop vor der Entsorgung bewahrt, die Kosten lagen unter 100 €. - Leihen statt kaufen: Viele Elektrogeräte brauchen wir nur sehr selten. Waffeleisen, Bohrmaschine, Kreissäge, Diskokugel für die Party. Da ist es völlig ausreichend, wenn du diese Dinge für ein paar Stunden oder Tage ausleihst. Das ist doppelt nachhaltig: Die Dinge werden so von viel mehr Menschen genutzt und es müssen weniger davon hergestellt werden. Zudem sparst du Geld und brauchst zu Hause keinen Platz dafür!
Heimwerkerbedarf kannst du z.B. oft in Baumärkten ausleihen, oder frage einfach mal bei Nachbar:innen. In immer mehr Städten gibt es auch sogenannte „Bibliotheken der Dinge“, bei denen du verschiedene Geräte ausleihen kannst – oft sogar kostenlos oder gegen eine sehr geringe Gebühr.
Biete im Gegenzug auch Sachen, die ihr zu Hause habt, zum Verleihen an. - Gebraucht kaufen: Manchmal kommt man trotzdem nicht umhin und muss ein neues Gerät kaufen. Wie wäre es, nach einem gebrauchten Gerät Ausschau zu halten? Entweder in Gebrauchtwarenhäusern bei dir vor Ort oder online. Von Fachleuten geprüfte Geräte findest du u.a. bei „refurbed“ oder „backmarket“. Aber frage dich auch hier vorher: Brauche ich das Gerät wirklich?
- Beim Kauf: Achte darauf, dass das Gerät reparierbar ist. Hat es z.B. Schrauben, oder ist es verklebt? Gibt es vielleicht sogar einen Reparaturservice des Unternehmens oder offen zugängliche Anleitungen, wie man das Teil reparieren kann? Frage bei einem Kauf gezielt danach! Das schafft auch Bewusstsein.
- Nutzen, was schon da ist: Du ziehst bald in eine eigene Wohnung und brauchst ein paar Geräte dafür? Frage mal in der Familie, was vielleicht noch irgendwo rumsteht und nicht benutzt wird. Ein zweites Leben für das Elektrogerät, Gewinn für die Umwelt und gespartes Geld für dich.
- Unterstütze Initiativen, die sich für ein Recht auf Reparatur einsetzen: Unterschreibe z.B. Petitionen, schreibe Briefe/Mails an Politiker:innen, nimm an Veranstaltungen teil und mache das Anliegen besser bekannt.
- Informiere dein Umfeld über die Folgen unserer großen Elektroschrott-Berge und streue Wissen über nachhaltige Möglichkeiten: Sprich mit deiner Familie, deiner WG, deinen Freund:innen darüber. Am besten klappt das, wenn es einen konkreten Anlass gibt. Rege an, Alternativen zu testen. Oder vielleicht kannst du ja sogar einen Infostand in deiner Schule, ein Plakat oder einen Artikel in eurer Schülerzeitung zu dem Thema verfassen?
- Entsorge richtig: Trotz aller Tipps wirst du hin und wieder ein Gerät haben, das nicht mehr zu retten ist. Entsorge es richtig. Elektrogeräte gehören nicht in den Restmüll! Auch nicht kleine wie die elektrische Zahnbürste, nicht einmal deine Bankkarte. Je nach Kommune gibt es entweder feste Sammelstellen, die das ganze Jahr über zugänglich sind, oder es gibt bestimmte Termine, an denen Elektroschrott gesammelt wird. Gib deine alten Geräte dort ab. Viele Geräte kannst du auch bei Geschäften abgeben.

Du möchtest tiefer einsteigen?
Im November findet alljährlich die „Europäische Woche der Abfallvermeidung“ statt. 2025 stand sie unter dem Thema „Reparieren statt wegwerfen: Elektroschrott vermeiden“. Die Auftaktveranstaltung wurde aufgezeichnet und ist hier verfügbar (2:50 Stunden, deutsche Sprache).
Quellen
WWF Deutschland: „Nachhaltige Technik statt Elektroschrott“, vom 26.1.2024, unter https://www.wwf.de/nachhaltiges-wirtschaften/circular-economy/die-zukunft-ist-zirkulaer/nachhaltige-technik-statt-elektroschrott (Zugriff am 26.1.2026)
Europäisches Parlament: „Elektro- und Elektronikschrott in der EU: Zahlen und Fakten (Infografik)“, vom 3.4.2024, unter https://www.europarl.europa.eu/topics/de/article/20201208STO93325/elektroschrott-in-der-eu-zahlen-und-fakten-infografik (Zugriff am 26.1.2026)
BUND Deutschland: „So viel Elektroschrott häufen wir jährlich an“, vom 18.3.2021, unter https://www.bund.net/themen/aktuelles/detail-aktuelles/news/so-viel-elektroschrott-haeufen-wir-jaehrlich-an/ (Zugriff am 26.1.2026)
Berlin Recycling: „Elektroschrott vermeiden: 7 Tipps für mehr Umweltschutz und mehr Geld“, vom 17.3.2021, unter https://www.berlin-recycling.de/blog/impulse/885-elektroschrott-vermeiden-7-tipps-fuer-mehr-umweltschutz-und-mehr-geld (Zugriff am 26.1.2026)






