Auswirkungen des Klimawandels auf die Vogelwelt

Der Klimawandel verändert die natürlichen Lebensgrundlagen weltweit und besonders deutlich zeigen sich diese Veränderungen bei der Vogelwelt. Vögel reagieren sehr sensibel auf klimatische Bedingungen, da ihr Lebenszyklus eng an Jahreszeiten, Temperaturverläufe und das Nahrungsangebot angepasst ist. Langfristige Beobachtungen und wissenschaftliche Studien zeigen, dass der Klimawandel das Verhalten, die Verbreitung und den Fortpflanzungserfolg vieler Vogelarten nachhaltig beeinflusst. Dabei entstehen neue Chancen für einige Arten, während andere zunehmend unter Druck geraten.

Verschiebung von Verbreitungsgebieten und Artenzusammensetzung

Eine der sichtbarsten Folgen des Klimawandels ist die Verschiebung der Verbreitungsgebiete vieler Vogelarten. Mit steigenden Temperaturen verlagern sich geeignete Lebensräume nach Norden oder in höhere Lagen. Wärmeliebende Arten aus südlichen Regionen Europas breiten sich zunehmend nach Mitteleuropa aus. In Deutschland gehören dazu unter anderem Bienenfresser, Wiedehopf, Seidensänger, Zwergohreule oder Purpurreiher, die inzwischen regelmäßig oder zumindest vereinzelt als Brutvögel auftreten. Selbst ungewöhnliche Beobachtungen wie brütende Flamingos verdeutlichen, wie stark sich klimatische Rahmenbedingungen bereits verändert haben.

Gleichzeitig verlieren kälteliebende Arten an Lebensraum. Besonders betroffen sind Vogelarten, die auf bestimmte Klimazonen spezialisiert sind. Hochgebirgsarten wie das Alpenschneehuhn oder der Schneesperling finden durch die Erwärmung der Alpen immer weniger geeignete Rückzugsräume. Da eine Ausweichmöglichkeit in noch höhere Lagen kaum existiert, drohen diese Arten langfristig aus großen Teilen ihres bisherigen Verbreitungsgebiets zu verschwinden. Auch nordische Arten, die bislang regelmäßig in Deutschland überwinterten, ziehen sich zunehmend weiter nach Norden zurück.

Veränderungen von Lebensräumen durch Trockenheit und Extremwetter

Neben der Temperaturerhöhung verändert der Klimawandel auch die Niederschlagsverteilung. Längere Trockenperioden, besonders in den Sommermonaten, führen zur Austrocknung von Feuchtgebieten, Mooren und Auenlandschaften. Diese Lebensräume sind jedoch für viele Vogelarten von zentraler Bedeutung. Wiesenvögel wie Kiebitz, Uferschnepfe, Bekassine oder Großer Brachvogel sind auf feuchte Böden angewiesen, in denen sie ausreichend Nahrung finden. Durch Trockenheit sinkt die Verfügbarkeit von Insekten und Würmern drastisch, was zu geringem Bruterfolg und hohen Verlusten bei Jungvögeln führt.

Auch extreme Wetterereignisse wie Starkregen, Hitzeperioden oder Spätfröste wirken sich negativ auf die Vogelwelt aus. Starkregen kann Nester zerstören oder Küken unterkühlen, während Hitzeperioden insbesondere Jungvögel und Altvögel während der Brutzeit stark belasten. Küstenvögel sind zusätzlich von Sturmfluten und dem steigenden Meeresspiegel betroffen, die Brutplätze überfluten und langfristig zerstören.

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Auswirkungen auf Meeres- und Küstenvögel

Die Erwärmung der Meere zählt zu den gravierendsten Folgen des Klimawandels. Sie verändert die Zusammensetzung mariner Ökosysteme und die Verteilung von Fischbeständen. Viele Seevögel sind auf bestimmte Fischarten spezialisiert, deren Vorkommen temperaturabhängig ist. Besonders deutlich zeigt sich dies beim Rückgang von Sandaalen, einer wichtigen Nahrungsquelle für zahlreiche Küstenvögel.

In Kombination mit intensiver Fischerei führt der Rückgang dieser Nahrungsgrundlage zu massivem Brutausfall. Arten wie Dreizehenmöwe, Trottellumme oder Eissturmvogel zeigen in mehreren Jahren hintereinander geringe oder sogar vollständig ausbleibende Bruterfolge. Hinzu kommen Krankheiten wie die Vogelgrippe, die insbesondere große Kolonien von Seevögeln schwer getroffen haben und den Bestandsrückgang weiter beschleunigen.

Verschiebung von Brutzeiten und Zugverhalten

Viele Vogelarten reagieren auf mildere Winter und frühere Frühjahre mit einer zeitlich vorgezogenen Brut. Auch der Vogelzug verändert sich. Einige Arten kehren früher aus ihren Überwinterungsgebieten zurück oder bleiben zunehmend ganzjährig in Deutschland. Kurzstreckenzieher wie Stare oder Zilpzalpe profitieren dabei stärker als Langstreckenzieher.

Problematisch wird es, wenn sich Brutzeit und Nahrungsangebot zeitlich entkoppeln. Das sogenannte „Mismatch“-Problem tritt auf, wenn Insekten aufgrund warmer Temperaturen früher schlüpfen, die Vögel jedoch ihre Brutzeit nicht entsprechend anpassen können. Ein bekanntes Beispiel ist der Kuckuck, dessen Zugverhalten sich kaum verändert hat, während seine Wirtsarten früher mit der Brut beginnen. Dadurch sinkt sein Fortpflanzungserfolg, was bereits zu regionalen Bestandsrückgängen geführt hat.

Gewinner und Verlierer des Klimawandels

Die Auswirkungen des Klimawandels sind für die Vogelwelt sehr unterschiedlich. Zu den Gewinnern zählen vor allem anpassungsfähige, wärmeliebende Arten sowie solche, die von Schutzmaßnahmen profitieren. Bienenfresser, Zaunammer, Purpurreiher oder Zwergdommel konnten ihre Bestände in den letzten Jahrzehnten deutlich ausbauen. Auch Großvögel wie Kranich, Seeadler oder Uhu zeigen positive Entwicklungen, da sie zusätzlich durch gezielten Artenschutz gefördert werden.

Auf der Verliererseite stehen viele Arten der Agrarlandschaft und der Feuchtgebiete. Rebhuhn, Feldlerche, Braunkehlchen oder Kiebitz haben massive Bestandsverluste erlitten. Bei einigen Arten ist der Rückgang so stark, dass sie in Deutschland bereits ausgestorben oder akut vom Aussterben bedroht sind. Der Klimawandel wirkt hier als Verstärker bestehender Probleme wie intensiver Landwirtschaft, Pestizideinsatz und Insektenrückgang.

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Quellen

Leana Bremer im Porträt

Leana Bremer

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