Wie viel CO₂ können Bäume speichern?

Der Klimawandel gehört mit zu den größten derzeitigen Herausforderungen und einer der Hauptverursacher ist das Treibhausgas Kohlendioxid (CO₂), das vor allem durch Industrie, Verkehr und Energieerzeugung freigesetzt wird. Bäume und Wälder werden oft als natürliche Helfer im Kampf gegen den Klimawandel bezeichnet. Sie nehmen CO₂ aus der Luft auf und speichern es über lange Zeit. Doch wie funktioniert diese Speicherung eigentlich genau? Wie viel CO₂ kann ein Baum oder ein Wald aufnehmen, wo wird der Kohlenstoff gespeichert und bringt es etwas, neue Bäume zu pflanzen?

So nehmen Bäume CO₂ auf

Bäume nehmen CO₂ aus der Atmosphäre durch einen biologischen Prozess auf, der Fotosynthese genannt wird. Dieser Prozess findet hauptsächlich in den Blättern statt und mithilfe von Sonnenlicht wird Kohlendioxid zusammen mit Wasser in Traubenzucker (Glukose) umgewandelt, wobei Sauerstoff entsteht, der wieder an die Luft abgegeben wird. Der Traubenzucker dient dem Baum als Energiequelle und als Baustoff für sein Wachstum.

Der entscheidende Punkt für den Klimaschutz ist der Kohlenstoffanteil des CO₂. Während der Sauerstoff freigesetzt wird, bleibt der Kohlenstoff im Baum und wird genutzt, um neue Zellen zu bilden, Holz aufzubauen und den Baum größer und stabiler zu machen. Deshalb speichern Bäume streng genommen kein CO₂, sondern den darin enthaltenen Kohlenstoff.

Wo ist der Kohlenstoff im Baum gespeichert?

Der aufgenommene Kohlenstoff wird nicht nur an einer Stelle im Baum gespeichert, sondern im gesamten Organismus verteilt. Der größte Teil befindet sich im Stamm, da dort der Großteil der Holzmasse liegt. Aber auch Äste, Zweige, Blätter und vor allem die Wurzeln enthalten große Mengen Kohlenstoff. Etwa die Hälfte des Trockengewichts von Holz besteht aus Kohlenstoff.

Wie viel CO₂ speichert ein einzelner Baum?

Die Menge an CO₂, die ein Baum speichern kann, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Besonders wichtig sind Baumart, Alter, Größe, Holzdichte, Standort und Wachstumsbedingungen. Junge Bäume wachsen schnell und nehmen pro Jahr relativ viel CO₂ auf, haben aber insgesamt noch wenig gespeichert. Alte Bäume wachsen langsamer, enthalten dafür aber sehr große Mengen an Kohlenstoff in ihrem Holz.

Ein konkretes Beispiel ist die Fichte: Eine etwa 35 Meter hohe, 100 Jahre alte Fichte speichert rund 0,7 Tonnen Kohlenstoff. Umgerechnet entspricht das etwa 2,6 Tonnen CO₂. Eine Buche mit demselben Holzvolumen speichert sogar rund 3,5 Tonnen CO₂. Der Unterschied liegt in der höheren Holzdichte der Buche. Generell speichern Laubbäume bei gleichem Volumen mehr CO₂ als Nadelbäume, weil ihr Holz schwerer ist.

Unterschiede zwischen Baumarten

Nicht alle Bäume speichern gleich viel CO₂. Schwere Holzarten wie Hainbuche, Buche oder Eiche speichern besonders viel Kohlenstoff. Leichtere Holzarten wie Fichte oder Tanne speichern weniger. Allerdings wachsen Nadelbäume meist schneller als Laubbäume, weshalb sie in den ersten Jahrzehnten oft mehr CO₂ aufnehmen. Langfristig haben Laubbäume jedoch häufig die Nase vorn, da sie dichteres Holz bilden und sehr alt werden können.

Untersuchungen zeigen außerdem, dass Mischwälder als Gesamtsystem besonders effektiv sind. Sie sorgen für gesunde Böden, mehr Humusbildung und eine höhere Stabilität gegenüber Stürmen, Trockenheit und Schädlingen. Dadurch bleibt der gespeicherte Kohlenstoff länger im Wald gebunden.

CO₂-Speicherung im Wald

Wälder sind enorme Kohlenstoffspeicher. In Deutschland sind laut Bundeswaldinventur rund 2.200 Millionen Tonnen Kohlenstoff in Wäldern gespeichert. Ein großer Teil davon befindet sich in lebenden Bäumen, aber auch Totholz, Streu und vor allem die Böden tragen erheblich zur Speicherung bei. Besonders naturnahe Wälder mit alten Bäumen und viel Totholz sind für den Klimaschutz wertvoll, da sie Kohlenstoff über sehr lange Zeiträume festhalten können.

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Welche Rolle spielt die Nutzung von Holz?

Wird Holz gefällt und beispielsweise im Hausbau oder für Möbel verwendet, bleibt der Kohlenstoff zunächst gespeichert. Ein Holzhaus kann die Atmosphäre um viele Tonnen CO₂ entlasten, da der Kohlenstoff über Jahrzehnte oder sogar Jahrhunderte im Material gebunden bleibt. Gleichzeitig ersetzt Holz energieintensive Baustoffe wie Beton oder Stahl, deren Herstellung große Mengen CO₂ verursacht. Problematisch ist jedoch die Verbrennung von Holz, da dabei der gesamte gespeicherte Kohlenstoff wieder als CO₂ freigesetzt wird.

Hilft es, Bäume zu pflanzen?

Das Pflanzen von Bäumen ist grundsätzlich sinnvoll und wichtig! Jeder Baum trägt zum Klimaschutz bei, indem er CO₂ aufnimmt und speichert. Dennoch ist Baumpflanzung allein kein geeignetes Mittel, um den Klimawandel zu stoppen. Junge Bäume speichern in den ersten Jahrzehnten nur relativ wenig CO₂, viele Setzlinge überleben nicht und die zukünftige Entwicklung der Wälder ist durch den Klimawandel schwer vorhersehbar.

Außerdem zeigt sich, dass der Schutz bestehender Wälder oft wirkungsvoller ist als groß angelegte Pflanzaktionen. Alte Wälder speichern bereits enorme Mengen Kohlenstoff und bieten stabile Böden mit viel Humus. Auch natürliche Waldverjüngung kann effektiver sein als das Pflanzen von Millionen Setzlingen.

Doch wie lange bleibt der Kohlenstoff eigentlich im Baum oder im Boden gespeichert? Und was passiert, wenn ein Baum stirbt oder genutzt wird? Dazu wird es nächste Woche ein Story geben!

Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

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